Herzogenrath: „Weiße Barke“ beeindruckt im Rittersaal

Herzogenrath: „Weiße Barke“ beeindruckt im Rittersaal

Es war ein Nachmittag, der „nachhallte“. Es war eine Darbietung, an die alle noch lange denken werden — die beteiligten Musiker, welche sich seit einem Jahr darauf vorbereitet hatten ebenso wie die Besucher, die eineinhalb Stunden im Rittersaal von Burg Rode im Banne des Gehörten standen.

Dafür verantwortlich war ein Komponist, der bei Lebzeiten eher zu den Stillen im Lande gehörte: Johann Lütter, 1913 in Würselen geboren und 1992 in seiner dann langjährigen Heimatstadt Alsdorf gestorben. Dort wirkte er nicht nur als Kirchenmusiker, sondern auch als Komponist.

Unter der Leitung von Josef Voußen, Kenner der Werke Lütters und Träger des Lütter-Stiftungspreises 2004, kam es nun zur Erstaufführung des Chorwerkes „Die weiße Barke“ durch den Jungen Chor Alsdorf. Am Klavier: Dorothee Broichhausen, ebenso seit Jahren mit Johann Lütters Tonsprache vertraut.

Dies stellte die Aachenerin Pianistin zunächst bei der einleitenden „Sinfonia apassionata“ von Johann Lütter eindrucksvoll unter Beweis. Zu hören meinte man auch ein bisschen Debussy, ein bisschen Bartók. Doch diese nicht zu leugnenden Einflüsse waren eingebunden in einen speziellen Klang, wie er nur den Werken Johann Lütters zu eigen ist. Dies alles war aber nur die Ouvertüre zum eigentlichen Hauptwerk des Abends, der „Weißen Barke“. Hinter dem Titel verbergen sich mystisch-naturbejahende Texte der anthroposophischen Dichterin Johanna Zeske-Fell, die Johann Lütter kongenial vertonte.

Dem Werk war anzuhören: Hier hatten sich zwei seelenverwandte Künstler befunden. Zunächst rezitierte Regina Schuhmachers in schöner Deklamation die einzelnen Texte, dann wurden sie vom Chor in Begleitung von Dorothee Broichhausen am Klavier innig und mit Tiefe gesungen. Ob es sich um subtile Kindheitserinnerungen handelte, ob sich etwa die Katze im Bastkorb räkelte, das nur scheinbar gegenüber dem Felsen unbedeutende Gras raschelte, den Specht hämmerte oder der Kastanienbaum erblühte: Stets trafen die hochmotivierten Alsdorfer Sängerinnen und Sänger — dabei auch die Solistin Marlies Buchmann mit einem in schwindelnde Höhen führendem Sopran und Georg Schulte-Althoff als sonorer Bariton — den richtigen Ton, die Aussage der sensiblen wie sprach- und bildmächtigen Texte.

Im positiven Sinne sprachlos war zunächst Ingeborg Lütter, Komponisten-Schwiegertochter und Vorsitzende der veranstaltenden Johann-Lütter-Stiftung, ob des Gehörten. Eine Sprachlosigkeit, die indes Begeisterung ausdrückte. Und den Wunsch nach Wiederholung weckte. Schon am Sonntag, 22. Oktober, geht dieser Wunsch in Erfüllung: Dann wird um 16 Uhr die „Weiße Barke“ zu hören sein im Rahmen eines Konzertes, das anteilig mit der Chorgemeinschaft MGV Alsdorf-MGV Linden-Neusen (Leitung: Heinz Dickmeis) bestritten wird, wiederholt. Und zwar in der Martin-Luther-Kirche Alsdorf.

(jope)