Heidegarten in Würselen: Eine halbe Million Euro Containermiete

Heidegarten in Würselen : Eine halbe Million Euro Containermiete

Nicht nur bei den Kosten für neue Gebäude kann man sich schwer verschätzen. Das zeigt sich bei der Kita Heidegarten in Würselen. Bei der Containermiete für die Übergangsphase gab es eine böse Überraschung.

Landauf, landab klagen Kommunen darüber, dass die Kosten für Bauvorhaben dieser Tage schwer zu kalkulieren sind. Ein Grund dafür ist das – zumindest zurzeit noch – florierende Baugewerbe. Vereinfacht gesagt gibt es zu viele Aufträge, die sich auf zu wenige Auftragnehmer verteilen, und der mangelnde Wettbewerb dreht die Preisschraube nach oben.

Böse Überraschung

Doch auch vermeintliche Nebenkosten können böse Überraschungen mit sich bringen. Das kann die Würselener Stadtverwaltung bestätigen, wo man zurzeit den teilweisen Abriss und Neubau des Familienzentrums Heidegarten in Bardenberg vorbereitet – und nun die Politik mit der unschönen Nachricht konfrontieren musste, dass man 280.000 Euro mehr ausgeben muss als ursprünglich vorgesehen. Das liegt allerdings nicht an dem Bauvorhaben selbst. Sondern an den Containern, in denen die Kita-Gruppen untergebracht werden sollen, sobald der Abriss los geht.

An- und Abtransport: 142.800 Euro

2017 hatte die Verwaltung Richtpreisangebote eingeholt und war auf dieser Basis zu dem Ergebnis gekommen, dass 189.000 Euro brutto für die „dreigruppige Ersatzkindertagesstätte“ einzuplanen sind. Davon wären 45.000 Euro auf An- und Abtransport entfallen und 144.000 Euro auf die Miete für 18 Monate. Im Sommer dieses Jahres schrieb die Verwaltung die Leistung aus, und selbst das günstigste eingegangene Angebot lag deutlich über dem, womit man gerechnet hatte. Der Preis für An- und Abtransport hat sich auf 142.800 Euro mehr als verdreifacht, alldieweil die Miete haarscharf unter der 300.000er-Marke liegt, sich also mehr als verdoppelt hat. Alles in allem ergibt sich eine Summe von 460.000 Euro.

Verkürzte Mietdauer

Die Kostensteigerung ist umso beeindruckender angesichts der Tatsache, dass man 2017 noch davon ausgegangen war, die Container 18 Monate lang zu brauchen. Mittlerweile rechnet man nur noch mit 14 Monaten, es hätte also vom Grundsatz her Grund zu der Annahme bestanden, dass die Kosten sinken würden. Insgesamt kosten die vier neuen Gruppen für den Heidegarten 3,645 Millionen Euro. 13 Prozent davon entfallen auf die Übergangslösung Container. Nicht eingerechnet ist der bereits 2014 entstandene zweigruppige Neubau, der an das nun entstehende Gebäude angegliedert werden soll.

Politik und Verwaltung blieb kaum etwas anderes übrig, als das beste Angebot, das man vielleicht eher als das am wenigsten schlechte bezeichnen sollte, anzunehmen. Die Alternative hätte darin bestanden, die komplette Planung für den Heidegarten über den Haufen zu werfen. Um nicht auf das Ende der politischen Sommerpause warten zu müssen, führte die Verwaltung eine Dringlichkeitsentscheidung herbei, die Fraktionsvorsitzenden segneten die Angelegenheit zähneknirschend per Unterschrift mehrheitlich ab.

Die Vorgaben für Dringlichkeitsentscheidungen sehen vor, dass der Rat die Entscheidung nachträglich genehmigt. Das geschah in der ersten Ratssitzung nach der Sommerpause am Dienstagabend. Die UWG stimmte als einzige Fraktion dagegen. Die anderen Fraktionen stimmten zwar zu, ereiferten sich aber leidenschaftlich über den Vorgang. „Mir hat es fast die Schuhe ausgezogen“, bekannte CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz. „Ich habe nur mit Bauchschmerzen unterschrieben.“

Die Stadtverwaltung war über die Kostensteigerung naturgemäß ebenfalls unglücklich, machte aber deutlich, dass die entstehenden Kosten den „derzeit aktuellen Marktpreisen“ entsprächen. Dies hätten „telefonische Rückfragen“ in den Nachbarkommunen ergeben.

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