Dr. Andreas Möhlig hat Würselener Pfarrei St. Sebastian verlassen

Dr. Andreas Möhlig im Interview : „Christliche Botschaft muss für unsere Zeit neu entdeckt werden“

Im Interview mit Markus Ross spricht Dr. Andreas Möhlig über seine Zeit als Kaplan in Würselen, seinen Wechsel als Pfarrer in die GdG Aachen-Kornelimünster/Roetgen und seinen Blick auf die Kirche von heute.

Pfarrer Dr. Andreas Möhlig ist nach Jahren als Kaplan und Pfarrvikar in der Würselener Pfarrei St. Sebastian verabschiedet worden.

Sie haben sich in Würselen schnell heimisch gefühlt ...

Dr. Andreas Möhlig: Meine Einführung war zur Zeit der Jungenspiele. Wie kann man Würselen besser kennenlernen, als mit dieser Tradition? Auf jeden Fall will ich gerne dort sein, wo Menschen sind, und mich nicht in Büro oder Sakristei zurückziehen. Also bin ich mit auf die Zelte gegangen, habe mir die Umzüge angeschaut. Ich wurde von Anfang an freundlich aufgenommen und bin auf herzliche Menschen getroffen!

Sie hatten einen Schwerpunkt in der Jugendarbeit: Begleitung der Messdiener und Firmvorbereitung. Religionsunterricht in der Oberstufe am Städtischen Gymnasium lag Ihnen sehr am Herzen ...

Möhlig: Inzwischen nimmt die Schule einen enormen zeitlichen Umfang für Kinder- und Jugendliche ein. Mir ist wichtig, als Priester auch in dieser Lebenswelt präsent zu sein, auch fachlich mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Neben dem Unterricht gab es von Schülern und Kollegen viele Fragen dazu, wieso ein junger Mann heute noch Priester wird und welche Positionen ich in bestimmten aktuellen Fragen vertrete.

Gibt es etwas, das Sie besonders bewegt hat in Würselen?

Möhlig: Die Profanierung der Kirche St. Marien 2017 hat mich sehr bewegt – dort ein letztes Mal einen festlichen Gottesdienst zu feiern und in Gesichter zu schauen, die Abschied von ihrer Heimatkirche nehmen. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird dort ein Kolumbarium eröffnet.

Haben Sie sich die Aufgaben des Priesters so wie in Würselen vorgestellt?

Möhlig: Einen Praxisschock habe ich nicht bekommen – aber ich habe schnell gemerkt, dass die bisherige Gestalt der Kirche vor Ort in einer enormen Geschwindigkeit bröckelt: Weniger Menschen nehmen die klassischen kirchlichen Angebote wahr, wir müssen uns von liebgewonnen Traditionen und Gebäuden verabschieden und haben weniger hauptberufliches pastorales Personal zur Verfügung. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Aufgaben des Priesters, der schon jetzt nicht mehr nur in einer, sondern in mehreren Gemeinden beheimatet ist.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie?

Möhlig: Zunächst: Es ist ein regulärer Wechsel nach der Kaplanszeit, insofern war er von Anfang an absehbar. Aber je näher der Abschied gerückt ist, desto mehr wurde mir nochmals bewusst, wie gern ich in Würselen gelebt und gearbeitet habe. Viele Menschen, die Kirchenräume und die Ortsteile und Traditionen sind mir ans Herz gewachsen. Unter Priestern heißt es: „Die erste Kaplanstelle ist so etwas wie die erste große Liebe.“ Jeder, der die erste Liebe schon einmal erlebt hat, der weiß, wie prägend sie für das weitere Leben sein kann – mit allen Höhen und Tiefen

Am 22. September beginnen Sie Ihren Dienst in der GdG Aachen-Kornelimünster/Roetgen. Was erwartet Sie?

Möhlig: Zu der GdG gehören neun Pfarreien, 14 Dörfer, elf Kirchen, die Abtei Kornelimünster und 15.000 Katholiken. Aber Zahlen sagen wenig aus: Es erwartet mich eine andere Struktur der Kirche vor Ort und ein ländlicheres Umfeld. Ich fühle mich herzlich willkommen geheißen von den Menschen, die ich schon kennenlernen durfte. Als priesterlicher Mitarbeiter werde ich das Pastoralteam unterstützen, ich freue mich auf viele bereichernde Begegnungen in der Seelsorge.

Bischof Dr. Helmut Dieser hat Sie im Oktober 2018 zum „Handlungsfeldkoordinator“ im Gesprächs- und Veränderungsprozess berufen. Was ist damit verbunden?

Möhlig: Mit einer Kollegin koordiniere ich das erste von vier inhaltlichen Handlungsfeldern im „Heute bei dir“-Prozess. Dazu gehören u.a. die Teilprozessthemen Gottesdienst, Ehe und Familie, Dialog und Ökumene. Durch die Beschäftigung mit diesem Handlungsfeld, die Begleitung der Teilprozessgruppen, empirische Untersuchungen und viel Vernetzungsarbeit bekomme ich nochmals einen neuen Blick auf Themen und freue mich, mit vielen anderen die Zukunft der Kirche im Bistum mitgestalten zu können.

Wie wird sich die Kirche in den nächsten Jahren verändern?

Möhlig: Veränderungen sind für das Christentum ja nicht neu. Immer wieder hat es Zeitenwenden gegeben. Wie die Gestalt der Kirche werden wird? Ich weiß nur, dass die christliche Botschaft dieselbe bleibt; sie muss aber neu entdeckt werden für unsere Zeit.

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