Erasmus-Schüler werben für ein geeintes Europa

U18-Wahl : Erasmus-Schüler werben für ein geeintes Europa

Wenn am übernächsten Sonntag alle Bürger der Europäischen Union aufgerufen sind, ein neues Parlament zu wählen, werden die Schüler des städtischen Gymnasiums Würselen bis auf wenige Ausnahmen noch zu jung für eine Stimmabgabe sein.

Dafür werden sie bereits am Freitag schulintern zur Urne gebeten und können im Stile der Europa Wahl die Abstimmung simulieren.

„U18-Wahl” heißt das Projekt, das bereits bei der Bundestagswahl 2017 am Gymnasium durchgeführt wurde. Dieser „Probelauf” vor anderthalb Jahren verlief derart gut, dass die Entscheidung für eine erneute Durchführung leicht fiel. Vorbereitend besuchten Schüler des „Erasmus+”-Programms, an welchem die Schule teilnimmt” die Klassen der Mitschüler und erzählten von ihren Erlebnissen während der vielfältigen Austauschprogramme. Den Zuhörern sollte ein Eindruck vom „gelebten” Europa der freien Grenzen und der internationalen Zusammenarbeit vermittelt werden.

Einzige Schule im Nordkreis

Das Würselener Gymnasium ist als einzige Schule im Nordkreis teil von Erasmus+. Lehrerin Melinda Veggian war es, die einst zusammen mit der ehemaligen Schulleiterin Lydia Becker-Jax die Idee hatte, eine eigene Bewerbung der Schule auf die Beine zu stellen. Der jetzige Schulleiter Frank-Michael Becker „erbte” das Vorhaben und war von der ersten Minute an Feuer und Flamme. Becker verfügt über langjährige Erfahrungen im sogenannten Auslandsschuldienst, arbeitete an einer Schule im belgischen Mol, welche mit Französisch, Flämisch, Niederländisch und Deutsch gleich vier in der Region verankerte Sprachen in verschiedenen Schienen zählt.

Das Austauschprogamm umfasst seitens der Schule 20 Schüler (hauptsächlich aus der Jahrgangsstufe 8) und vier Lehrer. Neben Veggian zeichnen die Lehrkräfte Carina Renn und Stefan Flosbach verantwortlich für die immense Verwaltungs- und Koordinationsarbeit, die laut Becker weit über einen normalen Einsatz hinaus gehe. Auch Bastian Firneburg ist Teil des Teams und zusätzlich schulinterner Leiter der anstehenden U18-Wahl.

Gleichgesinnte

Zusammen mit Gleichgesinnten aus Kroatien, Schweden, Frankreich und Italien bilden die Würselener Teilnehmer von Erasmus+ ein internationales Fünfeck. Besuche in Kroatien und Schweden liegen bereits hinter der deutschen Delegation, das Motto der bis Mitte 2020 laufenden Zusammenarbeit lautet „digital mapping of traditional jobs”, also das Erforschen und die digitale Darstellen von traditionellen Arbeitsprofilen.

Das Fünfeck der beteiligten Staaten hält die unterschiedlichsten Jobprofile zum Erkunden bereit: Während in Schweden beispielsweise die Fischerei weitaus ausgeprägter ist als in Mitteleuropa, wird Deutschland unter anderem mit dem Bäckerhandwerk aufwarten. Der Informations- und Bildungsaustausch soll die internationale Kooperation fördern und einen möglichen, beruflichen Schritt ins Ausland vereinfachen. Neben dem „offiziellen Erkundungspart” während der zahlreichen Austauschprogramme ist die individuelle Erfahrung, die die Schüler sammeln, natürlich kaum zu messen.

Auch „Wahlkampf“

Die U18-Wahl selbst wird vom sozialwissenschaftlichen Kurs der EF organisiert und durchgeführt. Ziel sei es, die Schülerschaft über die Wichtigkeit von Europa aufzuklären und Begeisterung zu erzeugen. Im „Wahlkampf” wurden Plakate mit den politischen Programmen der antretenden Parteien im gesamten Schulgebäude angebracht. Am heutigen Freitag werden zwei Wahlbüros samt eigener Kabinen eingerichtet, die Wahl selbst findet auf freiwilliger Basis statt.

Die Erasmus-Schüler hoffen, bis dahin ihre Schulkameraden überzeugen zu können, dass in den Zeiten von Nationalismus und Populismus die Europafrage wichtiger denn je ist. Aus Sicht der Schüler ist schließlich „Europa das Lebenselixier sowohl des Projekts als auch der eigenen Zukunft”.

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