Forum Medizin in Würselen: Schmerztherapeutin Dr. Andrea Roth-Daniek referiert

Forum Medizin in Würselen zum Thema Rheuma : Der Patient muss mitwirken

Grundsätzlich ist Schmerzempfinden wichtig für den Menschen – als Signal dafür, dass etwas nicht stimmt. Aufgrund der Hinweise dieses Warn- und Alarmsystems können der Betroffene und sein Arzt der Ursache auf den Grund gehen. Aus den Fugen gerät das Ganze, wenn der Schmerz chronisch wird, sich sogar „verselbstständigt“. Aber es gibt wirksame Hilfe.

Allein in Deutschland leiden etwa 14 Millionen Bürger an chronischen Schmerzen, ein Fünftel davon bereits über 20 Jahre. Gerade Rheuma-Patienten sind leider oft von quälenden Schmerzen betroffen. So ist es angesagt, dass die Primärbehandlung durch einen Rheumatologen von einer individuell ausgearbeiteten Schmerztherapie begleitet wird.

Dr. Andrea Roth-Daniek, Leiterin der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin am Rhein-Maas Klinikum Würselen (RMK), und ihr Team sind auf solche (Sekundär-)Therapien spezialisiert.

In der 34 Betten zählenden Klinik werden pro Jahr rund 1000 Patienten mit chronischen Schmerzen auf Grund von Erkrankungen aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten (zum Beispiel Orthopädie, Neurologie, Rheumatologie) behandelt. Hinzu kommen nochmals rund 2500 ambulante Patienten, darunter rund 15 Prozent Rheuma-Patienten.

Roth-Daniek ist eine Referentin des Forums Medizin zum Thema „Rheuma früh erkennen und behandeln“, das sich am Dienstag, 21. Mai, mit der Frage beschäftigt „Wie Patient und Arzt heute besser kooperieren können“.

„Wir nehmen dabei den Patienten mit seinen Schmerzen ganzheitlich wahr und besprechen auf Augenhöhe Therapieziele, um diese gemeinsam umsetzen zu können. Das Mitwirken des Patienten ist unbedingt notwendig“, betont die Fachärztin. Wichtiger Bestandteil der Therapie chronischer Schmerzen ist die kontrollierte, also wohldosierte Einnahme von Medikamenten. Dabei wird zunächst versucht, in der Klinik das Schmerzniveau zu senken (beispielsweise durch Tabletten, Schmerzpflaster, Infusionen). Gerade der Rheuma-Patient sollte mit Blick auf seine Beschwerden in Bewegung bleiben.

Auf den jeweiligen Fall abgestimmte Krankengymnastik und Trainingstherapie müssen vom Patienten mitgetragen und gelebt werden. Ziel ist laut Roth-Daniek, entsprechend dem Behandlungsfortschritt die Verabreichung von Medikamenten zu reduzieren. „Der Patient soll mit möglichst wenig Medikamenten entlassen werden“, sagt sie.

In intensiven Gesprächen – einzeln, aber auch in Gruppen – geht es um die Begleitumstände von chronischem Schmerz. Der multimodale Therapieansatz konzentriert sich nicht nur auf die organischen Aspekte von Schmerzentstehung. Genauso wichtig sind psychische und soziale Komponenten. Das heißt, auch Diplom-Psychologen sind in der Klinik im Einsatz. Zur modernen Schmerztherapie gehört die interdisziplinäre Zusammenarbeit der zugrunde liegenden Fachrichtungen sowie Physikalische Medizin, Radiologie, Physio- und Psychotherapie. „Wir können chronische Schmerzen nicht heilen, aber wir können sie therapieren, so dass der Patient damit leben lernen kann“, sagt Roth-Daniek. Ziel ist, die Lebensqualität zu verbessern und lange zu erhalten. Der Betroffene soll möglichst eigen- und selbstständig bleiben.

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