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Herzogenrath/Kerkrade: Wie einst die Kumpel auf Schienen radeln

Herzogenrath/Kerkrade : Wie einst die Kumpel auf Schienen radeln

Was Alsdorf mit dem „Energeticon” im Zeichen der „Euregionale 2008” erst noch bevor steht, befindet sich in Kerkrade längst in Betrieb.

Seit Juni 1998 lockt am Bahnhof das Industrion Besucher an und macht auf fürs Publikum attraktive Weise die industrielle Historie des Ortes zum Thema. Preise hat das Haus inzwischen nicht gerade wenige bekommen.

Doch Hans Gubbels, der seit wenige Monaten als Direktor des Industrions fungiert und vordem als Unternehmensberater im Bereich erlebnisbezogener Tourismus-Angebote tätig war, genügt das nicht - er will noch mehr und, wenns geht, Attraktiveres.

Zusammen mit dem Juristen Jan ter Huurne, der bei der Gemeinde Kerkrade für den Bereich Erholung und Tourismus zuständig ist, will er sein Haus noch attraktiver gestalten. Und dabei spielt das nahe der Grenze gelegene Gebäude von Schacht Nulland eine wichtige Rolle.

Kleeblatt-Konzept

Wie Jan ter Huurne, der als „Beleidsadviseur” und „Projectleider” innerhalb der Stadtverwaltung eine Vordenker-Funktion ausübt, im AZ-Gespräch darlegte, fußt der auch von Gubbels energisch verfolgte Plan einer attraktiveren Gestaltung des Industrions im „Kleeblatt-Konzept”, das vor vier Jahren beschlossen wurde und dem Kerkrader Tourismus-Konzept zu Grunde liegt.

Danach basiert das Marketing der Gemeinde auf vier Attraktionen: dem alten Kloster Rolduc, das für das mittelalterliche Element steht, der in Simpelveld beheimateten Museumsbahn ZLSM, die seit dem Frühjahr über ihren bisherigen Endpunkt Kerkrade hinaus nach Heerlen fährt, dem „Parkstad Limburg Stadion”, der Heimat des Erst-Ligisten Roda JC, das als multifunktionale Arena genutzt werden soll, und dem neuartigen Zoo „Gaia-Park”, dessen Eröffnung noch ansteht. Ein attraktiver gestalteter Kerkrader Markt soll die vier Kleeblätter als zentraler Punkt zusammenhalten.

An Plänen besteht kein Mangel - und auch nicht an Ehrgeiz. So soll, was - wie das Industrion - sich als zugkräftig erwiesen hat, noch verlockender gestaltet werden.

Direktor Gubbels, der mit seinem Gesprächspartner von der Stadt eng zusammenarbeitet, möchte darum sein Haus mit dem rund 500 Meter entfernt gelegenen Schacht Nulland verbinden und die Grünflächen dazwischen - wie auch den Schacht, dessen Eigentümer die Kommune ist - attraktiver gestalten. Vor allem sollen beide Gebäude miteinander verbunden werden.

Wie, weiß Gubbels schon: durch eine Schmalspurbahn, die einen „Bergbau-Wanderweg” entlang fährt. Lokomotiven und Schienen-Fahrräder, wie sie einst unter Tage die Kumpel von einem Abbau-Ort zum anderen brachten, hat das Industrion schon.

Sie sind derzeit wettergeschützt auf dem hinteren Teil des Areals am Bahnhof untergebracht und erfreuen bei Museumsfesten und Tagen der offenen Tür die Besucher.

Bergbau spüren

Freilich hat das Gebäude in Nulland, dessen Schätze sich (zum Beispiel eine Reihe von Untertage-Fahrzeugen) heute teilweise noch im Brennnessel-Gestrüpp vor den Augen des Betrachters verstecken, noch einen Nutzer und Teilzeit-Bewohner: den Künstler Rob Thalen, einen Bildhauer und Gestalter von individuellen Möbelstücken.

Den stimmt die Aussicht, irgendwann einmal aus dem Gebäude weichen zu müssen, gar nicht traurig. Thalen bekennt sich als Mit-Urheber der Idee einer Vernetzung des Industrions mit dem Schacht Nulland und sagt angesichts einer möglichen Realisierung nur: „Wenn das der Preis ist - dann sei es.”

Was die Beteiligten mit Industrion- und Schacht-Gebäude machen wollen, wissen sie auch schon: Im modernen Gebäude am Bahnhof sollen Bergbau-Interessierte mit Dokumenten und Geräten aus der niederländisch-limburgischen Geschichte der Steinkohle konfrontiert werden (also Sach-Informationen erhalten).

Auf Nulland soll dann die sinnliche Ebene hinzukommen: „Die Leute sollen spüren können, wie das sich mit Feuchtigkeit, Staub und so weiter unter Tage anfühlte”, erklärt Hans Gubbels und fügt hinzu: „In drei, vier Metern Tiefe gibt es noch Gänge.

Und der alte Förderkorb ist auch noch da.” Offen ist jetzt nur noch eines: Wann genau der ehrgeizige Plan umgesetzt werden soll.