Manfred Leuchter & Freunde begeisterten auf Burg Wilhelmstein

Zauberabend „Zwischen Bach und Bagdad“ : Manfred Leuchter & Freunde begeisterten auf Burg Wilhelmstein

Manfred Leuchter selbst sprach am Ende seines Gastspiels am Freitagabend auf der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein von einem „Zauberabend“ – und das Burgpublikum konnte ihm da nur zustimmen.

Das musikalische Repertoire „Zwischen Bach und Bagdad“ bot einmal mehr stimmungsvolle Stunden. Zu Beginn begrüßte eine Stimme aus dem Off zu einer Flugreise, kündigte als Duty-free-Angebot Musik-CDs und gekühlte Getränke an. Noch ganz allein betrat Manni Leuchter, wie er von seinen Freunden und Fans genannt wird, die Bühne und bot im Scheinwerferlicht ein erstes Akkordeon-Solo. Danach kamen seine Freunde ins Spiel: Der Italiener Andrea Piccioni, der Syrer Feras Sharestan, Mohamed Najem aus Palästina, Bassem Hawar aus Bagdad und der Niederländer Antoine Pütz, seit vielen Jahren Leuchters treuester Partner. Auf ein großartiges Bühnenbild können die Musiker verzichten.

„Ich bin stolz, mit diesen Musikern auf der Bühne zu stehen“, betonte Leuchter. Im kommenden Jahr feiert er sein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Und in den vergangenen zwei Jahrzehnten war er regelmäßig zu Gast auf der Burg. Was er auf seinen Reisen um die Welt erlebt hat, die Menschen, denen er begegnete, davon erzählt sein Konzertprogramm, mit dem er musikalische Brücken baut.

„Ich habe lange in einem orientalischen Land gelebt. In Marrakesch, ehemalige Hauptstadt des marokkanischen Reiches im Westen des Landes, war es bis zu 50 Grad heiß. Als es einmal plötzlich regnete, war das so besonders, dass ich ein Lied darüber geschrieben habe“, erzählt Leuchter. „Quand il pleut à Marrakech“ ist ein Ohrenschmaus. Schließt man die Augen, hört man die Regentropfen plätschern, kann dem Rhythmus des Orients lauschen. 2016 schrieb Leuchter ein Lied über Aleppo, neben Mekka eine Hauptstadt der islamischen Kultur. „Aleppo habe ich noch vor den Kriegszeiten erlebt und daraus ist dieses Lied entstanden“, erklärt Leuchter.

Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Solodarbietung von Feras Sharestan. „Das musste ich einfach in den Abend einbauen, denn solch ein Solo bekommt man nicht an jeder Ecke zu hören“, kündigte Leuchter seinen syrischen Freund an. Tatsächlich war das rund achtminütige Spiel auf der Quanun, der orientalischen Kastenzither, unter den erfahrenen Händen von Feras Sharestan ein zauberhafter akustischer Genuss. War die Musik auch oftmals melancholisch, gab Leuchter sich in den Zwischenmoderationen äußerst unterhaltsam, erzählte von gemeinsamen Erlebnissen, Proben, Aufnahmen im Studio mit seinen Freunden. Mehrfach durfte das Publikum selbst seine rhythmischen Fähigkeiten unter Beweis stellen und mitmachen.

Nicht fehlen durfte das Kultstück „Arabesque“, ein Klangteppich ohnegleichen. Sängerin Sanaz Zaresani aus dem Iran verzauberte das Publikum mit ihrem Gastauftritt. Im roten Kleid sang sie von der Vergänglichkeit der Schönheit. Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an, das unterstrichen auch die Vertonung der christlichen Passionsgeschichte in einem arabischen Stück und die Zugabe „Das Lächeln des Clowns“. Beim Schlussapplaus machte Leuchter noch schnell ein Foto vom Publikum zur Erinnerung an den besonderen Abend auf der Burg mit einer musikalischen Reise um die halbe Welt.

Mehr von Aachener Zeitung