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Alsdorf: Weihnachten ist auch die Zeit der Racheakte

Alsdorf : Weihnachten ist auch die Zeit der Racheakte

Wenn der Nikolaus kommt, war Jürgen B. Hausmann schon längst da. Die satirische Aufbereitung der mitunter recht konfliktträchtigen Weihnachtszeit hat bei ihm Tradition. Jetzt drapierte er seine winzigen Plastiktannenbäumchen erneut auf der Stadthallenbühne und blies im ausverkauften Haus zum wenig besinnlichen „Adsvents”-Special.

Angesichts des kreativen Outputs fällt es schwer zu glauben, dass der Mann sich seine Brötchen ganz brav als Lehrer verdient. Jüngst erst präsentierte er sein „Tagesschau”-Programm. Bloß, um ein paar Wochen später mit neuem abendfüllenden Programm um die Ecke zu biegen.

Doch es ist ja auch ein dankbares Thema. Denn alle kennen es, das Fest und dessen Tücken. „Jedes Jahr derselbe Mist”, kommentierte Hausmann. Das fängt beim Aufstellen der Tanne an. Wenn spätestens dann die Frage des Programmtitels laut wird: „Wo sind de Bollen für der Baum?”

„Pisselsdinger”

Tiefgefroren sind sie vorsichtshalber, denn: „Die Pisselsdinger gehen ja so leicht kaputt!” Kaum hat man eine an den Ast gebracht, fällt auf der anderen Seite des Baums schwupps eine runter und ist natürlich gleich hinüber. Kurz drauf wird dann das komplette Erzgebirge verflucht. „Lass se doch so kleine Holzpferdchen schnitzen, wenn se Langeweile haben.” Aber: „Warum schicken sie uns die, wer soll die aufhängen?”

Und hat man es doch geschafft und hängen auch die frisch gebügelten Lametta-Fäden am Baum, ruft lautstark die Verwandtschaft. Dann beginnen die familiären Grabenkämpfe. „Welche Oma hat das beste Geschenk für die Enkelchen?” Vermutlich nicht die, die den Kleinen ein Musikinstrument überreicht.

Hausmann: „Das sind pure Racheakte, Kindern Geschenke mit hoher Geräuschentwicklung zu machen.” Solchem Verhalten widmete er den Song „Little drummer boy”, umgetextet zu „Nimm dat Kind dat Schlagzeug weg”.

Stressfaktor Weihnacht

Musikalisch veredelt von Pianist Harald Claßen, der auch innerdeutschen Variationen des Klassikers „Oh Tannenbaum” intonierte und mit Hausmann gar eine Sirtaki-Version des Stücks anstimmte. Zwei Stunden lang kommentierte Hausmann den Stressfaktor Weihnacht und bediente sich dabei des Sprecherpultes seiner „Tagesschau” als verbindendem Element der einzelnen Programmteile. Eine schöne Einstimmung aufs Fest und ein weiterer Beweis seines Gespürs für mit reichlich Lokalkolorit gewürzte Themen. Die souveräne Darbietung goutierte das Publikum mit reichlich Applaus.