Alsdorf: Wie Populisten die Republik spalten

Alsdorf: Wie Populisten die Republik spalten

Auf der einen Seite stehen diejenigen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und die Neuankömmlinge in Deutschland willkommen heißen — auf der anderen Seite, befinden sich Kritiker, die unter anderem gegen eine „Islamisierung des Abendlandes“ demonstrieren. Das Resultat ist eine „kulturelle Spaltung“ innerhalb Deutschlands. Sogenannte Wutbürger verweigern sich politischen Prozessen und schimpfen in Protesten gegen die „Lügenpresse“ oder die „Systemparteien“.

Unter dem Titel „Die gespaltene Republik — Deutschland und die populistische Herausforderung“ hat der Aachener Politikwissenschaftler und Publizist Richard Gebhardt in der Stadtbibliothek in Alsdorf über Phänomene wie diese referiert. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Programms „Miteinander in der Städteregion Aachen — gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ statt.

Gebhardt betonte in seinem Vortrag, wie wichtig es sei, den Hintergrund der Konfliktlage zu kennen. Er erklärte, wie sich der Kosmopolitismus („Diversity“, offene Grenzen) und der Traditionalismus (kontrollierte Grenzen) gegenüberstehen. „Pegida oder die Erfolge der AfD sind Symptome für die Spaltung der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland“, so Gebhardt.

Im Zentrum der Populisten stehe die Kritik an den politischen und medialen Repräsentanten der bunten Republik — denn der Islam gehöre für Pegida und AfD nicht zu Deutschland. Diese Repräsentanten wird vorgehalten, negative Entwicklungen zurückzuhalten oder sie zu zensieren. So definierten sich Pegida und AfD als aufrechte, besorgte Bürger, die der Wahrheit ins Gesichtv blickten.

Gebardt setzt dem entgegen, dass das Argument „das wird man wohl mal sagen dürfen“ funktioniere nicht, denn es wurden bereits zahllose Bücher „über die Schattenseiten des Islams“ veröffentlicht. Auch in Talkshows werde das Thema kontrovers diskutiert.

Apokalyptische Rhetorik „Deutschland schafft sich ab“ oder der Antipluralismus „Gutmenschen“ dienten als sprachliches Werkzeug der rechtspopulistischen Parteien um Ängst zu schüren. Faktisch unterlegt seien Kritikpunkte selten. „Gerade in Sachsen gibt es eine hohe Zahl an Asylgegnern, obwohl der Anteil der Muslime dort im Jahre 2010 bei lediglich 0,1 Prozent lag“, sagte der Politikwissenschaftler.

Fakt sei für Gebhardt, dass man den Hintergrund der populistischen Herausforderung kennen müsse, um mit der aktuellen Situation umgehen zu können. Im Anschluss durften die Zuhörer Fragen stellen. Es schloss sich eine rege Diskussion an.

(pia)
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