Alsdorf: Weniger gespendete Waren: Alsdorfer Tisch braucht Hilfe

Alsdorf: Weniger gespendete Waren: Alsdorfer Tisch braucht Hilfe

Es ist nicht so, dass die Macher des Alsdorfer Tischs jemals frohlockt hätten. Luxus war noch nie ein Thema in der Lebensmittel-Ausgabestelle im St.-Castor-Haus. Doch so knapp wie dieser Tage war es dort während der vergangenen acht Jahre auch noch nicht.

Auf der einen Seite stellen die Supermärkte dem Tisch immer weniger Waren zur Verfügung, auf der anderen Seite wird die Schlange der Bedürftigen immer länger. Altersarmut, eine steigende Zahl von Flüchtlingen, das macht sich bemerkbar. Fünf vor Zwölf, muss man wohl sagen. „Wir machen auf jeden Fall weiter.“ Es klingt eher trotzig, wenn Diakon Joachim Stümpel das sagt, nicht so sehr zuversichtlich. Denn wie genau er das anstellen will mit dem Weitermachen, weiß er ja selber nicht.

Ohne Hilfe geht es nicht

Ohne Hilfe wird es jedenfalls nicht gehen, sagt er. Er braucht Geld, um es mal auf den Punkt zu bringen. Spender müssen dringend aufgetan werden, um all die Dinge einkaufen zu können, die die Discounter nicht mehr einfach so zur Verfügung stellen. „Man spürt, dass die Händler heute auch enger kalkulieren, um ihren Gewinn zu machen“, sagt Stümpel, der früher selbst in der freien Wirtschaft tätig war. Viele Lebensmittel mit fast erreichtem Haltbarkeitsdatum, die noch vor wenigen Jahren kistenweise dem Tisch bereitgestellt wurden, landen mittlerweile als reduzierte Schnäppchen in den Supermarktregalen.

Darüber freuen sich viele Kunden, die aufs Portemonnaie schauen müssen. Doch die, in deren Geldbörsen schon lange nichts mehr ist, gehen beim Tisch mit immer weniger in der Tüte nach Hause. Eines der beiden Fahrzeuge, mit dem Ehrenamtler die Waren abholen und zum Castor-Haus bringen, ist kürzlich verkauft worden. „Zu teuer“, sagt Stümpel. Der Unterhalt war nicht mehr drin, dabei müsste man den Wagen im Grunde dringend haben. Was passiert, wenn der zweite plötzlich den Geist aufgibt?

Darüber will Stümpel lieber nicht nachdenken. In jüngster Zeit kommen noch mehr Menschen als früher, denn auch Asylsuchende haben den Tisch entdeckt. Auch sie werden versorgt, so gut es geht. Doch so wirklich gut geht es eben nicht mehr. „Unsere Belastungsgrenze ist absolut erreicht. Wenn nicht sogar schon überschritten.“ 490 Menschen stehen derzeit in der Kundenkartei, Tendenz steigend.

Zwei Mal pro Jahr kauft der Tisch im Schnitt zu, damit die Regale gut gefüllt sind. Das kostet pro Einkauf an die 1800 Euro. Die sind derzeit nicht in Sicht. Stümpel: „Der Kassenbestand geht gegen Null. Wir können so gerade noch tanken.“

Gesellschaftliche Frage

Wer hilft den Armen, wenn die Helfer selbst immer ärmer dastehen? Die Frage, die sich der Tisch stellen muss, sei nicht zuletzt auch eine gesellschaftliche, sagt Stümpel. „Eins ist klar: Schließen kann im Grunde jeder — aber wir können es nicht. Wir dürfen es nicht — das sind wir den Menschen schuldig!“

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