Würselen: Wo das papierlose Büro Realität wird

Würselen: Wo das papierlose Büro Realität wird

Die Topsystem Systembau GmbH als einer der europäischen Marktführer im Bereich der IT-gesteuerten Arbeitsprozesse erlebt momentan die größte Veränderung in ihrer 21-jährigen Firmengeschichte.

Das unter anderem von Franz-Josef Leuchter und Dietrich von der Ahe gegründete Würselener Unternehmen geht über in den mehrheitlichen, privaten Besitz der Erhardt + Partner Unternehmensgruppe (E+P). Kern des Leistungsspektrums bleiben nach wie vor die durchgehend eigenentwickelten Hard- und Softwarelösungen im Bereich der Aviation (Luftfahrt/Luftfrachtverkehr) und der Logistikbranche.

Eine Nachfolgeregelung mit dem Ziel eines „Generationenwechsels“ soll die Zukunft des Unternehmens auf Jahrzehnte sichern. Firmenmitbegründer und Geschäftsführer Franz-Josef Leuchter erläutert: „Wir haben einen Berater mit der Suche nach einer geeigneten Lösungen betraut. Unser Anliegen war es, uns von der privaten Finanzierung zu lösen.“

Die Anforderungen waren klar umrissen: Das gesuchte Unternehmen sollte unter anderem über eigene internationale Ausweitung verfügen. Bislang verfügt Topsystem über zwei eigene, hundertprozentige Tochterfirmen. Sowohl die Topvox Corporation (USA), als auch die Topvox Limited (UK) führen enge Kooperationen mit internationalen Partnern. Man möchte nun mit E+P „gemeinsam wachsen und das internationale Geschäft ausbauen“. Der Begriff der „Wachstumsstrategie“ wird von Leuchter besonders betont. Es sollen die Bereiche Marketing und Vertriebsaktion erheblich erweitert werden.

Firmeninterne Diskussionen über eine Schließung des Standorts Würselen waren von vorneherein ausgeschlossen. „Unser Hauptsitz in Würselen soll selbstverständlich erhalten bleiben und weiter ausgebaut werden. Unser Unternehmen ist in den letzten 21 Jahren stetig gewachsen, was in der schnelllebigen IT-Branche nicht selbstverständlich ist. Der Standort Würselen hat dazu in nicht unerheblichem Maße beigetragen“, erklärt Franz-Josef Leuchter.

Neben der Firmenhistorie ist auch die Nähe zum Hochschulstandort Aachen für Würselen entscheidend. Ein stetiger Austausch mit den entsprechenden Lehrstühlen der RWTH unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen, wirtschaftlichen Neutralität unterstützt Studenten unter anderem beim Verfassen von Abschlussarbeiten. In Kooperation mit Topsystem können beispielsweise Studenten der Elektrotechnik oder der Informatik im Betrieb hospitieren und bei eigenen Forschungen unterstützt werden.

Seit dem 1. Januar gehört Topsystem nun mehrheitlich zu E+P. Topsystem tritt nach der Anteilsübernahme weiterhin als eigenständiges Unternehmen am Markt auf. Die beiden Firmen kennen sich gut aus vielen gemeinsamen Kooperationen in der Vergangenheit. „Durch das fundierte Branchenwissen der E+P-Gruppe sowie die technologische Verbundenheit unserer Produkte ergeben sich zahlreiche Synergien. Das haben wir in einigen gemeinsamen Projekten bereits deutlich gemacht“, bestätigt Firmenmitbegründer Dietrich von der Ahe, der nach 20 Jahren in der Unternehmensleitung in den Ruhestand geht.

Die Ziele sind klar definiert: Die internationale Expansion soll weiter intensiviert und die Erschließung neuer Märkte vorangetrieben werden.

In Bezug auf die interne Firmenstrategie sollen Führungskräfte weiterhin in den eigenen Reihen ausgebildet und herangezogen werden. Darüber hinaus gilt der Anspruch, dass die zwei bestehenden Geschäftsbereiche Logistik und Aviation als Einheit weitergeführt werden. Mit den Zweigstellen der E+P Gruppe in Dubai, Brasilien, Tschechien, Spanien und Russland erschließen sich für Topsystem weitere Vertriebskanäle durch die Beteiligung. Speziell Dubai kennt Leuchter als äußerst lukrativen Markt in Bezug auf den Luftverkehr.

Von Topsystem entwickelte Spracherkennungssysteme wie „Lydia Voice Solutions“ sollen in den beiden Geschäftsbereichen den Einsatz von Personal und Material im Sinne des Kunden durch IT optimieren. Komplett „papierlose“ Prozesse — also solche, die in jedem Arbeitsschritt ausschließlich über Spracherkennung abgewickelt und dokumentiert werden — sind mittlerweile Standard. Inventuren können durch das „Pick by Voice“-System, das erste dieser Art von einem europäischen Hersteller, systematisiert werden.

In diesem Zusammenhang baut Topsystem weiter auf ein Gleichgewicht zwischen Hard- und Softwareentwicklung. Während ähnliche Unternehmen oft von bestimmten Lieferanten abhängig sind, kann Topsystem laut eigener Aussage die immer kürzeren Lebenszeiten von Hardware in Bezug auf Entwicklung neuerer und besserer Technik schneller durch Eigenentwicklungen kompensieren.