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Abriss geglückt: Die alte Brücke der A44 über die Eschweilerstraße ist Geschichte

Abriss geglückt : Die alte Brücke der A44 über die Eschweilerstraße ist Geschichte

Abbruch der Brücke geht ohne Zwischenfälle oder Beschwerden von Anwohnern und Autofahrern über die Bühne. Für den Neubau sind zwei Jahre Bauzeit veranschlagt.

Sie ist weg. Die alte Autobahnbrücke der A44 über die Eschweilerstraße in Broichweiden. Jetzt zertrümmerte ein mehrere hundert Kilogramm schwerer Felsmeißel die letzte Stützmauer der Brücke. Zwei Behelfsbrücken aus Stahl, je eine für jede Fahrtrichtung, übernehmen nun ihre Funktion. Der Abbruch, bei dem Mensch und Maschinen fünf Tage durcharbeiteten, war eine Herausforderung. Für beide. Als der letzte Akt vollzogen wurde, waren auch die Verantwortlichen von der Autobahn Rheinland GmbH, Projektleiter Klaus Erdorf (55) und Bauüberwacher Ralf Goffart (44), dabei.

Warum das Bauwerk überhaupt abgerissen werden musste? „Die Brücke wurde bereits 1961 für den Verkehr freigegeben und im Laufe der Jahre einmal verbreitert“, erklärt Erdorf. Sie habe mit der Zeit „Defizite“ erhalten und entspreche nicht mehr dem heutigen Standard. Zahlen, die einen zum Staunen bringen, untermauern das, was mit Defiziten wohl gemeint ist: Heute passieren täglich um die 60.000 Fahrzeuge die A44 in Höhe Broichweiden. Vom Motorrad bis hin zum 40-Tonner. 1961, mit Inbetriebnahme der Brücke, habe ein Lkw lediglich bis zu 12 Tonnen Ladung transportiert. Und die Durchlaufzahl sei eine ganz andere gewesen. „Das sind heute ganz andere Massen, Gewichte und eine wesentlich höhere Frequenz“, so Erdorf.

Hinzu komme, dass mit dem Projekt Autobahnkreuz Aachen, die A44 bis hinter Broichweiden sechsspurig ausgebaut werde. Das sei mit der alten Brücke nicht mehr zu machen gewesen. Also sei der Abriss in das Projekt Autobahnkreuz im Nachhinein als „Anhängsel“, integriert worden.

 Ein Arbeiter trennt mit einem Schweißgerät die Eisenbewährung der Fahrbahn von der Eschweilerstraße und dem Abbruchbereich.
Ein Arbeiter trennt mit einem Schweißgerät die Eisenbewährung der Fahrbahn von der Eschweilerstraße und dem Abbruchbereich. Foto: Paul Kemen

Als der Felsmeißel sich unter lautem Hämmern den Rest der Stützmauer vornimmt, schwingt ein wenig Stolz über das Geleistete bei Klaus Erdorf mit. Es sei eine Baustelle gewesen, die von Anfang an Fahrt aufgenommen habe und glatt gelaufen sei. Von der Planung bis hin zu den Genehmigungen für bestimmte Maßnahmen. „Man darf nicht vergessen, dass hier in den fünf Tagen 24 Stunden nahezu ununterbrochen gearbeitet wurde. Die Zusammenarbeit mit den Behörden war sehr gut. Es hat alles gepasst.“

Sicherlich hätten die Behörden durchaus Auflagen gemacht, aber die seien verständlich und nachvollziehbar gewesen, so Erdorf weiter. So habe man die Anwohner an der Eschweilerstraße, ein paar hundert Meter vom Abrissort entfernt, vor Beginn der Abrissmaßnahmen mit Handzetteln informiert. Natürlich mit Erreichbarkeiten der Verantwortlichen. Und man habe entsprechende Staubbindemaschinen eingesetzt. Zu Deutsch: Wasserkanonen. Deren Funktion ist klar: Sie sollten die Staubentwicklung während des Abbruchs erheblich reduzieren. Hinzu kam noch ein entsprechender Lärmschutz in Form einer transportablen Lärmschutzwand. Erdorf erleichtert: „Mir sind keinerlei Beschwerden zu Ohren gekommen. Weder von Anwohnern noch von Autofahrern. Das ist immer schön.“

 Projektleiter Klaus Erdorf (links) und Bauwächter Ralf Goffart beobachten die restlichen Arbeiten.
Projektleiter Klaus Erdorf (links) und Bauwächter Ralf Goffart beobachten die restlichen Arbeiten. Foto: Paul Kemen

Eigentlich ist Ralf Goffart fachlich gesehen ein Bauüberwacher. Also vom normalen Verständnis her eher für die Überwachung eines Aufbaus zuständig. Wie es aber halt so ist, zählen Abrissmaßnahmen auch zum Baumetier und gehören somit folgerichtig zu seinem Aufgabenbereich. Er war täglich auf der Bau- bzw. Abrissstelle. Ständig hielt er den Kontakt mit den Mitarbeitern der Abbruchfirma. Die kommt aus den Niederlanden und hatte das europaweite Ausschreibungsverfahren für sich entschieden.

Nachdem die Verkehrsmaßnahmen, also Ableitungen, Umleitungen, Beschilderungen eingerichtet waren, sei die Firma mit ihrem schweren Gerät angerückt. „Insgesamt wurden hier fünf Kettenbagger, zwei Felsmeißel, ein Radlader, zwei Abbruchgreifer und zwei Betonscheren eingesetzt“, listet Ralf Goffart auf. Wobei er noch lächelnd hinzufügt, die Kettenbagger hätten ein „Kampfgewicht“ von bis zu 40 Tonnen. Also mit das Schwerste, was man hier habe einsetzen können. Und dann gibt es noch den sogenannten Pulverisierer, der die Betonteile in kleine Brocken zerlegt.

 Dem Rest von der Stützmauer geht es an den Kragen.
Dem Rest von der Stützmauer geht es an den Kragen. Foto: Paul Kemen

Hinzu kommen noch die Sattelschlepper, die für den Abtransport des Schuttes parat standen. Bevor es ans Baggern ging, habe man jedoch die Fahrbahn unter der alten Brücke mit Vlies und einer dicken Kies- und Sandschicht abgedeckt. „Damit haben wir verhindert, dass herabfallende Betonteile die Fahrbahn der Eschweilerstraße beschädigen“, erläutert er. Das Abbruchmaterial, insgesamt um die 3500 Tonnen, das mit 140 Lkw-Ladungen abtransportiert wurde, wird wiederverwertet. Aus dem Beton entsteht sogenanntes RCL-Material, das als Grundlage für Unterbauten zum Beispiel im Straßenbau weitere Verwendung findet. Also eine bestimmte Form von Nachhaltigkeit. Das Eisen werde separat entsorgt und ebenfalls wieder aufbereitet.

Nebenbei erzählt Goffart noch, dass sich unliebsame Zeitgenossen während der Abrisstage unbemerkt an abgestellten Baggern zu schaffen gemacht hatten. Besser gesagt an deren Tanks. So haben die Ganoven mehrere hundert Liter Diesel abgezapft. Der Schaden liegt bei den heutigen Spritpreisen weit über 1000 Euro. Da erscheint der Klau von Teilen der heraus gebaggerten Eisenbewährung etwas weniger ärgerlich. Seither überwacht eine installierte Videoanlage die Geschehnisse an der Baustelle, Tag und Nacht. Die Bilder, die sie liefert, laufen bei einer Sicherheitsfirma auf.

Und wie geht es jetzt weiter? Die Baustelle ist soweit besenrein. Der Autobahnverkehr läuft wie geplant über die beiden Behelfsbrücken. Die Eschweilerstraße ist wie vor dem Abbruch zweispurig befahrbar, plus einer Abbiegespur für die Auffahrt in Richtung Belgien. Dieser Tage werden die Straßenmarkierungen erneuert, da sie doch durch die schweren Arbeiten gelitten haben. Am kommenden Montag entscheidet sich voraussichtlich, welches Unternehmen den Zuschlag für die Errichtung der neuen Brücke erhält. Zuvor hatte es – gemäß EU-Recht – ein europaweites Ausschreibungs- und Bewerbungsverfahren gegeben.

„Die veranschlagte Bauzeit ist mit zwei Jahren als machbar, aber durchaus als ‚sportlich‘ zu bezeichnen. Es darf nichts dazwischenkommen: keine Hochwasserkatastrophe und kein noch nicht entdecktes Kampfmittel hier im Bereich“, sagt Klaus Erdorf hoffnungsfroh. Er und Ralf Goffart sind in Gedanken auch schon beim nächsten Projekt. Der Haarbachtalbrücke in Aachen. Mit einer Spannweite von über 130 Metern hat sie altersbedingt auch ihre Defizite und steht ganz oben auf der Abriss-Agenda.