Nordkreis: Wasser aus der Spritze ist bei Hitzewelle dringend nötig

Nordkreis : Wasser aus der Spritze ist bei Hitzewelle dringend nötig

Ein gutes Koordinationsvermögen gehört zweifelsfrei dazu: Runde um Runde dreht Tim Goertz, Gärtner und Landschaftsbauer bei der Stadt Baesweiler, am frühen Morgen um den Place de Montesson: Mit der rechten Hand steuert er souverän den langsam vorwärts rollenden Traktor.

Mit der linken hält er den Schlauch im passenden Winkel, damit der Wasserstrahl sich über die unzähligen Blümchen auf dem Kreisverkehrplatz ergießt. Baesweiler ist bekannt für seine blühenden Kreisel im Ortsverlauf der B 57. Daran soll auch die anhaltende Hitzeperiode nichts ändern. Also wird gegossen, was der 2000-Liter-Behälter auf dem Anhänger hergibt. „Wäre doch schade um die schönen Blumen“, findet auch Bürgermeister Professor Dr. Willi Linkens.

2000 Liter fasst der Tank, mit dem Tim Goertz die Sonnenlieschen auf dem Place de Montesson wässert. Später sind u.a. die üppigen Blumenkästen am Rathaus Mariastraße an der Reihe. Stefan Plum-Tylski vom beauftragten Gartenbaubetrieb säubert derweil den Sand am Wasserspielplatz Parkstraße. Foto: Beatrix Oprée

Zweimal im Jahr wechselt die Blütenpracht auf den bislang vier Kreisverkehrplätzen in der Stadt. 3500 Pflänzchen werden dann jeweils gesetzt. Im Sommer sind es farbenfrohe „Sonnenlieschen“, eine Züchtung, die nicht nur durch Blühfreudigkeit, sondern auch Robustheit überzeugt. Für jeden Kreisel gibt es ein anderes Design. So erstrahlt der Place de Montesson als Hommage an die französische Partnerstadt in Blauweißrot. Genau genommen in Violettweißrot. „Diese Blumensorte gibt es nicht in Blau, Violett ist die Farbe, die dem am nächsten kommt“, erklärt Linkens. „Die Franzosen wissen das aber ...“, ergänzt er schmunzelnd.

2000 Liter fasst der Tank, mit dem Tim Goertz die Sonnenlieschen auf dem Place de Montesson wässert. Später sind u.a. die üppigen Blumenkästen am Rathaus Mariastraße an der Reihe. Stefan Plum-Tylski vom beauftragten Gartenbaubetrieb säubert derweil den Sand am Wasserspielplatz Parkstraße. Foto: Beatrix Oprée

Tim Goertz hat seine Runden beendet und macht sich auf zum nächsten Kreisel, den an der Parkstraße. Der neue Kreisverkehr am Neubaugebiet Kloshaus, der Fünfte im Bunde, ist noch nicht bepflanzt. „Hier suchen wir noch nach einem Sponsor“, wirbt Linkens.

Rund 6000 Liter Wasser täglich werden derzeit von städtischen Mitarbeitern auf Kreisel und Blühbeete sowie in Blumenampeln und -kästen gegossen. Zudem gilt es, die Rasenflächen der Sportplätze zu wässern, „dies geschieht allerdings mit Sprenklern, die wir nur ein- und ausschalten“, erklärt Herbert Horbach, der seit zwei Wochen Leiter des städtischen Baubetriebsamts ist. „Und der mit der Hitzewelle direkt vor eine Herausforderung gestellt wurde, die er aber bestens meistert“, lautet das prompte Lob des Bürgermeisters. Da aber trotz intensiven Einsatzes nicht alles auf einmal zu bewältigen ist, hat die Stadt die Bürger gebeten, auch ihrerseits zu Schlauch oder Gießkanne zu greifen, um das ein oder andere Beet, den ein oder anderen jungen Baum vor der Haustür mit zu wässern.

„Die Resonanz war gut“, hat Linkens am Wochenende schon erfahren. Aus Reihen des Bauhofs war zudem die Bitte an die Feuerwehr herangetragen worden, den Löschschlauch auch mal auf städtisches Grün, vor allem die Baumscheiben, zu richten. Was am Sonntag spontan erfolgt sei, wie Linkens ebenso lobend erwähnt. „Man kann nicht alles gießen“, stellt Horbach klar. Die Rasenflächen des Straßenbegleitgrüns etwa sind goldgelb geworden, wie in vielen privaten Gärten eben auch. „Das macht aber nichts“, sagt Horbach. „Die Wurzeln überleben das. Und sobald es wieder feuchter ist, sprießt es auch wieder.“

Zur Pflege der Grünflächen gehört im Sommer verstärkt das Einsammeln von wildem Müll, bergeweise komme das zusammen, vor allem Verpackungen aus Schnellimbissen. Und Flaschenscherben — als Folge nächtlicher Gelage, am Carl-Alexander-Platz, der sogar samstag- und sonntagmorgens gereinigt wird, ebenso wie auf diversen Spielplätzen. „Ein echtes Problem“, sagt Linkens. Gärtner Goertz lenkt das Augenmerk noch auf die unzähligen Zigarettenkippen überall: „Die sind giftig — und zersetzen sich nie!“