Mitarbeiter des Rhein-Maas Klinikums unterstützen Malteser

Rhein-Maas Klinikum : Schnelle Hilfe bei Unglücken im Ausland

Das Telefon klingelt – eigentlich hat Erik Och an diesem Tag im Rhein-Maas Klinikum dienstfrei. Aber als der Anrufer sich meldet, ist klar, jetzt ist er als ehrenamtlicher Rückholer beim Malteser gefragt. Er schaut auf seine gepackte Reisetasche.

„Wir tragen unsere freien, verfügbaren Zeiten in Dienstpläne ein, um für Rückholdienste zur Verfügung zu stehen“, erklärt der Geschäftsführende OP-Manager am Rhein-Maas Klinikum sowie Diplom-Krankenpfleger und Fachkrankenpfleger im Bereich Anästhesie und Intensivmedizin das Verfahren. Und dann saust er auch schon los.

Etwa 400.000 Bundesbürger – vom Säugling bis zum Senioren – erkranken oder verunglücken weltweit jedes Jahr während eines Urlaubsaufenthaltes. Hinzu kommen noch Menschen bei Auslandseinsätzen und sportlichen oder beruflichen Aufenthalten. Dann sind erfahrene medizinische und pflegerische Fachleute gefragt, die die immobilen, Trauma-, Beatmungs- oder Intensivpatienten beim Transport unterstützen können. Genau dann hilft der Rückholdienst des ehrenamtlich geprägten Malteser Hilfsdienst e.V.

„Passen Qualifikation seitens des Begleiters und die Verfügbarkeit im gesuchten Zeitraum zusammen, kommen Flugeinsätze zustande – dies gilt inner- und außerhalb der Ferienzeiten. „Manchmal werden auch per SMS kurzfristig Helfer gesucht“, ergänzt Juljana Holz, stellvertretende Teamleiterin in der Klinik für Anästhesie des Rhein-Maas Klinikums, die sich ebenfalls im Rückholdienst engagiert. „Der Dienst fliegt weltweit für Versicherungen, Automobilclubs – auch für die Bundeswehr bis in Krisenregionen“, ergänzt Erik Och.

Juljana Holz, ehrenamtliche Helferin des Malteser-Rückholdienstes und stellvertretende Teamleiterin in der Klinik für Anästhesie des Rhein-Maas Klinikums. Foto: Rhein-Maas Klinikum

„Teilweise begleiten wir leichter Verletzte in Linienflügen aber auch mehrfach traumatisierte, beatmete Patienten in speziell ausgestatteten Learjets“, erzählen sie. Beide, Och und Holz, fliegen jeweils seit mehreren Jahrzehnten weltweit Rückholeinsätze für die Malteser. In jüngeren Jahren waren es mehr, in der Familienzeit weniger Einsätze – aber immer mit ganzem Herzen.

„Oft ist unser Fachwissen aus Zeiten unserer Lehrzeit gefragt“, berichten beide. Besonders dann, wenn sie Patienten aus sogenannten Schwellenländern abholen. „Dort sind die Krankenhäuser nicht hoch technisiert wie hier“, wissen sie aus Erfahrung. „Oder es passieren Übermittlungsfehler. Ich erinnere mich an eine Sache, das ist Jahre her. Da war mir eine Begleitung eines Patienten mit Unterschenkelfraktur angekündigt. Die hatte der Mann auch – aber außerdem auch schwerste Thorax- und innere Verletzungen. Den Patienten mussten wir erst einmal stabilisieren, bevor wir ihn nach Hause bringen konnten“, erinnert sich Erik Och. Neben seiner Arbeit und den Rückholdiensten wird er im kommenden Jahr für Interplast nach Nepal fliegen und dort zwei Wochen lang ein Ärzteteam unterstützen, das schwerverbrannte Kinder operiert. „Das werden vermutlich Zustände wie hier vor Jahrzehnten sein, wo wir Verbände und Tupfer wieder auswaschen und sterilisieren müssen, um sie weiter verwenden zu können.“

Menschen in Not nicht allein zu lassen, das verbindet Berufstätigkeit und ehrenamtliches medizinisches Engagement. – und Dankbarkeit für die Möglichkeiten, der Unterstützung, die erkrankte Menschen bekommen können. Wie ihr Kollege Walter Gerhards, der ebenfalls Fachpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege und seit Jahrzehnten für Interplast tätig ist, unterstützen Juljana Holz und Erik Och Menschen neben ihrer professionellen Tätigkeit im Krankenhaus. „Die Erleichterung der Patienten, wenn wir ihnen helfen – organisatorisch, medizinisch und auch menschlich – das motiviert uns. Auch der Einblick in die Arbeit und die Gesundheitssysteme unserer Kollegen in anderen Ländern. – Diese Erfahrungen helfen uns zu beurteilen, wie gut es uns hier geht, wie zufrieden wir eigentlich sein könnten“, beschreiben beide ihre Motivation.

(red)
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