Kunst einmal anders: Jazzduo spielt in St. Willibrord in Herzogenrath

Von Kirchenliedern über Chopin bis zu den Beatles : Musikalisches Duo vermischt die Klassik mit dem Jazz

Die traditionsreiche katholische Pfarrkirche St. Willibrord im geschichtsträchtigen kleinen Ort Euchen entwickelt sich in letzter Zeit immer mehr zu einem weiteren Geheimtipp in Sachen Kulturveranstaltungen – und in Sonderheit beim Thema „Konzerte". So auch am Sonntagabend.

Der Pfarrausschuss St. Willibrord Euchen konnte diesmal unter dem Titel „Kunst einmal anders“ mit dem Duo Franz Brandt aus Alsdorf am Klavier und Johannes Flamm aus Aachen an der Klarinette sowie am Saxophon zwei vielseitige Musiker gewinnen, die schon eine regionale und jüngst auch überregionale Bekanntheit erlangt haben und daher viele Besucher in die Kirche lockten.

Beide Künstler haben ihre Grundlage in der klassischen Musik, beide sind aber auch dem Jazz zugetan. Diese Mixtur sorgte für manch eine gelungene Überraschung am frühen Sonntagabend. Den Beginn machte eine Hommage der beiden Musiker an den Aufführungsort, das Gotteshaus. Über groovigen Jazzklängen von Franz Brandt entfaltete Johannes Flamm sein Klarienetten-Solo mit der Melodie des Gotteslob-Liedes „Ein Haus voll Glorie schauet".

Aus seiner Verehrung für Johann Sebastian Bach hat Franz Brandt nie einen Hehl gemacht. So war Bach auch diesmal mit zwei Programmpunkten vertreten. Zum einen mit einer Jazz-Kompilation, zum anderen mit dem berühmten C-Dur-Präludium: Hier entfaltete Johannes Flamm über den Klängen von Franz Brandt auf der Klarinette das „Ave Maria" von Charles Gounod. Die weitere musikalische Reise führte die beiden nach Russland – hier intonierten sie den im Original Monat Mai innerhalb der Komposition „Die Jahreszeiten" von Peter Iljitsch Tschaikoswky – und nach Mallorca. Dort hatte sich Fréderic Chopin einst mit seiner Geliebten George Sand niedergelassen.

Frucht dieser im ganzen frustrierenden Reise war nicht nur die verhängnisvolle Tuberkulose-Erkrankung des genialen Polen in einem ungemütlichen Insel-Winter, sondern auch eine ganze Reihe genialer Kompositionen. Franz Brandt und Johannes Flamm gaben dabei in Euchen eine virtuose Prélude zum Besten.

Weitere Kirchenkompositionen und eine vokale Einlage von Franz Brandt mit einer Beatles-Einlage rundeten ein bemerkenswertes zweistündigen Programm ab. Als Zugabe gab es „Öcher Ton": ein Potpourri bekannter Aachener Heimatlieder aus der Feder des legendären und vor wenigen Jahren verstorbenen Mundartdichters Leo Lamm. In der Pause waren die Künstler bei einem Glas Wein mit den interessierten Besuchern ins angeregte Gespräch gekommen.

(jope)
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