Parkplatz ohne Ausfahrt an neuer Gesamtschule in Würselen

Parkplatz ohne Ausfahrt an Gesamtschule : „Das wurde schlicht und ergreifend vergessen“

Es heißt, dass zuerst die Pflicht kommt und dann die Kür. Dass es auch andersherum laufen kann, ist zurzeit an der neuen Würselener Gesamtschule zu sehen.

Das Gebäude wurde pünktlich und innerhalb des avisierten Kostenrahmens verwirklicht, und die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Monaten keine Gelegenheit ungenutzt gelassen, zu betonen, wie stolz sie darauf ist.

Nur eine Fingerübung?

Eine andere Sache, die der Laie im Vergleich mit dem Bau eines Schulgebäudes eher als Fingerübung einstufen mag, hat man hingegen nicht pünktlich zum Schulstart hinbekommen: Die Absenkung des Bordsteins und die Entfernung der Parkbucht vor dem Lehrerparkplatz an der Krottstraße. Die bestehenden Gegebenheiten führen nun dazu, dass jeder, der in der Krottstraße einen Parkplatz sucht, den Lehrerparkplatz zuparken kann, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Das muss noch nicht mal aus böser Absicht geschehen. Denn dass der Parkplatz nach hinten durch Poller geschlossen ist, ist von der Straße her nicht zu erkennen und erfordert eine genaue Inaugenscheinnahme der Umgebung.

Am Sonntag zur Mittagszeit konnte man vor Ort zwei Frauen mit einem kleinen Kind antreffen, die ihr Auto auf dem Lehrerparkplatz abgestellt hatten und nun entgeistert feststellten, dass sie diesen nicht mehr verlassen können. Ein Citroën und ein VW hatten sich zwischenzeitlich in der Parkbucht breit gemacht. Die beiden Frauen behalfen sich schließlich, indem sie den Parkplatz mit dem Auto über einen schmalen Fußweg verließen – was wohlgemerkt nur funktionierte, weil der Lehrerparkplatz nicht komplett mit Autos zugestellt war.

Anders als für den Bau der Gesamtschule, die durch die Firma Goldbeck errichtet wurde, war für die Anpassung der Gegebenheiten auf der Straße die Stadt zuständig. Stadtsprecher Bernd Schaffrath räumte am Montag mit entwaffnender Ehrlichkeit ein, dass man dieses Detail „schlicht und ergreifend vergessen“ habe. Die Vergabe der entsprechenden Leistung, deren Kosten sich auf 12.000 Euro belaufen dürften, werde vorbereitet und für den Parkstreifen so schnell wie möglich ein Halteverbot eingerichtet.

Eine andere zu regelnde Angelegenheit ist die Entfernung des Erdhaufens auf der Nordseite der Schule, was anders als ursprünglich angekündigt nicht bis Schulstart erledigt worden ist. Mittlerweile hat man sich im Rathaus überlegt, dass der Aushub sinnvollerweise in den Herbstferien, wenn kein Schulbetrieb herrscht, entsorgt werden könnte. Das wäre in der zweiten Oktoberhälfte. Bernd Schaffrath beteuerte, dass die Erde selbst ausweislich verschiedener Proben nicht kontaminiert sei, jedoch womöglich asbesthaltige Bremsbeläge von Lokomotiven darin schlummern könnten. Das nunmehr zum Schulgelände gewordene Areal war früher Heimat einer Bahnbetriebsanlage.

Die Bezirksregierung Köln teilte unserer Zeitung auf Nachfrage mit, dass man die Lagerung des Aushubs vor Ort über das Ende der Sommerferien hinaus „mehrmals kritisch angemerkt“ habe. Bei einer ordnungsgemäßen Sicherung des Aushubs wäre es jedoch „unverhältnismäßig“, seine unverzügliche Entsorgung einzufordern.

(jpm/anne)