Würselen: Abwasserrohr droht zu brechen, L23 gesperrt

Großeinsatz an der Wurm: Hangrutsch bedroht Kanalrohr, Landesstraße gesperrt

Die Landesstraße 23 – die Schweilbacher Straße in Würselen und die Rolandstraße in Kohlscheid – ist seit Dienstagabend voll gesperrt. Am Ufer der Wurm war Gelände abgerutscht. Eine Kanalrohr droht zu brechen, die Feuerwehr ist im Großeinsatz.

Um 14 Uhr am Dienstagnachmittag wird im Rathaus in Würselen der Alarmknopf gedrückt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt vermutlich niemand, dass ein Einsatz beginnt, der zwei Tage später noch laufen wird und an dem Einsatzkräfte aus der gesamten Städteregion beteiligt sind. Bäume und Geäst im Bett der Wurm zwischen Würselen und Kohlscheid haben die Strömung verändert, das Wasser trifft in der Folge mit Wucht auf einen Hang kurz hinter dem Übergang der Schweilbacher Straße zur Rolandstraße und unterspült ihn. Der Hang hält nicht lange stand und gibt nach, mehrere Meter rutschen ab und geben ein großes Rohr frei, in dem Abwasser aus Würselen nach Kohlscheid zur Pumper Mühle fließt.

Rutscht der Hang weiter, droht das Rohr zu brechen und Unmengen Abwasser in die Wurm zu fließen. Ein „Stab außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE) ist von der Stadt eingerichtet worden. Bis zu 21 Experten – unter anderem von Städteregion, Wasserverband Eifel-Rur und Fachleuten aus dem Rathaus sowie von Feuerwehr und THW – besprechen und koordinieren Maßnahmen, um den Hang zu sichern.

Großeinsatz nach Hangrutsch an der Wurm

Nach derzeitigem Stand sind bis zu 130 Einsatzkräfte beteiligt. Die Einsatzstelle selbst liegt circa 50 bis 100 Meter von der Straße entfernt und ist, sowohl auf als auch abseits der Waldwege, durch den aufgeweichten Boden nur unter großen Anstrengungen zu erreichen. Schweres Gerät ist neben einer großen Zahl an Feuerwehrleuten und Mitarbeitern des THW vor Ort aber unbedingt notwendig. Mit angelieferten Steinen wird der Weg zum Hang vorläufig befestigt. Mehrere kleine und ein 20-Tonnen-Bagger sind über Stunden damit beschäftigt, die Strömungswiderstände im ursprünglichen Bett der Wurm zu entfernen. Neben der Beseitigung von Bäumen und Geäst wird auch eine Sandbank abgetragen.

Direkt im abgerutschten Hang sind per Leine gesicherte Einsatzkräfte dabei, Sandsäcke aufzutürmen. Sie werden von Kollegen, die oberhalb eine Kette gebildet haben, mit Material versorgt. Bereits in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch waren 12.000 Sandsäcke angeliefert worden. Eine Betriebsfeuerwehr aus Kohlscheid habe viele Säcke vorrätig gehabt, außerdem habe man mithilfe einer Sandsackabfüllmaschine in den Nivelsteiner Sandwerken weiteres Material beschaffen können. Die vorhandene Zahl an Sandsäcken, erklärte Stadtsprecher Bernd Schaffrath, reiche voraussichtlich jedoch nicht aus, weiteres Material müsse beschafft werden. Die jeweils 50 Kräfte, die direkt an der Schadstelle bei Regen und Kälte die körperlich sehr anstrengenden Sicherungsmaßnahmen vornehmen, müssen nach Auskunft von Till von Hoegen, Erster und Technischer Beigeordneter der Stadt Würselen, alle zwei Stunden abgelöst werden.

Foto: Thomas Vogel

In einem nächsten Schritt werden IBC-Container mit einem Fassungsvermögen von jeweils einem Kubikmeter eingesetzt. Sie sollen in die Wurm hinabgelassen, mit Wasser gefüllt und zusammengeschnallt werden, um die Strömung zu verlangsamen und vom abgerutschten Hang wegzuleiten.

Die Betreiber des nahen Restaurants und Biergartens Teuterhof Hütt’n lassen das Lokal in der Nacht extra geöffnet, damit die Einsatzkräfte Duschen und Toiletten benutzen und sich bei einem Kaffee aufwärmen können.

Zur Zeit sind die Einsatzkräfte mit der Sicherung des Hangs beschäftigt. Für die anschließenden Bauarbeiten ist geplant, eine Baustraße mit ausgelegten Platten zu installieren, voraussichtlich am Freitag. Über eine endgültige Lösung – ob der Hang in der Folge entweder dauerhaft befestigt oder die Rohrführung verändert wird und wie das geschehen soll – müsse nachgedacht werden, wenn die akute Gefahr abgewendet sei, erklärte Beigeordneter von Hoegen. Die Kuh sei noch nicht vom Eis.

Foto: Thomas Vogel

Der aktuell eingerichtete „Stab außergewöhnliche Ereignisse“ (SAE) ist der erste für die Stadt Würselen, erklärt Stadtsprecher Schaffrath. Für Samstag sei die allererste SAE-Übung gemeinsam mit der Städteregion geplant gewesen – der nun aber der Ernstfall zuvorgekommen ist.

Die Arbeit im Stab – der während des Großeinsatzes in regelmäßigen Abständen von einigen Stunden zusammenkommt – laufe hervorragend. „Was die Einsatzkräfte vor Ort leisten, ist unbeschreiblich“, betonte Schaffrath. Über Stunden kämpften sie in Matsch und Schlamm dafür, den Hang zu sichern.

Beunruhigend sei demgegenüber, was der Deutsche Wetterdienst für Donnerstag prognostiziert habe – Starkregen. Der könnte dafür sorgen, dass der Wasserspiegel der Wurm ansteige und die Strömung wieder beschleunige. Das könnte die Situation an der Einsatzstelle wieder verschärfen.

Seit Dienstagabend ist die Verbindungsstraße zwischen Würselen und Herzogenrath-Kohlscheid aufgrund der laufenden Maßnahmen für den Durchgangsverkehr gesperrt, auch, weil „sich vom Sammelpunkt bis zur Einsatzstelle Einsatzfahrzeuge bewegen“, wie die Stadt Würselen mitteilt. Die Sperrung bleibt mindestens bis Donnerstagabend, 19 Uhr bestehen.

(red)
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