Herzogenrath: Wohnraum für Studenten angemahnt

Herzogenrath: Wohnraum für Studenten angemahnt

„Verärgert“ meldet sich die SPD zu Wort: „Der Bürgermeister verschläft die Schaffung von zusätzlichen Studentenwohnungen“, vermisst Fraktionschef Gerhard Neitzke „Aktivitäten der Verwaltungsspitze zu diesem Thema“. Trotz politischen Auftrags, erinnert er an den rot-grün-roten Antrag vom 14. Mai 2012, mit Blick auf den doppelten Abiturjahrgang in Herzogenrath entsprechenden Wohnraum zu schaffen.

Einstimmig habe im folgenden Juni der Umwelt- und Planungsausschuss den Bürgermeister beauftragt, geeignete Grundtücke zu finden und nach passenden Investoren zu suchen. In der Sitzung, so legt Neitzke dar, seien sogar „einige sehr konkrete Vorschläge von Seiten der SPD für alle drei Stadtteile unterbreitet worden, die jeweils sehr nahe an der Bahnlinie Richtung Aachen liegen“.

Wohnen im Grünen: In der 25 000 Quadratmeter großen Parkanlage rund ums ehemalige Casino Laurweg projektiert das Kohlscheider Architekturbüro Heins ein generationenübergreifendes Wohnquartier für 350 Wohneinheiten. Im Casino-Komplex (l.) ist ein Servicezentrum mit ambulantem Dienst, Café und Gewerbe geplant. Im ersten Abschnitt entstehen 72 „Park-Apartments“ (gelb markiert) für Studenten, Singles, Senioren. Für das 18 Jahre Vorgängermodell mit 50 Projektwohnungen an der Weberstraße gebe es eine Warteliste, berichtet Michael Heins. Plan: Heins Architekten

Verhandlungen erfolglos

Mit „großem Entsetzen“ habe die SPD nun feststellen müssen, dass seitdem nichts geschehen sei, das hätten auch „mehrmalige Nachfragen in den folgenden Ausschusssitzungen“ gezeigt. Dr. Manfred Fleckenstein, Kandidat der SPD bei den Bürgermeisterwahlen am 12. Januar 2014, hält es „für nicht nachvollziehbar, warum es nicht möglich sei, das seit Jahren leer stehende ehemalige EBV-Hauptverwaltungs-Gebäude in Kohlscheid, das sich in unmittelbarer Bahnhofsnähe befindet, für diesen Zweck zu nutzen und umzubauen“.

Auch hier sei nichts geschehen, habe man feststellen müssen, dazu hätte man „konkret mit den neuen Eigentümern in diese Richtung“ verhandeln müssen. Genau dies geschehe seit Jahren, legte der Angegriffene auf Anfrage dieser Zeitung dar. Erfolglos.

Öffentlich könne er zwar wenig sagen über Verhandlungen mit Privatbesitzern, sagt von den Driesch. Fakt sei jedoch, dass die Eigentümer Einzelhandel an diesem Standort etablieren wollten, was seitens der Stadt abgelehnt worden sei — mit Verweis auf den Masterplan Kohlscheid, der auf dem EBV-Gelände Stadthäuser respektive Studentenwohnungen vorsieht.

Grundstücke fehlen

Bei den beiden anderen von der SPD seinerzeit ins Gespräch gebrachten Flächen seien die Gespräche ähnlich negativ ausgefallen mit Blick auf Studentenwohnungen. Von den Driesch bilanziert: „Herzogenrath hat nicht hinreichend Grundstücke — das bemängele ich seit Jahren.“ Über Jahrzehnte sei „keine vernünftige Liegenschaftspolitik“ betrieben worden, die es ermögliche, im Sinne von Baugebieten Grundstücke zu tauschen respektive Investitionen zu tätigen.

„Wir haben so gut wie keine eigenen Flächen und sind bei unseren Planungen immer auf fremde Grundstücke angewiesen. Andere Kommunen und Bürgermeister haben solche Flächen — ich nicht!“ Um Dinge in Herzogenrath umzusetzen, brauche es folglich immer Dritte — „und mit denen wird selbstverständlich geredet!“

In anderen Kommunen werde zudem der Leerstand vermarktet, „ein Strohhalm, an dem man sich festhält“, blickt von den Driesch etwa in den Kerkrader Stadtteil Bleijerheide, wo sich der demografische Wandel bereits in vakantem Wohnraum manifestiere.

Flankierend zum RWTH-Campus und seinem Personal versuche man dort nun, das Wohngebiet wieder nach vorne zu bringen. Wohnungsleerstände gebe es in Herzogenrath aber in diesem Ausmaß nicht.

Ein klassisches Studentenwohnheim mache vor dem Hintergrund eines aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs nur vorübergehenden Wohnungsengpasses wenig Sinn, „in zwei bis drei Jahren gibt es keinen Bedarf mehr dafür“. Flexibilität sei viel mehr angesagt. Und ein Projekt sei nunmehr durchgesetzt, berichtet von den Driesch: ein Apartmenthaus am Laurweg (siehe Bilder).

Dieses Konzept mit flexiblem, barrierefreien Wohnraum, in dem Studenten genauso wohnen könnten wie Senioren oder Führungskräfte der umliegenden Unternehmen, passe auch auf den Wunsch der SPD. Von den Driesch: „So sieht nachhaltige Wohnungsbaupolitik aus.“

„Niemand mit Geldsack“

Einen „Traum“ in dieser Hinsicht hat der Bürgermeister für den Standort Kohlscheid: ein flexibel einsetzbares Hotel mit 50 bis 60 Betten — so der Bedarf im Umfeld -, das barrierefrei auch als Apartmenthaus genutzt werden könne. Die Krux: „Wir können die großen Ketten dazu nicht kriegen, die beginnen erst bei einer Dimension von 100 Betten.“

Er selbst habe das Konzept bei einem Aufenthalt in Frankreich kennen gelernt. „Mit Blick auf die Entwicklungen auf dem Campus-Gelände wäre das eine interessante Kombination“, sagt der Bürgermeister. „Ideen und Erfahrungen haben wir genügend, nur niemanden mit einem Geldsack!“

Schon im März 2012, „vor dem SPD-Antrag in Sachen Studentenwohnungen“, betont von den Driesch, habe die Stadt im Mitteilungsblatt für das Projekt „Extraraum“ geworben, das Vermieter und Studenten zusammenbringen will. Zudem seien Flyer verteilt worden.

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