Weihnachtskistenaktion der Tafeln im Nordkreis

Weihnachtskistenaktion : „Wir wollen allen ein schönes Fest ermöglichen“

Es ist mittlerweile Tradition geworden: Weihnachtskisten mit allerhand Gutem zu packen für Menschen, die es nicht so gut haben wie man selbst, und diese bei den Tafeln abzugeben. Was folgt, ist eine ganz besondere Bescherung.

120 Menschen sind an diesem Nachmittag bei der Würselener Tafel an der Aachener Straße zu Gast. Über die zahllosen Gespräche in vielen Sprachen der Welt dröhnen immer wieder aus Lautsprechern Nummern und Namen. Was auf den ersten Blick wie ein heilloses Durcheinander erscheint, entpuppt sich als ausgefeiltes System zur fairen Lebensmittelausgabe. Jeder kommt dran, jeder bekommt das, was er sich wünscht – bei Engpässen und Sonderangeboten entscheidet das Los. Besonders voll wird es stets, wenn die alljährliche „Weihnachtskistenaktion“ ansteht, dann kommen gut dreimal so viele Besucher wie sonst.

Ursula Best hat als Leiterin der Würselener Tafel große Erfahrung. Und im vergangenen Jahr war ihr Organisationstalent besonders gefordert, als sich bei der Ausgabe der Pakete plötzlich herausstellte, dass der Andrang größer als das Angebot war. Über das „Bestsche Netzwerk“ konnte diese Lücke innerhalb kürzester Zeit gefüllt werden.

In diesem Jahr hat sie sich zusammen mit ihren Kollegen deswegen dazu entschlossen, „die Werbetrommel etwas kräftiger zu rühren“. Plakate, Flyer, Posts in sozialen Netzwerken – für den Ansturm am 20. Dezember möchte man gewappnet sein. Traditionell wird die Tafel aus Platzgründen für zwei Tage wieder das Gemeindezentrum St. Sebastian an der Wilhelmstraße beziehen.

Das Prinzip der Weihnachtskistenaktion ist denkbar einfach. „Wir möchten auch Bedürftigen die Möglichkeit geben, ein schönes Weihnachtsfest mit einer guten Mahlzeit zu erleben. Jeder ist aufgerufen und kann das geben, was er in der Lage ist zu geben“, erläutert Best. Haltbare Lebensmittel, Konserven, Obst und Süßigkeiten passen beispielsweise ideal in ein solches Paket. Auch würde es vielen Empfängern eine Freude bereiten, wenn man einen persönliches Weihnachtsgruß via Karte beifügt. Die Pakete bleiben seitens der Tafel „unberührt“ – sie werden also nicht im Vorfeld ausgepackt und neu aufgeteilt. Um den Ausgabeprozess allerdings zu erleichtern, wäre es indes von Vorteil, auf die Kisten und Tüten draufzuschreiben, was drin ist.

Wer darüber hinaus mehr zu geben hat, der ist bei der Paketaktion ebenfalls an der richtigen Adresse. Auch Alkohol als Inhalt ist per se nicht verboten, allerdings sollte dabei Maß gehalten werden: Gegen eine gute Flasche Wein oder Sekt ist nichts einzuwenden, „das gehört zu einem guten Essen dazu“, erklärt Josefine Schulz. Kerzen, Servietten, Tischdecken oder Weihnachtsdekoration würde ebenfalls gut in ein solches Paket passen. Kinderspielzeug oder Kleidung müsse dagegen separat abgegeben werden. An einem eigenen Stand können sich Kinder bei der Ausgabe dann jeweils individuell ein Spielzeug aussuchen und mitnehmen.

Die Würselener Tafel ist mit ihren knapp 50 Mitarbeitern für den Ansturm gerüstet. Jede Kollegin, jeder Kollege wird am Annahme- und Ausgabetag eine Schicht im Pfarrheim übernehmen. Der normale Tafelbetrieb wird an der Aachener Straße überdies weiterlaufen. Zusätzlich ist ein „Hol- und Bring-Service“ eingerichtet. Wer das gespendete Paket nicht vorbeibringen kann, bei dem kann es abgeholt werden. Im Gegenzug können die Pakete auch zu ihren Empfängern geliefert werden. Eine starre Größenvorschrift gibt es nicht. Große und kleine Pakete werden entsprechend Einzelpersonen oder Familien zugeteilt. Als „Paket“ kann beispielsweise ein Karton oder ein Einkaufskorb dienen. Wichtig sei nur, dass das „Gefäß“ von oben offen sein muss.

Am Ausgabetag sind alle Inhaber des „Tafelausweises“ willkommen. Darüber hinaus reiche auch ein Bescheid seitens des Amtes, der das „eigene Bedürfnis“ belegt. Best und Kollegen hoffen, somit auch weitere Kunden für die Tafeln zu begeistern. „Viele sind in den vergangenen Jahren über die Weihnachtsaktion zum ersten mal überhaupt mit uns in Verbindung getreten“, erzählt Inge Just. Scham spiele nach wie vor eine Rolle, wenn Leute sich nicht trauen, das Angebot der Tafeln anzunehmen. Durch die Paketausgaben würden Hemmschwellen gesenkt und persönlicher Kontakt aufgebaut.

Die Würselener Tafel ist dabei mehr als eine schlichte „Ausgabestelle“: Ein kleines Eckcafé hat sich im Haupthaus etabliert – einige „Stammtische“ haben sich da bereits gebildet. Für 10 Cent gibt es eine Tasse Kaffee. Die Menschen können sich hier kennenlernen und Kontakte knüpfen. Ferner findet einmal pro Monat der beliebte „Flohmarkt“ der Tafel statt.

Kommunikation wird auf allen Ebenen groß geschrieben – die „Nordkreis-Tafeln“ sind längst untereinander vernetzt. Besteht ein Überschuss an Material, so wird sich telefonisch mit den regionalen Kollegen kurzgeschlossen. Engpässe können so gemeinsam minimiert werden.

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