Kurt Krömer auf Burg Wilhelmstein 2019

Burg Wilhelmstein : Kurt Krömer und die ultimative Nachbarschaftspflege

Der Berliner und seine Art dürfte dem gemeinen Rheinländer des Öfteren suspekt sein – eine Tatsache, die gemeinhin auf Gegenseitigkeit beruhen dürfte. „Berliner Schnauze” und „Rheinischer Frohsinn” sind dennoch ideale Nährböden für unschlagbaren Humor auf beiden Seiten.

Kurt Krömer, seines Zeichens Komiker aus Neukölln, weiß die „Diskrepanzen” zwischen beiden Bevölkerungsgruppen zu schätzen.

Der Kabarettist mit den steif sitzenden Anzügen gastierte bereits zum zweiten Mal auf der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein in Bardenberg. Bei seiner Rückkehr ins Grenzland setzte er sich in gewohnt sarkastischer Manier mit „Stresssituationen” auseinander und ließ knapp über 600 begeisterte Gäste an seinen Erkenntnissen teilhaben.

Seine schrullige Art und die eigenwilligen Modekompositionen ist nicht nur Kabarettfreunden seit fast zwei Jahrzehnten in Funk und Fernsehen ein Begriff. Seit 2018 tourt er nun mit seinem insgesamt sechsten Bühnenprogramm über die Bühnen der Republik. Krömer nahm mit spitzer Feder die skurrilen Eigenarten einer mehr und mehr digitalisierten Gesellschaft aufs Korn, wobei sich weder Politiker noch das Publikum selbst sicher fühlen durften. Für die alltäglichen Stresssituationen in der Kindererziehung, im Berufsleben oder in der eng bemessenen Freizeit hat der West-Berliner seine ganz eignen Methoden, den eigenen Puls zu beruhigen.

Leider gelingt dies in den seltensten Fällen – seine spontanen cholerischen Ausraster, die häufig auch mal das anwesende Publikum durch den Kakao ziehen, sorgten am Samstagabend für die größten Lacher. Eine Eulennachbildung im Dachkonstrukt der Freilichtbühne wurde zwischenzeitlich entfernt. Krömer fiel dies natürlich sofort auf und appellierte an die „Tierliebe” der Anwesenden.

Mit schrägen Vergleichen sorgte er für gehörige Lachsalven. Wenn für Heimtierfutter laut Statistik ebenso viel Geld im Jahr ausgegeben wird wie für pornografische Medien, dann lässt das für Krömer nur einen Rückschluss zu: Da sich auf Nachfrage auch bei diesem Auftritt im Publikum niemand als Konsument zu erkennen gab, muss es im gesamten Bundesgebiet genau eine „ultimative Pottsau” geben, die Milliarden in den Konsum dieser Medien investiert.

Die unterschwellige Spießigkeit im Leben der Deutschen ist ohnehin jener Punkt, den Krömer am liebsten parodiert. Der bekennende Familienmensch weiß als treusorgender Familienvater und verlässlicher Nachbar, wie man sich gegen die Widrigkeiten des Alltags zur Wehr setzt. Wenn die Nachbarn beispielsweise den Tagesablauf in den eigenen vier Wänden mittels „Alexa-Sprachsteuerung” vereinfacht haben, bieten sich ungeahnte Möglichkeiten.

Ein gekipptes Fenster reicht, um dem schwarzen Zylinder heimlich neue Aufträge zu zu flüstern. Quäkt das digitale Helferlein dann zu früher Stunde die Erinnerung heraus, der Herr des Hauses solle sich bei einer (fiktiven) Liebhaberin melden, ist für großes Kino in der gesamten Siedlung gesorgt.

Krömer konnte auch dieses mal dafür sorgen, dass der Berliner und der Rheinländer wieder ein Stück aufeinander zugehen konnten. Muskelkater in der Zwerchfellregion nahm der Gast aus dem Nordosten billigend in Kauf – und verabschiedete sich mit einem vielsagenden „Tschüss Nachbarn”.

(yl)
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