Basta auf Burg Wilhelmstein in Würselen 2019

Burg Wilhelmstein : A-Capella-Band „Basta” zieht den Alltag durch den Kakao

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge werden die Fans der A-Capella-Band „Basta” sowie die Bandmitglieder selbst den Abend auf der Burg Wilhelmstein erlebt haben. Einerseits brannten die fünf Stimmartisten vor ihrer wohl verdienten Sommerpause ein fulminantes Feuerwerk aus ihrem neuen Album „In Farbe” ab.

Andererseits hielt auch die Melancholie Einzug, da Bandmitglied Hannes Herrmann, der dem Quintett seit 2016 angehört, in Bardenberg sein Abschiedskonzert gab.

Der Sportjournalist hatte seinen Ausstieg aus beruflichen Gründen bereits im Frühjahr angekündigt. Wer den frei gewordenen Bariton-Platz in der Band besetzen wird, wissen die vier Männer noch nicht. Dafür gaben sie den knapp 300 Gästen auf der Freilichtbühne zahlreiche Tipps und Weisheiten für den Alltag mit, die mit einer gehörigen Portion Ironie und Humor in den Liedtexten verarbeitet wurden.

Im wie immer hochkarätigen Saisonkalender der Freilichtbühne liegt die Messlatte in allen Bereichen hoch – wer in Erinnerung bleiben möchte, der arbeitet am Limit. Die vier Jungs im besten Alter waren noch nie dafür bekannt, im Grau der Masse zu verschwinden.

Der Album-Titel „In Farbe” spiegelte am Samstag demnach perfekt die Grundhaltung der Sänger wieder: Schrill, bunt, komisch und ungemein feinsinnig. Bereits mit ihrem Song „New York, Rio, Gütersloh” landeten sie den perfekten Einstieg. Lebenspralle Songtexte, urkomische Geschichten, ein flotter Beat und eine spielerische Unbedarftheit machten den Charme der Band aus, der während der zwei Konzertstunden unentwegt auf das Publikum übersprang. Aber auch die gefühlvollen, wie nachdenklichen Balladen trafen ohne Umschweife ins Ziel.

Wer bei Basta zu spät kommt, den bestraft buchstäblich das Leben. Mit dem Song „Zu spät” nahmen die fünf Entscheidungsschwäche und fehlende Pünktlichkeit auf's Korn, frei nach dem Motto „Es ist schwierig, den richtigen Moment zu...zu...zu...”

Dass die A-Capella-Band gerne ins Wurmtal reist – bereits 2017 war man mit dem Album „Freizeichen” in Bardenberg zu Gast – wurde gleich in den ersten Minuten klar. Auf der Route über Rio nach Gütersloh fand auch die Düvelstadt Würselen ihren Platz.

Mit der Dance-Nummer „Reggaeton im Altersheim” spendierten sie eine weitere so unwahrscheinliche wie geniale Kombination zweier Welten, die nach einmaligem Hören nicht mehr von einander zu trennen sind. Diese irrwitzigen und doch so passenden Kombinationen haben sich seit dem Gründungsjahr 2000 längst als Markenzeichen der Band herauskristallisiert.

„Kranke Männer” verband klassischen Hardrock mit der nicht nur bei Frauen verhassten, maskulinen Wehleidigkeit des angeblich „starken” Geschlechts. Auch des Mannes liebstes Stück – natürlich das eigene Kfz – kam in „Mein Auto” kräftig unter die eigenen Räder. Alpine „Ländle-Romantik” wurde gepaart mit einer satirische Hymne auf den Blechfreund.

(yl)