Alsdorf: Wasserschaden im Kubiz: Ein durchnässter und aufgeweichter Koloss

Alsdorf : Wasserschaden im Kubiz: Ein durchnässter und aufgeweichter Koloss

Im Neubau des Kultur- und Bildungszentrums müssen nach dem am vergangenen Montag entdeckten massiven Wasserschaden Wände und Turnhallenböden ersetzt sowie Lampen und Türen ausgetauscht werden.

Feuchtwarm ist die Luft, an einer Säule befestigte Abklebefolie weht im stetigen Luftzug leicht hin und her, überall ist das dumpfe Geräusch der Trockner zu hören. Dort, wo das aufgeweichte Linoleum schon abgezogen ist, sind dunkle Wasserflecken auf dem Estrich zu sehen. Ein Blick in die in den Boden eingelassenen Steckdosen: Hier sind noch Wassertropfen auf dem Kunststoff. Auf bis zu 1500 Quadratmetern Fläche in der ersten Etage und auf 1000 Quadratmetern des Erdgeschosses haben sich Wände und Böden mit Wasser vollgesogen.

20 Trockner sind im Einsatz, zusätzlich kam am Freitag ein großer per Lkw, dessen Rohre von außen ins Gebäude gelegt sind. „Wir haben sofort alles vorgeordert, was wir kriegen konnten, auch wegen der Katastrophe in Süddeutschland“, sagt Kathrin Koppe, Technische Geschäftsführerin der Grund- und Stadtentwicklungs-GmbH und somit Bauherrin. So traurig es ist: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Montagmorgen war im Neubau des Kultur- und Bildungszentrums (Kubiz) in Alsdorf ein gigantischer Wasserschaden entdeckt worden, nachdem eine Steckverbindung eines neu verlegten Frischwasserrohrs vom Durchmesser eines Wasserhahns auseinandergegangen war. „Es ist ordnungsgemäß überprüft worden“, sagt Koppe. Drei Wochen stand es unter Druck, ohne dass etwas geschah. Das Rohr ist eingeschickt, ein bis zwei Wochen wird es noch dauern, bis das Prüflabor Ergebnisse vorlegt.

Heute, sechs Tage später, zeichnet sich das Ausmaß des Lecks immer deutlicher ab: „Die Turnhallenböden müssen raus“, sagt Koppe. Alle. Komplett. Montag gehe es los.

Die Stimmung ist gedrückt, bei Koppe ebenso wie bei den Handwerkern. Kein Radio ist beim Gang durchs Gebäude zu hören, wie sonst immer. Es wird kaum geredet.

Über Zahlen will Koppe noch nicht reden. Aber es ist davon auszugehen, dass es mehrere Monate dauert, bis der Zustand vor dem vergangenen Wochenende wiederhergestellt ist, bis das letzte Loch zugespachtelt und die letzte Wand gestrichen ist.

Diesen Monat, am 24. Juni, sollte der Bau fertig sein, so dass Gymnasium und Realschule hätten einziehen können. Die Tafeln hängen, im zweiten Obergeschoss sind die Naturkunderäume schon eingerichtet. „Das ist Glück im Unglück, dass der Schaden nicht eine Etage höher aufgetreten ist“, sagt Koppe. Ihr fällt es sichtlich schwer, positive Aspekte zu finden, „aber sagen wir so: Zum Glück waren die Schulen noch nicht umgezogen.“

Die meisten Wände bestehen aus Gipskarton: zwei Wände Gipskarton auf der einen Seite, zwei auf der anderen Seite, dazwischen Dämmung. Im ersten Obergeschoss ist das Wasser, das mehrere Zentimeter hoch stand, die Wände hochgezogen. Ob die Wände zur Hälfte erneuert werden müssen oder mehr, ist noch offen. Im Erdgeschoss müssen alle Wände in den betroffenen Gebäudeteilen weg, fast zwei Drittel. Überwiegend in den Räumen des Gymnasiums, im Verlauf der Woche sogen sich aber auch Teile der Realschule mit Wasser voll. Lampen müssen ersetzt, aufgequollene Türen ausgetauscht werden.

In einer Nische, als spätere Selbstlern-Ecke gedacht, steht noch ein Mörtelkübel. Es tropft nach wie vor aus der Decke.

Drei Gutachter waren gemeinsam vor Ort: von der GSG selbst, von der Bauwesenversicherung der GSG, die beispielsweise Sturmschäden abdeckt, und von der Haftpflichtversicherung des Unternehmens, das die Rohre verlegt hat. Wer in der Verantwortung ist, ist im Grunde unstrittig. Das ausführende Unternehmen. Alle drei Gutachter waren sich über den Zustand des Schwingbodens des im Untergeschoss befindlichen Sportbereichs einig. Der Boden ist mit einer dicken Dämmschicht gefüllt, „nicht trockenbar“, lautete das Urteil.

„Sorgen bereitet mir die Verfärbung einzelnen Holzteile im Prallschutz an den Wänden“, sagt Koppe. Vorher waren alle gleich hell, nun setzen sich manche deutlich dunkler ab. Immerhin könnten die Holzzeile einzeln ersetzt werden. Die Geräte waren größtenteils noch in Folie verpackt, sie wurden sofort aus dem „Regen“ geholt und sind unbeschädigt.

Auch im Heizungsraum steht ein Trockner, die Isolierung der Behälter muss runter, damit diese nicht rosten.

Mit rund sechs Wochen rechnet Koppe, bis alles, was man retten kann, getrocknet ist. Dann beginnen die Erneuerungsarbeiten. Was die Verfügbarkeit der Handwerksunternehmen anbelangt, sieht es bislang gut aus. Aber die Unternehmen, die eigentlich die letzten Arbeiten machen sollten, haben sich schon wegen der Verzögerungen und höherer Lohnkosten bei der Grund- und Stadtentwicklung gemeldet. „Es hilft nichts, einer muss sich jetzt drum kümmern“, sagt Koppe und atmet tief durch. Dann eilt sie wieder ins Containerbüro der Bauleitung.