Würselen: das Rathaus im „entscheidenden Jahr“

Öffentlicher Dienst : Würselens Rathaus im „entscheidenden Jahr“

Die Mitarbeitersuche ist für Kommunalverwaltungen kleinerer Städte nicht einfach. Nicht nur die freie Wirtschaft, sondern auch größere Behörden sind Konkurrenten im Werben um den Nachwuchs. In Würselen besteht dieses Jahr gesteigerter Bedarf: 19 Mitarbeiter gehen in den Ruhestand.

Sofern nicht gerade ein neuer Bürgermeister gebraucht wird, beschäftigt die Kommunalpolitik sich mit offenen Stellen im Rathaus eher am Rande. In Würselen aber wird dieses Jahr etwas genauer hingeschaut, und das hat damit zu tun, dass in der Verwaltung gerade ziemlich viel in Bewegung ist, was das Personal betrifft.

Der Umbruch vollzieht sich zunächst einmal in der Breite: 19 Mitarbeiter gehen in den Ruhestand, was als absolute Zahl noch nicht nach allzu viel klingen mag. Andererseits geht es immerhin um etwas mehr oder etwas weniger als fünf Prozent der Verwaltung – je nachdem, ob man die 420 Mitarbeiter als Rechengrundlage heranzieht oder die 373 Stellen, die sie sich teilen. Vor allem aber werden durch die Pensionierungen zahlreiche Führungspositionen frei. „Es ist ein entscheidendes Jahr“, sagt deshalb Bürgermeister Arno Nelles (SPD).

Im Prinzip sieht die CDU das ganz ähnlich, nur der Zungenschlag ist ein anderer: Sie sieht die Handlungsunfähigkeit der Verwaltung in Gefahr, die „Zukunft der Stadt“ drohe verspielt zu werden.

Nun ist es so, dass Oppositionspolitiker dazu tendieren, Probleme etwas größer aussehen zu lassen als sie sind, während für Bürgermeister oft das genaue Gegenteil gilt. Als Außenstehender sollte man die Wahrheit irgendwo in der Mitte vermuten, was noch immer Grund genug ist, sich die anstehende Herausforderung etwas genauer hinzusehen.

Im Allgemeinen gilt der öffentliche Dienst durch hohe Sicherheit und die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf als attraktiv. Trotzdem erledigt die Neubesetzung vakanter Stellen sich nicht von selbst. Das gilt gerade dann, wenn Fachkräfte benötigt werden. Bestes Beispiel sind Ingenieure, denen in der freien Wirtschaft höhere Einstiegsgehälter winken. Doch auch beim klassischen Verwaltungsnachwuchs befinden gerade die Rathäuser kleinerer Kommunen sich in keiner günstigen Position. In Großstädten und auch bei Kreisbehörden oder Bezirksregierungen wird der Nachwuchs bei der Bezahlung häufig höher eingestuft, obwohl es um die gleiche Arbeit geht. Die wiederum wird immer komplexer, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Flexibilität bei der Mitarbeitersuche sinkt.

Würselens CDU hatte dem Problem bereits mit einem Ratsantrag Rechnung getragen. Sie wollte Nachwuchskräften den Wechsel des Arbeitgebers erschweren – und zwar durch Rückforderung der Ausbildungskosten, damit fertig Ausgebildete möglichst gar nicht erst auf die Idee kommen, sich allzu konkret mit Abwanderungsgedanken zu tragen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Das lag vor allen Dingen daran, dass Würselens Verwaltung in dem Ansinnen erhebliche rechtliche Probleme erkannte. Doch es wurde auch die Befürchtung in den Raum gestellt, dass man das Rathaus für Azubis unattraktiver gemacht, also das Gegenteil des Gewünschten erreicht hätte.

Würselen steht mit dem Problem der komplizierten Nachwuchssuche nicht alleine da. Das findet heraus, wer bei den Kommunalen Spitzenverbänden anruft. „Tendenziell wird es für Kommunen deutlich schwieriger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden“, sagt Alexander Handschuh, Pressesprecher des Städte- und Gemeindebunds in Berlin, unserer Zeitung. „Wir gehen davon aus, dass sich vor dem Hintergrund der demografischen Strukturen in den Verwaltungen die Problemlage zuspitzen wird.“ Ähnlich klingt das beim Deutschen Städtetag: „Die Städte stellen sich darauf ein, dass der Wettbewerb um gute und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwischen öffentlichen Arbeitgebern und der Privatwirtschaft größer wird“, sagt Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy.

Planung mit Weitblick

Eine Personalplanung mit Weitblick ist vermutlich das Beste, was eine Verwaltung der Gesamtsituation entgegensetzen kann. Würselens Stadtsprecher Bernd Schaffrath, der bei Personalangelegenheiten selbst in der Verantwortung steht, nimmt genau das für seine Kollegen und sich in Anspruch. Es sei ja kein Zufall, dass in diesem Jahr acht Azubis fertig werden und nicht wie in anderen Jahren nur zwei, sagt er auch mit Blick auf die Kritik der CDU. Der Beschluss, mit Blick auf das „entscheidende Jahr“ 2019 mehr Azubis einzustellen, sei schon vor mehr als fünf Jahren gefallen.

Nun werden diese Azubis nach und nach fertig, mit ihnen soll ein Teil der offenen Stellen besetzt werden, extern wird nach Fachkräften für Feuerwehr oder Kindergärten gesucht. Da zudem zweieinhalb Stellen aus dem Stellenplan gestrichen werden, reduzieren sich die vakanten Stellen zumindest in der Breite schon einmal deutlich. Und auch für die Führungspositionen sind schon einige Lösungen gefunden – andere stehen aber noch aus.

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