Herzogenrath: „Was erwarten wir von Papst Franziskus?“

Herzogenrath: „Was erwarten wir von Papst Franziskus?“

Wo steht die Kirche heute? Welche Veränderungen hat Papst Franziskus erreicht und wie sind sie zu bewerten? Ist die vehemente Wirtschaftskritik des Papstes an der kapitalistischen Wirtschaftsweise berechtigt? Was können wir von Papst Franziskus zukünftig erwarten? Dr. Michael Schäfers, Theologe und Sozialwissenschaftler, stellte diese Fragen bei einer Veranstaltung der KAB Aachen im Herzogenrather Nell-Breuning-Haus.

Schäfer ist Leiter des Grundsatzreferates der KAB Deutschland und hatte für das Bildungswerk der KAB der Diözese Aachen bereits vor genau einem Jahr einen spannenden Vortrag über „Papst Franziskus als Revolutionär und Kirchenreformer“ gehalten.

Papst Franziskus hat am 13. März 2013 sein Amt als Oberhaupt der katholischen Kirche angetreten. „Auf der einen Seite stehen diejenigen, die hohe Erwartungen an die Reform der Kirche mit Papst Franziskus verbinden und sich enttäuscht zeigen, dass der Papst bisher keine tief greifenden strukturellen Reformen eingeleitet hat. Auf der anderen Seite stehen Kritiker aus dem neoliberalen Lager, die vor allem die äußerst wirtschaftskritischen Aussagen in den Mittelpunkt ihrer Angriffe gegen Papst Franziskus stellen“, sagte Veranstaltungsmoderatorin Ludwina Hupfauer. Zündstoff gebe es also genug.

Schäfers Zwischenbilanz nach zwei Jahren Pontifikat Papst Franziskus zog einen großen Kreis von interessierten Zuhörern an und fiel durchaus positiv aus: „Der Papst hat Kurs gehalten und ist seiner Linie treu geblieben.“ Schäfer beschäftigt sich seit vielen Jahren in zahlreichen Publikationen und Vorträgen mit der Entwicklung der Soziallehre der Kirche. Themenschwerpunkte seiner Arbeit sind Kirchenpolitik, Fragen der Unternehmungsverfassung und Mitbestimmung, Zukunft der Arbeit, Arbeitsmarktpolitik, Globalisierung und das Modell der Tätigkeitsgesellschaft.

Kirche für die Armen

„Die Aussagen des Papstes, den Weg zu beschreiten hin zu einer armen Kirche für die Armen hat auch in Deutschland eine Diskussion ausgelöst, allerdings eher im Kreis der kirchenkritischen Kräfte und ist bisher nur in Teilen in die deutsche katholische Amtskirche vorgedrungen“, stellte Schäfer fest. Für eine heilsame Wirkung, eine Reformoffensive sei es notwendig, „nicht nur über Geld, sondern über Macht zu reden.

Papst Franziskus muss den Druck erhöhen und strukturelle Veränderungen in der römischen Kurie selbst vornehmen. Für Deutschland brauchen wir eine neue dialogische und auf eine breite Beteiligung aller Menschen guten Willens ausgerichtete Synode, die die Kirche der Armen in den Mittelpunkt stellt. Es braucht dafür Instrumente“, stellte Schäfer abschließend fest.

Mehr Infos zu weiteren Terminen des KAB-Bildungswerks der KAB der Diözese Aachen gibt es auch online unter: www.bildung.kab-aachen.de.

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