Alsdorf: „Wand-macht-Meinung“: Politische Kunst mit der Sprühdose

Alsdorf: „Wand-macht-Meinung“: Politische Kunst mit der Sprühdose

Am Ende des Projekts stand eine Mauer. Ein direkter Vergleich zur jüngeren deutschen Geschichte ist vielleicht zu weit gegriffen, jedoch symbolisiert sie hier wie dort einen Meilenstein der gesamtdeutschen Demokratie. Seit Juni erforschten zehn junge Erwachsene im Rahmen des Projekts „Wand-macht-Meinung“ die Geschichte der Demokratie.

Ausgerüstet mit Graffiti-Dosen krönten sie die tolle Zeit mit einem übergroßen Gemälde ihres neugewonnenen Demokratieverständnisses.

Das kooperative Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Kunst und Medien NRW, des Jugendkulturraums „Aber Hallo“ sowie der sozialtherapeutischen Jugendarbeit „Go Better“ wollte sich mit der oft unterstellten Politikverdrossenheit junger Menschen auseinandersetzen. Gerade Jugendliche unter 18 Jahren fallen für Umfragen und Wahlen aus Altersgründen aus dem Meinungsraster. Eine grundsätzliche Einstellung zu detaillierten Fragen der Politik aber haben die meisten von ihnen dennoch.

Seit 2015 existiert die Projektarbeit der LAG. Frühzeitig kam Bildungsreferentin Fleur Vogel mit den Verantwortlichen Alexander Müller-Hermes („Aber Hallo“) und Ingo Boehm („Go Better“) ins Gespräch auf der Suche nach kooperierenden Vereinen. Von der ersten Minute an waren beide Feuer und Flamme.

Über Monate hinweg opferten die jungen Teilnehmer ihre Freizeit nach der Schule und erkundeten unter anderem während der Exkursion zum alten Bundesrat in Bonn die Wurzeln der bundesdeutschen Demokratie. Zeitgleich wurde begonnen, Meinung und Widersprüche grafisch zu kommunizieren.

Die ersten Versuche mit der Sprühdose wurden während der Sommerferien gemacht.

Auch die öffentliche Resonanz wurde nicht gescheut. Und bewusst Wert darauf gelegt, dass die Spray-Arbeiten, aber auch die Kommunikation als solche gesehen und gehört werden.

Einen ersten Entwurf des großen Graffiti, das mittlerweile eine Außenfassade auf der Anlage des Vereins „Go Better“ an der Mariadorfer Marienstraße ziert, stellten die Akteure zeitnah vor.

Schweißtreibende Arbeit

Auch während der heißen Sommertage waren die Sprühdosen für ausnahmslos alle Teilnehmer anziehender als etwa Besuche im Freibad oder kühle Drinks in Bars. Unter der tatkräftigen Mithilfe der inspirierten Pädagogen konnte schlussendlich das große Meisterwerk fertiggestellt werden.

Neben diesem behalten die Teilnehmer natürlich auch ihre vielen Skizzen und Porträts, die in der Entstehungsphase angefertigt und den zahlreichen Besuchern beim Abschluss-Event stolz präsentiert wurden.

Zuletzt aber ruhten die Spraydosen. Bei Live-Musik und ausgelassener Stimmung feierten die jungen Künstler ihr selbstbestimmtes Handeln und das „Paradies der demokratischen Willensbildung“.

Auch wenn die alte Zechenstadt Alsdorf „nur“ zur Städteregion gehört, sie dürfte sich beim abschließenden allgemeinen Slogan genauso angesprochen gefühlt haben: „Aachen ist die geilste Stadt der Welt, Au Hur!“

(yl)