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Ärgernis stinkende „Tretminen“: Wenn einem der Hundekot sogar um die Ohren fliegt

Ärgernis stinkende „Tretminen“ : Wenn einem der Hundekot sogar um die Ohren fliegt

Es ist immer wieder ein Ärgernis: Hundekot auf Grünflächen, Gehwegen und gar mitten auf Spielplätzen. Für manche haben die stinkenden Tretminen besonders eklige Folgen.

Dennis Benezeder hat die Nase gestrichen voll. Buchstäblich. Der Mitarbeiter des Bau- und Betriebshofs der Stadt Herzogenrath ist zuständig für die Pflege der öffentlichen Grünflächen. Mit dem Freischneider ist er überall da unterwegs, wo der Großflächenmäher zu sperrig ist. Rund um Laternen und Abfalleimer, in Grundstücksecken und Blühbeeten. Meter für Meter mühsame Handarbeit im Sinne eines gepflegten Stadtbildes. Benezeder hat sich längst angewöhnt, genau zu sondieren, wo sich unappetitliche Hinterlassenschaften von Gassigängern verbergen. Um die er dann geflissentlich herummäht.

Denn zum Aufgabenspektrum städtischer Bediensteter gehört es nicht, den Kot anderer wegzuräumen – der da auch gar nicht liegen dürfte. Trotzdem passiert es immer wieder, dass der rotierende Freischneider mitunter stattliche Kothaufen erwischt. Mit fatalen Folgen: Auf der Kleidung, im Gesicht, auf der Schutzbrille habe er die ekelhafte Masse schon kleben gehabt, berichtet Benezeder. Zurückfahren zum Baubetriebshof an der Eygelshovener Straße ist dann jedes Mal angesagt: ausziehen, duschen, neue Klamotten anziehen, den Freischneider reinigen, wieder ausrücken. Eine Stunde Arbeitszeit geht dabei gut und gerne drauf. Zuzüglich Reinigung der stinkenden Arbeitskleidung, die zu Hause erfolgt.

Nicht nur auf städtischen (und privaten) Grünflächen liegen Hundehaufen, oft genug auch mitten auf Bürgersteigen und sogar auf diversen der insgesamt 65 umzäunten Kinderspielplätze, dort gerne im Sandkasten, wie Benezeders Kollege Dirk Diederen darlegt, zuständig für die Leerung der Mülleimer. Wöchentlich nehmen die Männer vom Bauhof die Spielplätze unter die Lupe, auch Glasscherben und Müll „in allen Variationen“ finde sich dort, sagt Diederen. Wilder Müll, vor allem die illegalen Ablagerungen rund um Glas- und Kleidercontainer: Das ist noch mal ein ganz anderes Thema.

 Und schon wieder eine fette Tretmine. An Leute wie ihn denken viele Hundebesitzer nicht, wenn sie ihre Vierbeiner Gassi führen: Dennis Benezeder, Bediensteter des Baubetriebshofs in Herzogenrath, muss täglich mit unappetitlichen Hinterlassenschaften umgehen.
Und schon wieder eine fette Tretmine. An Leute wie ihn denken viele Hundebesitzer nicht, wenn sie ihre Vierbeiner Gassi führen: Dennis Benezeder, Bediensteter des Baubetriebshofs in Herzogenrath, muss täglich mit unappetitlichen Hinterlassenschaften umgehen. Foto: MHA/Beatrix Oprée

Bußgelder bis 150 Euro

Verdauten Hundedarminhalt einfach auf öffentlichem Grund liegen zu lassen, ist eine Ordnungswidrigkeit und wird in Nordrhein-Westfalen mit Bußgeldern bis zu 150 Euro geahndet. Alldieweil: Eine Strafe zu verhängen, ist immer eine Frage der Beweisbarkeit. Und: Werden Gassigänger mit ihrem Vierbeiner in flagranti ertappt, reagieren sie nicht selten überaus aggressiv.

Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Kommunen und damit die Allgemeinheit angewiesen sind auf die Einsicht von Herrchen und Frauchen, nach dem Toilettengang ihrer Lieblinge deren Darminhalt mittels mitgeführter Plastiktüte aufzuheben und zu entsorgen.

In vielen Städten wird ihnen dazu der Service von Hundekot-Entsorgungssystemen angeboten. In der Regel handelt es sich dabei um Abfalleimer mit integriertem Plastikbeutelspender. 38 Stück davon sind gleichmäßig verteilt von Merkstein bis Kohlscheid aufgestellt. Die auch gut angenommen werden, wie Diederen bestätigt, mehrfach in der Woche werden sie geleert. Aber auch hier findet sich, was eigentlich nicht hineingehört: durch die verhältnismäßig kleine Öffnung gestopfte Hausmüllbeutel etwa. „Die Täter sind offenbar immer die gleichen Pappenheimer“, sagt Diederen.

Hundelöseplätze

Und wo können Hunde ganz legal auf städtischem Grün „mal müssen“? Immerhin sieben „Hundelöseplätze“ gibt es in der Stadt Herzogenrath – an der Pöttgenstraße, Elsa-Brandström-Straße, Ringstraße, Kämpchenstraße, am Kahnweiher, am Fußweg zur Halde Wilsberg und am Parkplatz auf Höhe der Südstraße 182.

Und wie sieht es in den anderen Nordkreisstädten aus? Bei der normalen Grünpflege in Alsdorf sei Hundekot eigentlich kein Thema, heißt es seitens des Eigenbetriebs Technische Dienste. Allerdings habe es eine Zeitlang die Unart gegeben, dass gefüllte Hundekotbeutel einfach ins Gebüsch geworfen wurden. Das komme mittlerweile aber nicht mehr vor, berichtet Stefan Schaum vom Presseamt. Natürlich habe der Präsenzdienst des Ordnungsamts immer ein Auge auf Hundehalter und spreche diese bei Bedarf auch an, um grundsätzlich zu informieren, dass Hundehinterlassenschaften weggemacht werden müssen. Wer ein Häufchen nicht beseitige, so Schaum, müsse mit einem Verwarn- respektive Bußgeld rechnen. „Doch in der Praxis ist es leider sehr schwer, Hundehalter zu überführen. Sie müssen nämlich dabei beobachtet werden, wie der Hund sein Geschäft macht und dieses dann nicht beseitigt wird – quasi auf frischer Tat.“

Die meisten Hundehaltenden, so die Info aus der Stadt Baesweiler, würden sich korrekt verhalten, also Hundekotbeutel nutzen und im Restmüll entsorgen. Doch auch hier gebe es „Ausnahmen“ – sehr zum Ärger nicht nur der Anwohner, sondern auch jener Hundehalter, die sich korrekt verhalten: weil dies ein schlechtes Licht auch auf sie werfe. Pressesprecherin Nadine Eikermann: „Hierbei ist es leider so, dass eine sich nicht korrekt verhaltende hundehaltende Person durch in der Regel zwei- bis dreimaliges Gassi-Gehen am Tag eine Grünfläche bzw. einen Straßenbereich alleine in kürzester Zeit umfassend verdrecken kann.“ Sofern solche Stellen bekannt werden, würden hier verstärkt Kontrollen vorgenommen.

Anfang des Jahres seien zudem drei Hundekotbeutelspender in entsprechenden Bereichen aufgestellt worden. Sofern bei Kontrollen ein Fehlverhalten auffalle, werde grundsätzlich ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Es sei überdies hilfreich, wenn Passanten besagte Hundehalter direkt ansprechen. Eikermann: „Auf diese Weise ist das Fehlverhalten für die Hundehaltenden im direkten Kontakt oftmals sehr peinlich, was unter Umständen eine schnelle Änderung des Verhaltens hervorruft.“

Objekt der Straßenreinigung

Was hinterlassenen Hundekot angeht, macht die Stadt Würselen auf einen anderen Aspekt aufmerksam: Grundsätzlich gehöre die Entfernung der Hinterlassenschaft zur Straßenreinigung. Die erfolgt aber bei weitem nicht überall durch Mitarbeiter der Stadt. Will heißen: Überall dort, wo die Reinigung laut Satzung auf die Anlieger übertragen worden ist, sind diese dafür verantwortlich, den Gehweg sauber zu halten. Normalerweise aber, so Pressesprecherin Miriam Ameri, sollte es gar nicht so weit kommen, dass Kollegen des Baubetriebshofs oder Anlieger Hundekot entfernen müssen. Denn auch in Würselen sei im Ortsrecht geregelt, dass alle Hundehalter verpflichtet sind, Beutel mit sich zu führen und den Kot aufzuheben. Am Gouleypark und an der Kalkhalde/Elchenrather Straße, wo erfahrungsgemäß viele Gassigeher unterwegs sind, gebe es Hundekotbeutel-Spender.

Leider halten sich aber auch hier viele nicht an die Regel und lassen den Kot andere entfernen. „Das ist für die Kollegen immer wieder ekelerregend“, sagt Heinz Gerd Groten, Leiter des operativen Bereichs im Baubetriebshof. „Besonders ärgerlich ist es, wenn die Leute ihre Hunde bewusst in Blühflächen führen.“ Was regelmäßig wiederum Bürgerbeschwerden nach sich ziehe.

Keine Hundekotreinigungsgebühr

Spreche man die Hundehalter an, so auch hier die Erfahrung, reagieren sie oft verärgert und begründen ihr Verhalten damit, dass sie Hundesteuer zahlen … Doch diese, darauf sei an dieser Stelle hingewiesen, fließt als öffentlich-rechtliche Abgabe ins allgemeine Steueraufkommen und ist an keine bestimmte Leistung gekoppelt. Keineswegs stellt sie eine „Hundekotreinigungsgebühr“ dar – auch wenn diese Vorstellung vielfach noch kursiert.