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„Wir haben viel zu lange rumgehoddelt”

„Wir haben viel zu lange rumgehoddelt”

Kreis Aachen. Das jahrelange Hick-Hack um die Zukunft des Flugplatzes Merzbrück nähert sich offenbar dem Ende.

Zumindest sind sich alle Verantwortlichen in einem einig: 2004 muss endlich entschieden werden, was getan wird, um wenigstens den Status quo im Flugbetrieb zu halten.

„Wenn wir nichts tun, findet ab dem 1. Januar 2005 auf Merzbrück nur noch Segelflug statt, denn dann treten die neuen europäischen Sicherheitsvorschriften in Kraft”, sagt Würselens Bürgermeister Werner Breuer, der derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der Flugplatz-Aachen-Merzbrück GmbH (FAM) und der Aachener Kreuz Merzbrück GmbH & Co. KG (AKM) ist.

„Die Start- und Landebahn muss also angepasst werden, damit alle Flüge, die heute auf Merzbrück stattfinden, auch in Zukunft möglich sind.”

Von 520 auf 900 Meter

Anpassen heißt für Breuer, die bestehende 520-Meter-Bahn auf etwa 900 Meter zu verlängern. Das sei die einzig finanzierbare Möglichkeit, betont er und weiß sich einig mit Landrat Carl Meulenbergh und dem Kreistag.

Letzterer hatte einen entsprechenden Be- schluss bereits im Juli gefasst und damit den Traum von einer neuen 1400-Meter-Landebahn begraben. Die sei zwar wünschenswert, aber schlicht nicht zu finanzieren. „Und es hilft ja nicht, Visionen nachzuhängen”, meint Breuer.

Dass die Industrie- und Handelskammer (IHK) Anfang August den Neubau einer 800-Meter-Landebahn parallel zur heutigen (mit der Option auf Ausbau bis zu 1400 Meter Länge) ins Spiel brachte und dies im November noch einmal bekräftigte, habe ihn erstaunt.

Zumal dieser Vorschlag zu einer Zeit gekommen sei, da sich die IHK als Gesellschafter aus der FAM herausgezogen habe. Außerdem sei die Variante vor vier Jahren bereits diskutiert und als nicht finanzierbar verworfen worden.

Und daran habe sich nichts geändert, bekräftigt auch Kreisbaudezernent Uwe Zink, der zugleich Geschäftsführer der AKM ist. „Wir würden ja auch gerne die 1400-Meter-Bahn bauen, aber es geht nicht.”

Die koste schließlich erheblich mehr als die „Ertüchtigung” der bestehenden Bahn. Die Zahlen, die die IHK vorgelegt habe, seien unrealistisch. Gleichwohl habe man vereinbart, sich diese noch einmal anzuschauen.

Die Zeit drängt. „Wir haben viel zu lange rumgehoddelt”, klagt ein Insider. „Wir hätten schon viel früher entscheiden müssen.” Jetzt müsse „Druck aufgebaut werden”.

Denn auch für die „kleine Lösung” (Verlängerung der bestehenden Landebahn) ist noch längst nicht alles in trockenen Tüchern.

Zum einen müssen noch einige Gutachten erstellt werden, unter anderem zum Lärmschutz und zur Umweltverträglichkeit. Zum anderen muss die Stadt Würselen die baurechtlichen Dinge regeln, inklusive Flächennutzungsplanänderung.

Die Genehmigung der Luftaufsicht fehlt ebenfalls noch - Mitte Januar gibt es Gespräche in Düsseldorf.

Finanzierung offen

Und dann muss auch noch die Finanzierung geklärt werden. Die Verlängerung der Landebahn wird laut Breuer mit allem Drum und Dran 2,8 bis 3,5 Millionen Euro kosten. Doch wer zahlt?

„Die Gesellschafter der FAM”, sagt Breuer. Er sei sicher, dass die das gestemmt bekommen. Wie, lässt er offen. Darüber zu sprechen, sei noch zu früh, sagt er.

Allerdings: Die FAM ist chronisch klamm, schrammt seit Jahren immer wieder haarscharf an der Zahlungsunfähigkeit vorbei und wird nur durch kommunale Ausfallbürgschaften am Leben gehalten.

Gleiches gilt auch für die AKM, die ja das Gewerbegebiet Merzbrück entwickeln soll. Und das steht und fällt nach Ansicht von Breuer mit dem Flugplatz.

Gewerbegebiete mit leerstehenden Flächen gebe es reichlich in der Region, Merzbrück aber könne mit Standortvorteilen wie Euregiobahn- und Autobahnanschluss und vor allem dem Flugplatz wuchern.

„Es wäre unverantwortlich, dies freiwillig und ohne Not aufzugeben.” Aber wann die Euregiobahn in Merzbrück halten wird, ist fraglich.