Würselen: Würselen will mehr Bauland ausweisen

Würselen: Würselen will mehr Bauland ausweisen

Innerhalb von nur zwei Jahren ist das Gebiet „Kapellenfeldchen“ bebaut worden. Was bedeutet, dass nur noch wenige Reserveflächen in rechtskräftigen und erschlossenen Bebauungsplänen für weitere Bauvorhaben in der Stadt Würselen zur Verfügung stehen.

Der Bebauungsplan Ringstraße/Drischer Straße im Zentrum von Würselen ist zwar seit Januar 2015 rechtskräftig und ein städtebaulicher Vertrag ist abgeschlossen worden. Mit der Erschließung ist aber noch nicht begonnen worden. Es sei — so die Verwaltung im jüngsten Ausschuss für Stadtentwicklung — damit zu rechnen, dass die Bauvorhaben im kommenden Jahr realisiert werden. Es handelt sich um ein rund 2,4 Hektar großes Baugebiet für 40 bis 60 Wohnungen in Mehr- und circa zwölf Einfamilienhäusern.

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210 Wohneinheiten geplant

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Weiterhin sei geplant, auf dem „Singer Gelände“ eine größere Anzahl von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern zu erstellen. Das neueste Konzept des Investors geht von circa 17.000 Quadratmeter Wohnfläche aus. Bei einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 80 Quadratmetern würden 210 Wohnungen dort entstehen. Unter der Voraussetzung, dass eine baldige Festlegung des städtebaulichen Konzepts seitens des Investors vorliegt, könnte der Bebauungsplan in 2016 rechtskräftig und mit der Erschließung begonnen werden. Erste Bauvorhaben wären — so die Verwaltung weiter — in 2017 realisierbar.

Wiederholt hatte die Bürgerinitiative „Linden-Neusen hat Zukunft“ mehr Bauland angemahnt: Neben der „Alten Ziegelei“ (Bild oben) soll ein 1,1 Hektar großes Areal für für 25 Einfamilienhäuser entwickelt werden. Auch die Flächen an der Jülicher Straße und Nassauer Straße könnten nach Schließung der Firma Kinkartz zu Bauland werden (Mitte). Diesel gibt es an der Tankstelle an der Bahnhofstraße schon lang nicht mehr: Über das sanierte Grundstück soll die Erschließung für ein Baugebiet im Würselener Zentrum erfolgen. Ein erster Planentwurf sieht den Bau von fünf Mehr- und sechs Einfamilienhäusern vor.

Im April diesen Jahres wurde im Rathaus beschlossen, für die „Friedhofstraße“ einen Bebauungsplan für ein Wohngebiet mit circa 16 Ein- und circa zwei Mehrfamilienhäusern aufzustellen. Laut Verwaltung sei damit zu rechnen, dass der B-Plan in der ersten Hälfte 2016 seine Rechtskraft erlangen werde. Die Erschließung könnte bis Anfang 2017 abgeschlossen sein, so dass dann die Bebauung erfolgen könnte.

In der Warteschleife

Zu den darüber hinaus beantragten weiteren Bebauungsplänen führte die Verwaltung im Detail aus:

Das Plangebiet Paulinenstraße/Kaisersruher Straße ist 1,1 Hektar groß und im Flächennutzungsplan von 2012 als Wohnbaufläche dargestellt. Es handelt sich um reine Ackerfläche, die sich überwiegend in Privatbesitz — nur kleine Teile gehören der Stadt — befinden. Bereits 1996 wurde ein Aufstellungsbeschluss gefasst, um eine Wohnbebauung mit 20 bis 25 Einfamilienhäusern zu ermöglichen. Der damals noch bestehende Landschaftsschutz wurde aufgehoben. Wegen massiver Bedenken der Anlieger war das Verfahren im Jahre 2000 eingestellt worden, zumal sich genügend andere Pläne für Wohnbebauung in der Entwicklung befanden. Die Planung sollte erst wieder aufgenommen werden, wenn der Baulandbedarf es erforderlich mache.

Das Plangebiet Burgstraße/Alte Bahntrasse ist rund 4,4 Hektar groß und befindet sich in Besitz von fünf privaten Eigentümern. Es handelt sich etwa je zur Hälfte um Acker- und Weideland mit geringem Baum- und Heckenbestand, das mit circa 50 Ein- und circa zehn Mehrfamilienhäusern bebaut werden könnte. Die Erschließung wäre über die Gouleystraße, die ausgebaut werden müsste, und über die Burgstraße möglich. Die Auswertung vorhandener Karten des Bergamtes habe ergeben, dass das Vorhandensein unterirdischer Hohlräume nicht ausgeschlossen werden könne. Wenn ein Bebauungsplan aufgestellt werden solle, müssten umfangreiche Bodenuntersuchung durchgeführt werden.

Das Areal Bahnhofstraße/Lindenplatz ist circa 1,1 Hektar groß und gehört zehn Eigentümern, die bereit sind, ihre Grundstücke in ein Planverfahren einzubringen. Es handelt sich überwiegend um Gartenland, teilweise um alte Bausubstanz, die abgerissen werden soll. Die Erschließung könnte von der Bahnhofstraße über das Gelände der ehemaligen Tankstelle erfolgen, mit einer Fußwegeverbindung zum Lindenplatz. Ein erster Planentwurf sieht den Bau von fünf Mehr- und sechs Einfamilienhäusern vor. Auch hier sind Bodenuntersuchungen hinsichtlich Altbergbau beziehungsweise einer Altlast auf dem ehemaligen Tankstellengelände notwendig.

Hoher Lärmschutzwall

Auch das Plangebiet Wiechern-straße/Alte Ziegelei (Linden-Neusen) ist 1,1 Hektar groß, etwa drei Viertel Wiese und ein Viertel Gartenland mit alten Gehölzbestand. Die Bezirksregierung hat bereits einer Änderung des Flächennutzungsplanes von Fläche für die Landwirtschaft in Wohnflächen zugestimmt. Wenn auch die Gärten bebaut werden, könnten 25 Einfamilienhäusern entstehen, wenn nicht, dann immerhin noch 17. Ein Immissionsgutachten hat ergeben, dass wegen der gewerblichen Nutzungen der benachbarten ehemaligen Ziegelei ein vier Meter hoher Lärmschutzwall errichtet werden müsste.

Noch nicht geklärt ist, was mit den Flächen an der Jülicher Straße und Nassauer Straße nach Schließung der Firma Kinkartz geschehen soll. Denkbar wäre — so die Verwaltung — die Entwicklung eines neuen Wohngebiets beiderseits der Nassauer Straße mit insgesamt 3,8 Hektar Fläche. Dazu müsste nicht nur ein Bebauungsplan aufgestellt, sondern auch der Flächennutzungsplan geändert werden.

„Sebastianus-Insel“ bleibt Thema

Abschließend weist die Verwaltung darauf hin, dass auch im Bereich „Sebastianus-Insel“ Wohnungsbau realisiert werden könnte. Zudem gebe es im Stadtgebiet noch eine Reihe von Baulücken. Auch im Bereich Marktplatz Weiden sei Wohnbebauung ins Auge gefasst worden. Erst müsse entschieden werden, was mit der vorhandenen Turnhalle geschehen soll.

Da die Nachfrage nach Wohnbauflächen immer noch groß ist, sollen vorrangig für die Bereiche Bahnhofstraße/Lindenplatz und Jülicher Straße/Nassauer Straße Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Doch ist die Mitwirkungsbereitschaft der Eigentümer noch nicht abschließend geklärt. Deshalb beschloss der Ausschuss, vor Einleitung von Planverfahren das Interesse der Eigentümer in den genannten Planbereichen abzuklären.

(ehg)