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Zartschmelzend und jeden Tag frisch: Delzepich-Eis gibt es ab jetzt in Bardenberg

Zartschmelzend und jeden Tag frisch : Delzepich-Eis gibt es ab jetzt in Bardenberg

Das legendäre Aachener Delzepich-Eis hat eine neue Heimat: Es wird ab jetzt an der Dorfstraße in Würselen-Bardenberg produziert und verkauft. Eröffnung ist am Gründonnerstag, 1. April.

Die Schlange dürfte programmiert sein, wenn sich am Gründonnerstag, 1. April, an der Dorfstraße 25 in Bardenberg pünktlich um 12 Uhr erstmals die elektrischen Schiebetüren für den Publikumsverkehr öffnen. Denn dort ist von nun an geradezu Legendäres beheimatet: Delzepich-Eis. Generationen von Aachenern wissen, was das bedeutet.

Für das Original muss man nun die Stadtgrenze überqueren. Der im vergangenen Sommer angekündigte Umzug weg vom Stammsitz an der Bismarckstraße ist vollzogen. In Aachen selbst indes hatten sich keine adäquaten Räume finden lassen, trotz intensiver Suche, wie Inhaber Franz-Josef Portz berichtet. Dafür aber in Würselen, Portzens Wohnstatt.

Zufällig, auf einer Tour mit dem Mountainbike, kam er an dem vakanten Ladenlokal in Bardenberg vorbei, das bis zuletzt eine Metzgerei beherbergt hatte. Wo Wurst hergestellt wurde, lässt sich auch Eis machen ... Portz hinterließ eine Nachricht im Briefkasten.

„Wie ein Gruß vom Himmel“

Symbolik muss sein: Hauseigentümerin Kathi Grafen übergibt den Schlüssel an Franz-Josef Portz und Marsha Kogel. Der Schriftzug über dem Fenster erinnert an die Zeiten, als sie und ihr Mann Paul hier eine Metzgerei betrieben.
Symbolik muss sein: Hauseigentümerin Kathi Grafen übergibt den Schlüssel an Franz-Josef Portz und Marsha Kogel. Der Schriftzug über dem Fenster erinnert an die Zeiten, als sie und ihr Mann Paul hier eine Metzgerei betrieben. Foto: MHA/Beatrix Oprée

Mitte Dezember war das, Theke und Kühlhaus waren da schon ausgebaut, eine Umwandlung der Immobilie eingeleitet. Doch Eigentümerin Kathi Grafen war sofort Feuer und Flamme, was den unvermittelten Mietinteressenten betraf: Eine Eismanufaktur konnte sie sich gut vorstellen in dem Ladenlokal, in dem sie einst über Jahrzehnte hinweg selbst Chefin gewesen war. „Der Brief kam wie ein Gruß vom Himmel“, ergänzt ihr Enkel Martin Grafen. „Denn mein Opa Paul, der schon 1997 gestorben ist, war ein großer Eisliebhaber.“

Und wusste auch das auf der Zunge zergehende Produkt zu schätzen, das Willi Delzepich in seinem seit den 1950er Jahren an der Bismarckstraße in Aachen betriebenen Milchladen herstellte. Dass just dieses Eis nun schon bald in seinem Bardenberger Ladenlokal verkauft wird, das hätte ihren Mann gefreut, da ist sich Kathi Grafen ganz sicher.

Insgesamt drei Monate habe es gedauert, bis seitens der Stadt Würselen die Nutzungsänderung unter Dach und Fach gewesen sei, berichtet Portz. „Alles wird dann ja neu beurteilt, auch Brandschutz und Fluchtwege.“ Eine mögliche neue Adresse, die man im vergangenen Jahr in Aachen schon fest angepeilt hatte, sei genau daran im letzten Moment noch gescheitert.

Doch jetzt können es Portz und seine Mitstreiterin in Delzepich-Mission, Marsha Kogel, kaum noch erwarten, dass morgens um 7 im weiß gefliesten ehemaligen Schlachthaus des Grafenschen Anwesens die Tagesproduktion beginnt. Mit 40 Litern Milch, die zusammen mit Zucker und duftenden Vanilleschoten auf der Gasflamme in einem gewaltigen Kessel behutsam zum Kochen gebracht und dann mit Stärke angereichert in eine von drei altbewährten Boku-Eismaschinen gegossen werden.

Um sie zu dem zartschmelzenden Genuss zu verarbeiten, den Klein und Groß so sehr schätzen. Insgesamt rund zweieinhalb Stunden dauert das pro Sorte. An Willi Delzepichs beliebtem Grundrezept wird sich nichts ändern, das bekräftigt Marsha Kogel, die das Unternehmen einmal übernehmen soll. In rund anderthalb Jahren, so ihre Prognose. „Erst möchte ich noch meinen Abschluss machen“, sagt die 24-jährige Studentin der Sprach- und Kommunikationswissenschaft, die vor mehr als zwei Jahren über den klassischen Studentenjob bei Delzepich gelandet war und seither geradezu brennt für die Eismanufaktur.

Marsha Kogel in der Eisküche des neuen Delzepich in Bardenberg. Einst war hier das Schlachthaus.
Marsha Kogel in der Eisküche des neuen Delzepich in Bardenberg. Einst war hier das Schlachthaus. Foto: MHA/Beatrix Oprée

Auch dabei wird es bleiben: Produziert wird jeden Tag frisch, denn zum Bevorraten im Froster eigne sich Delzepich-Eis weniger gut, da es keinerlei Emulgatoren oder Öle beinhaltet. Genauso wenig wie Farbstoffe. Dafür frische Zutaten wie Bananen oder Erdbeeren, letztere auch nur, wenn es die Jahreszeit hergibt. Und wenn die Tagesproduktion aufgebraucht ist, wird eben wie immer der Aufsteller rumgedreht „Alle, alle, ausverkauft – bis morgen!“

Maskenpflicht und Mindestabstand

Wenn am Donnerstag also in der Dorfstraße der große Run aufs Eis losgeht, soll alles Corona-konform abgehen: Neben der Maskenpflicht wird daran erinnert, dass das gute Delze erst ab 50 Meter Entfernung vom Ladenlokal genossen werden darf. Immer nur eine Person oder ein Paar dürfen vor den Tresen. Zudem, so kündigt Portz an, habe er genug Personal am Start, um zu kontrollieren, dass überall der Mindestabstand von zwei Metern eingehalten wird.

Und hier noch den Aachenern zum Trost: Ziel sei es in absehbarer Zeit, so Portz, mit Delzepich-Eis ergänzend auch wieder in Aachen präsent zu sein...