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Würselener Stadtbild: Der Baubetriebshof steht unter doppelter Beobachtung

Würselener Stadtbild : Der Baubetriebshof steht unter doppelter Beobachtung

Eine Untersuchung hat ergeben, dass der Krankenstand im Würselener Baubetriebshof „überproportional hoch“ ist. Das Amt soll neu strukturiert werden.

Enrico Jansen tritt seinen neuen Job in einer Zeit an, in der der städtische Baubetriebshof vermutlich unter mehr Beobachtung steht denn je. Der 34-Jährige aus Eicherscheid übernimmt zum 1. Oktober dessen Leitung. Seine künftigen Angestellten haben drei, vier arbeitsreiche Jahre hinter sich, unter anderem weil das Klima dem städtischen Grün viel abverlangt, und sie werden noch einige arbeitsreiche Jahre vor sich haben, weil das ohnehin geschwächte Grün bunter und breiter werden soll. So wollen es die Bürger, so will es die Politik. Und Würselens Politik will auch, dass das zuständige Amt personell besser dasteht. Nicht erst seit dieser Woche, aber seitdem vermutlich noch mehr.

Der Bauausschuss erfuhr auf Anregung der UWG-Fraktion ausführlich über die Fortschritte einer Studie, mit der die Struktur des besagten Amtes seit 2018 unter die Lupe genommen wird. So lasen und hörten die Fraktionen, dass der Krankenstand in den Abteilungen in der jüngeren Vergangenheit „überproportional hoch“ gewesen sei. „Bei der Struktur sind teilweise keine Kolonnen mehr zustande gekommen“, nannte Dr. Achim Kindler vom Institut für Management GmbH Imaka aus dem baden-württembergischen Leonberg ein Ergebnis der Untersuchungen. Mit dem Institut arbeitet die Stadt Würselen daran, die Organisation des Baubetriebshofes neu auszurichten. Unter anderem mit drei weiteren Vollzeitstellen im Bereich Grünpflege und Abfall – laut Kindler eine Schlussfolgerung aus den Untersuchungen.

Mit dem „überproportional hohen“ Krankenstand will sich die Politik noch näher beschäftigen, bekräftigte unter anderem Sozialdemokrat Winfried Hahn, der nach Einzelgesprächen mit Beschäftigten die Überbelastung als Ursache vermutet. Aber: Der tiefere politische Austausch zu dem Thema soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Derweil konnte der Ausschuss nicht verhehlen, dass sich immer mehr aufwendige ökologische Projekte nicht mit der aktuellen personellen Situation in dem Amt in Einklang bringen lassen. Berater Achim Kindler machte denn auch deutlich: „Bei der Pflege der Grünflächen lassen sich keine Standards mehr senken.“ Mal abgesehen davon, dass größere Flächen zunächst einmal alles andere als weniger Arbeit bedeuten. Beigeordneter René Strotkötter äußerte daher, man müsse überlegen, ob nicht externe Dienstleister eine Lösung der offensichtlichen Probleme sein könnten.

Für Heiko Franzen (CDU) steht fest, dass sich „das Erscheinungsbild der Stadt deutlich verbessern“ müsse. „Die Grünflächen sind im Vergleich zu anderen Städten dürftig, und wir haben zu wenige Blühflächen. Es sollte deutlich besser und schöner werden als heute“, sagte Franzen. SPD-Mann Hahn war nicht derselben Meinung, Würselen sei optisch gar nicht so schlecht aufgestellt. „Aber wir wollen schöne Friedhöfe, wir wollen schönes Grün, wir wollen neue Flächen, also müssen wir den Betriebshof besser ausstatten“, betonte Hahn und erinnerte an die Jahre 2017/2018, als die Politik in Zeiten des Haushaltssicherungskonzeptes das Amt strukturell verändert hatte.

UWG-Vertreter Theo Scherberich musste seinen Worten nach „Wasser in den Wein kippen“. Nach fünf Jahren (das Thema kam 2017 auf) seien die Ergebnisse der Untersuchungen „extrem dürftig“. Er sagte unter anderem: „Wir hätten gerne gewusst, inwieweit die Mitarbeiterzahl in Relation zur Fläche im Vergleich mit anderen Städten steht.“ Nichtsdestotrotz sei er froh über die Einblicke, erwarte aber eine „notwendige Diskussion“ – und setzt Hoffnung in die neue Leitung.

Enrico Jansen, der zuvor ab 2018 das Fuhrparkmanagement der Stadt Aachen geleitet hatte, strahlte bei seiner kurzen Vorstellung Optimismus aus. Er sagte: „Gerade für eine Organisationsveränderung ist das jetzt eine gute Situation.“ Jansen hat sich vorgenommen, kurz nach seinem Antritt mit den Kolonnen durch die Stadt zu fahren.