Herzogenrath: Wo Marionetten zu Philosophen werden

Herzogenrath: Wo Marionetten zu Philosophen werden

„Über das Marionettentheater oder Die Überwindung der Schwerkraft in drei Akten” heißt eine Produktion, die das „Theater des Lachens” zum 200. Geburtstag von Heinrich von Kleist nach dessen gleichnamigen Essay inszeniert hat.

Im Rahmen der Reihe „Theaterstarter” gastierte das Ensemble jüngst in der Aula des Herzogenrather Gymnasiums. Dabei hatte sich allerdings nur wenig Publikum eingefunden, keine einzige Schule war zu dem Termin gekommen.

„Wir brauchen dazu Informationen, die länger vorliegen, um das Thema dann im Unterricht vorzubereiten”, erklärt Daniel Bick, Schulleiter der Europaschule, auf Nachfrage. Gerne hätte er den einen oder anderen Deutsch-Kurs zur Aufführung geschickt. Auch für Reinhard Granz, Schulleiter des Gymnasiums, kam der Termin „zu spät”. Beide bedauern, dass es nicht geklappt hat. „Im Grunde suchen wir nämlich nach solchen Aufführungen”, bekräftigt Daniel Bick.

Wer tanzt graziler?

Schade, denn das Stück über den Vergleich, ob es möglich ist, eine Marionette mit der gleichen Grazie tanzen zu lassen, wie es ein ausgebildeter Tänzer mit seinem Körper kann, war sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene sehr ansprechend. Prozesse wurden fingerfertig und präzise gegenüber gestellt, sinnliche Musik untermalte den Weg der philosophischen Interpretation.

Was Torsten Gesser, Alice Therese Böhm und Björn Langhans präsentierten, ist ihr „Ergebnis aus der Suche nach Möglichkeiten, Kleist zu lesen. Die Möglichkeiten, Geschichten mit Puppen zu erzählen, sind grenzenlos, vor allem im Phantasiebereich”, sagte Torsten Gesser und Björn Langhans fügte hinzu: „Das ergibt neue Sicht- und Erzählweisen und das finden wir gerade das Prägnante und Spannende.”

Natürliche Anmut

Sinnlich, beinahe poetisch schwebten die Marionetten über die Bühne. Sie repräsentierten die natürliche Anmut, die sich in völliger Abwesenheit von Bewusstsein manifestiert, wie der Tänzer schildert. Die Figurenrede verleiht den Aussagen die Kleistsche charakteristische Vieldeutigkeit. Dem gegenüber steht das völlige Bewusstsein, um das gewünschte „natürliche” Verhalten zu erreichen.