Würselen: Weniger Parkplätze für dasselbe Geld: Bürger verärgert

Würselen : Weniger Parkplätze für dasselbe Geld: Bürger verärgert

Es gibt erneut Ärger um die Verpachtung eines Teils der Parkgarage Neuhauser Straße an ein nahe gelegenes Fitnessstudio. Der Würselener Stadtrat hatte dies auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen. Der Handel mit diesen in der City begehrten Stellplätzen gilt als im Grundsatz legal.

Das Fitnessstudio, das nun die Parkplätze für seine Kunden vorhält, wäre hier der falsche Adressat für des Bürgers Zorn. Allerdings finden immer mehr Betroffene das Vorgehen der Stadt nicht korrekt. Nachdem sich Parkplatz suchende Autofahrer bei der Lokalredaktion gemeldet hatten, die irrtümlich oder aus Gewohnheit das der Allgemeinheit nicht mehr zur Verfügung stehende Untergeschoss des Parkgebäudes angesteuert hatten und jeweils 25 Euro beim Fitnessstudio zahlen mussten, um ihr Fahrzeug wieder freizubekommen, geht es nun zusätzlich um verärgerte Inhaber von Dauerparkkarten.

Die Beschwerde lautet: Diese Karten kosten weiter monatlich 30 Euro, also 360 Euro im Jahr, obwohl jetzt 57 Parkplätze weniger zur Verfügung stehen. Anders ausgedrückt: Die Stadt Würselen hat einseitig den „Vertrag“ mit Inhabern von Dauerparkkarten geändert und ihre Leistung kurzerhand reduziert.Als ein Betroffener schildert Geschäftsmann Herbert Kaussen-Lingens gegenüber unserer Zeitung die Auswirkungen.

Das ehemalige Mitglied der CDU-Fraktion im Stadtparlament ist mit seinem Makler-Kontor seit zwölf Jahren in Räumen an der Rathausstraße angesiedelt. In seinem Büro für Finanzen, Versicherungen und Immobilien sind neben ihm und seinem Sohn zehn Mitarbeiter beschäftigt.

Zwei Dauerparkausweise zu je 360 Euro haben er und der Junior. Zwei weitere nutzen Mitarbeiter. Das wird von ihrem Arbeitgeber subventioniert. Die Ausweise berechtigen laut Kaussen-Lingens zur Nutzung der Parkhäuser an der Lehn- und Klosterstraße und nur noch der Parkpalette Neuhauser Straße, also nicht mehr zum Parken des Untergeschosses. „Weder vor, noch nach der Entscheidung, so viele Parkplätze an das Fitnessstudio zu verpachten, bin ich als Inhaber einer Dauerparkkarte informiert worden“, ärgert er sich. „Ich will keinem weh tun und auch keine Politik betreiben, aber ich finde das nicht richtig.“

Das hat er in einem Brief an Bürgermeister Arno Nelles (SPD) klar formuliert. Das Schreiben datiert vom 21. November 2017. Eine Antwort habe er darauf nicht bekommen, noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung, sagt er. Er habe nur mittelbar erfahren, dass zumindest seiner Bitte nachgekommen worden ist, den Fraktionen sein Schreiben weiterzuleiten. Die Reduzierung der Parkplätze habe noch andere Auswirkungen.

So hätten die Dauerparkkarteninhaber schon mehrfach keinen Parkplatz im entsprechenden Geltungsbereich gefunden, mussten entweder Parkzettel ziehen, was zu zusätzlichen Kosten führte, oder die blaue Parkscheibe nutzen. Bei aller Arbeit werde aber schon mal die abgelaufene Parkzeit verpasst, was schon manches Knöllchen eingebracht habe.

Um zumindest für das eigene Fahrzeug und das des Sohnes sichere Parkplätze zu haben, hat Kaussen-Lingens in einiger Entfernung zusätzlich zwei Stellplätze angemietet. Er schreibt dem Bürgermeister dazu: „Wie Sie wissen, bin ich mit der Haushaltslage der Stadt Würselen vertraut, aber das darf nicht dazu führen, dass wir, die Parkkarteninhaber und die Bürger dieser Stadt, darunter zu leiden haben.“ Er bitte darum, das Parkraumkonzept noch einmal zu überdenken und Abhilfe zu schaffen.

Bernd Schaffrath, Sprecher der Stadt Würselen, hält auf Nachfrage entgegen, dass alle Dauerparker Anfang 2017 über die Sanierung des Parkdecks informiert worden seien, auch darüber, dass die Tiefgarage dort nicht mehr für Dauerparker zur Verfügung stehe. Auf die Möglichkeit der Kündigung jeweils zum Ende des Monats sei ebenfalls hingewiesen worden.

Die Karten müssten bei Kündigung zügig zurückgegeben werden. „Dies geschieht aus Sicht des Ordnungsamtes recht problemlos, da die Nachfrage sehr hoch ist und die Fachverwaltung für jeden Rücklauf insofern dankbar ist“, teilt Schaffrath mit. „Eine Kostenminimierung ist nicht vorgesehen, da nicht zwischen zwei unterschiedlichen Parkbereichen unterschieden wird.“ Das Ticket gelte ja für das Parkdeck Neuhauser Straße wie für das Cityparkhaus Klosterstraße. Bürgermeister Nelles habe dies mit Beschwerdeführer Kaussen-Lingens „persönlich ausgiebig erörtert“ und so auf eine schriftliche Eingangsbestätigung verzichtet. Aus dem Schreiben gehe nicht hervor, dass es sich um einen Antrag für den Bürgerausschuss handle.

Kaussen-Lingens weist das zurück. Er sei bei einem anderen Termin im Rathaus auf dem Gang von Nelles angesprochen worden und habe nur seine Beschwerde wiederholt. Von „ausgiebig erörtert“ könne keine Rede sein. Am vergangenen Samstag sei Kaussen-Lingens vom Bürgermeister bei einer Karnevalssitzung darauf angesprochen worden. Wohl kein Zufall, hatte doch einen Tag zuvor unsere Zeitung bei der Stadt nachgefragt.

Und noch ein Ärgernis in Sachen Parken: Einer von zwei Automaten im Parkhaus an der Klosterstraße ist defekt. Nutzer werden per Zettel auf den noch funktionierenden Automaten im Erdgeschoss verwiesen. Gerade für Ältere und Gehbehinderte eine Zumutung.

Laut Stadt wurde der „Parkscheingeber“ in der Silvesternacht beschädigt. In diesem Jahr sollen alle Automaten ausgetauscht bzw. neu beschafft werden. Dafür müsse vergaberechtlich eine Ausschreibung erfolgen, die derzeit vorbereitet wird. Heißt: Es wird noch eine ganze Weile dauern, bevor der Automat ersetzt wird.

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