China Moses auf Burg Wilhelmstein

Burg Wilhelmstein : China Moses zeigt die ganze Breite des Souljazz

Auf der Burg Wilhelmstein gab es am Samstag eine Reise zu erleben: China Moses tauchte mit ihrer Band ab in die Welt des Souljazz – gemischt mit Ausflügen in den Funk, zum Reggae und mehr. Die US-Amerikanerin, die als selbst ernannte „Diva“ im auffälligen gold-weißen Look und mit Sonnenbrille auf die Bühne kam, hatte eine große Bandbreite mit ihrer gefühlvollen Stimme zu bieten.

Dazu kam ihre gut aufgelegte Band, die ihr ganzes Können an den Instrumenten zeigte.

Die Wahl-Pariserin bewies auch ihr Talent als Moderatorin und Entertainerin. Wenn sie nicht gerade elegant über die Bühne tanzte, hatte sie stets eine Geschichte aus ihrem Leben zu erzählen und leitete so zwischen den Stücken über. Lange dauerte es nicht, bis die ersten Besucher zur Musik mitwippten. Sehr zur Begeisterung der 41-Jährigen, die sich euphorisch und durchweg dankbar beim Publikum zeigte. „Ich liebe es menschliche Verbindungen zu schaffen“, erklärte Moses auf der Bühne und stellte klar: „Musik ist Therapie!“

Das passt auch, da die Tochter der Sängerin Dee Dee Bridgewater und des Regisseurs Gilbert Moses oft über ihre Schwäche für Alkohol, Zigaretten und Bars sang. Mit ihrem reggaehaften „Nicotine“ hatte sie das Publikum genauso auf ihrer Seite wie beim stark vorgetragenen Janis Joplin-Cover „Move over“.

Vor den Fußstapfen ihres großen Vorbilds Dinah Washington musste sich Moses nicht verstecken. Dafür sorgten auch Bassist Neil Charles, Schlagzeuger Marijus Aleksa, Pianist Joe Armon-Jones und ganz besonders Trompeter und Gitarrist Josiah Woodson. Moses verstand es stets, ihrer Band immer goldrichtig die Zeit zu geben sich zu entfalten, was für überraschende, an Freejazz erinnernde Momente sorgte. Moses war als Energiebündel dabei nie um eine Tanzeinlage verlegen und präsentierte vor allen Dingen mit den Songs aus ihrem aktuellen Album „Nightingales“ ihre ganze Vielfalt.

Ist das Soulpop, Rhythm’n’Blues oder Jazz? Die Grenzen verschwammen sehr schnell und machten ihre Musik auf ihre ganz eigene Art unberechenbar. Die Atmosphäre passte exzellent zu dem lauen Sommerabend, an dem die Zuhörer natürlich mit einer furiosen Zugabe belohnt wurden, bei der die ganze Freilichtbühne sich von den Plätzen erhob, bewegte und sang. Die Katerstimmung, die Moses in dem Stück „Hangover“ besang, dürfte sich bei den Fans der Sängerin nach dem Konzert jedenfalls nicht eingestellt haben. Sämtliche negativen Einflüsse konnten ja schließlich aus dem Körper getanzt werden.

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