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Paketzustellbasis: Ein Rekordjahr auch an der Palmestraße

Paketzustellbasis : Ein Rekordjahr auch an der Palmestraße

Die DHL-Zustellbasis in Würselen erwartet vor Weihnachten und mit Corona fast eine Verdoppelung der Sendungen. Zusteller Michael Burilo und seine Kollegen liefern täglich bis zu 18.500 Päckchen und Pakete aus.

Einladen, einsteigen, abfahren. So beginnen Michael Burilos Arbeitstage in der Regel. Auch was folgt, ist zumindest in Teilen klar: Ein Stopp nach dem anderen, um Paketsendungen und Päckchen auszuliefern. Auf wen er dabei trifft und was er an Wohnungstüren oder auf der Straße erlebt, das unterscheidet sich von Tag zu Tag.

Über zu wenig Arbeit können sich aktuell weder er und seine Kollegen, noch sein Arbeitgeber DHL oder dessen Wettbewerber beklagen. Die Zeit vor Weihnachten ist für das Versand- und Zustellgewerbe naturgemäß eine turbulente. Die Corona-Pandemie hat noch einmal für Spitzenzahlen bei den Paketsendungen gesorgt. 2020 ist ein Rekordjahr, auf das sich auch die Zustellbasis in Würselen vorbereitet hat.

Aufkommen fast verdoppelt

Schon 2019 markierte einen Rekord für DHL. Das Unternehmen transportierte im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 1,58 Milliarden Sendungen. Eine Zahl, die nun – rund fünf Wochen vor Jahresende 2020 – bereits überholt wurde. Derzeit stehe man bei 1,6 Milliarden Sendungen.

Insgesamt, so die Schätzung, werde man Ende Dezember bei einem Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr landen (rund 1,8 Milliarden Sendungen). Im ersten Lockdown habe das Unternehmen 4000 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt, für den Weihnachtsverkehr seien noch einmal 10.000 dazu gekommen, insgesamt seien 13.000 Fahrzeuge neu in den Fuhrpark aufgenommen und zusätzliche Züge organisiert worden.

Auf die Rekordzahlen und das bevorstehende Weihnachtsgeschäft – statt wie in normalen Jahren durchschnittlich 5,2 Millionen Pakete an Spitzentagen rechnet man 2020 mit bundesweit über 11 Millionen Sendungen täglich vor dem Fest – bereitet sich DHL auch in Würselen vor.

Dort erwartet das Unternehmen für die kommenden Wochen, täglich bis zu 18.500 Päckchen und Pakete auszuliefern – beinahe eine Verdopplung des üblichen Aufkommens. „Neben der Sicherung der Transportkapazitäten haben wir uns vor allen Dingen personell verstärkt und setzen für die zuverlässige Auslieferung in Würselen 88 Paketboten ein“, sagt Marc Köllges, Leiter der Würselener Zustellbasis.

Insgesamt sind im laufenden Jahr an der Palmestraße 35 Aushilfen eingestellt worden. Wenn die gute Arbeit ablieferten, können sie im Unternehmen bleiben, erklärt Achim Gahr, Pressesprecher der Deutschen Post. Subunternehmer habe die DHL kaum beauftragt. „Wir arbeiten fast ausschließlich mit eigenen Kräften.“

 An einer Straße in Würselen sind mehrere Sendungen auszuliefern: Burilo legt die Päckchen und Pakete zurecht, um sie eine nach der anderen übergeben zu können.
An einer Straße in Würselen sind mehrere Sendungen auszuliefern: Burilo legt die Päckchen und Pakete zurecht, um sie eine nach der anderen übergeben zu können. Foto: MHA/Thomas Vogel

Einer der 88 Paketboten ist Michael Burilo. Vor etwas mehr als drei Jahren hat er das Ausliefern von Warensendungen zu seinem Beruf gemacht. Das bedeutet: eine zweijährige Ausbildung im Bereich Logistik für Post-, Dienst- und Zustellleistungen absolviert. Auf den Beruf ist der 20-Jährige durch seinen Vater und andere Bekannte aufmerksam geworden, die in diesem Bereich bereits ihre Brötchen verdienten. Er wusste also, auf was er sich einlässt. Burilo ist als Springer eingesetzt, fährt mal in Würselen, mal in Aachen, Alsdorf oder Baesweiler.

In der Regel geht es für ihn um 8.15 Uhr morgens los. Feierabend? „Das ist manchmal 14 Uhr, manchmal 15 oder 16 Uhr – kommt drauf an, wie lange ich brauche für die Pakete.“ Sollte es einmal zu lange dauern, kann Burilo die Auslieferung von Paketen auch auf den folgenden Tag verschieben und dann – je nach Anzahl der auszuliefernden Päckchen und Pakete – Hilfe bekommen, indem ein Kollege einige Sendungen übernimmt. Ziel ist aber, dass das Auto am Ende des Tages leer ist und so wird die Zahl der Sendungen pro Tour auch geplant.

Möglichst kontaktlose Übergabe

Die Gründe für den heftigen Anstieg des Paketaufkommens im laufenden Jahr liegen auf der Hand. Zum einen legt der Bereich E-Commerce – das Einkaufen übers Internet – Jahr für Jahr zu. Die Unternehmen des Wirtschaftssektors gehen bei der Verkehrsmenge bei Paketen von einem durchschnittlichen Jahresplus von rund sechs Prozent aus. 2020 kam dann die Coronavirus-Pandemie noch einmal oben drauf. Mit vielen geschlossenen Läden während des Lockdowns und der gewachsenen Vorsicht vieler Menschen, die lieber an Computer, Tablet und Smartphone shoppen als in der Einkaufsstraße.

Auch Burilos Arbeitsalltag als Paketbote hat Corona in Nuancen verändert. Die Mund-Nasen-Maske ist Pflicht, ebenso eine möglichst kontaktlose Übergabe. Wo die Kunden auf dem Scanner vorher selbst unterschrieben haben, macht das nun der Zusteller für den Kunden in dessen Beisein. Bei wichtigen oder teuren Sendungen wird der Kunde gebeten, auf dem Paket zu unterschreiben und der Zusteller macht davon ein Foto.

Was sich kaum verändert habe, sind die Kunden, denen Burilo ein Paket oder Päckchen bringt. Von der alleinstehenden Seniorin, die sich gerne noch ein bisschen unterhält, bis zu über den Inhalt einer Sendung verzückte Empfänger ist alles dabei. Natürlich kämen in Ausnahmen auch mal genervte oder gar freche Kommentare. Er bleibe dann professionell, sagt Burilo. „Alles gut. Ich weiß, wie ich reagieren muss und bleibe freundlich. Nächstes Mal wird es wieder besser.“