Alsdorf: Watteartige Pollen erobern einen ganzen Stadtteil

Alsdorf: Watteartige Pollen erobern einen ganzen Stadtteil

Die Nase läuft. Die Augen jucken. Manchem bleibt sogar die Luft weg. Blütezeit ist Pollenzeit. Zwei Wochen im Jahr trifft das die Anwohner in Busch besonders hart. Und zwar immer dann, wenn die Pappelbäume entlang der Euregiobahn-Strecke blühen.

Das kleine Naturschauspiel ist eigentlich schön anzusehen. Denn die Samen der Pappeln, die vom Wind direkt in die Siedlung am Ehrenmal geweht werden, haben hauchdünne, weiße Fäden, so genannte Pappelwolle.

Sie verhüllen Plätze und Autos, zaubern teilweise eine regelrechte Schneelandschaft. Die Anwohner aber leiden darunter, haben teils sogar massive Beschwerden.

Denn die feinen, klebrigen Fädchen können eingeatmet werden und machen deswegen den Aufenthalt im Freien nicht zum Vergnügen. „Zwei- bis dreimal am Tag saugt meine Frau den Hof. Wir können die Tür nicht mehr auflassen, sonst ist alles direkt voll mit den Pappel-Pollen”, sagt Günther Krämer vom Stadtteilbüro Alsdorf-Busch.

„Mein Enkel kann kaum mehr aus dem Haus gehen. Er ist Allergiker und hat in der Blütezeit starke Luftbeschwerden”, erzählt Anwohner Peter Kohnen. Auch Monika Dürrenbecher leidet unter dem Flug der Millionen Wattepollen.

„Meine drei Kinder sind allergisch und bekommen kaum Luft. Wenn die Pappeln blühen, ist nicht daran zu denken, das Fenster aufzumachen. Ansonsten wäre ich den ganzen Tag damit beschäftigt, die Wohnung zu saugen”, sagt die 52-Jährige.

Christine Sembel ist Asthmatikerin. „Entweder muss ich in der Blütezeit drinnen bleiben oder aber ich halte mir die Jacke vor Mund und Nase, damit ich die Pollen nicht einatme”, berichtet sie.

„Die Lebensqualität der Anwohner ist durch den massiven Pollenflug in der Blütezeit stark eingeschränkt. Das kann nicht so weiter gehen”, appelliert Günther Krämer, dass nun endlich etwas getan werden muss. Bereits vor drei Jahren hat er sich an das Umweltamt der Stadt Alsdorf gewandt und das Problem geschildert.

„Geschehen ist seitdem nichts”, ärgert er sich. „Wir haben sogar angeboten, dass wir beim Fällen der Bäume helfen”, erzählt Krämer. Doch Umweltsamtschef Karl Becher sieht sich nicht in der Lage, etwas zu unternehmen: „Die Pappeln stehen auf einem Grundstück des EBV, heute Evonik”, sagt er. Aber Günther Krämer will das so nicht stehen lassen: „Irgendetwas muss getan werden...”