1. Lokales
  2. Nordkreis

Herzogenrath: Wahlleiter ganz verblüfft über dieses Ergebnis

Herzogenrath : Wahlleiter ganz verblüfft über dieses Ergebnis

Das haut ihn aus den Socken. Welch ein Wahlergebnis! Unglaublich! Franz Einhäuser schüttelt verblüfft den Kopf.

Er rückt seine Lesebrille zurecht. Aber es ist eindeutig: 54 Prozent der Stimmen erringt die SPD, 42 Prozent gehen an Bündnis90/Die Grünen, und die Frauen-Partei sahnt immerhin noch vier Prozent ab. „Keiner hat die CDU gewählt!?” Franz Einhäuser kann es nicht fassen. Was wird dieses Resultat wohl für umwälzende Folgen für Europa haben?

Gar keine. Denn noch ist nicht der 13. Juni. Noch hat Europa nicht gewählt. Noch schaut Franz Einhäuser nicht auf das amtliche Endergebnis. Der Politiklehrer sieht stattdessen auf 24 Kreidestriche an der grünen Tafel. Und von dort in die Runde seiner Schüler. In 24 zufriedene Gesichter.

Alle 24 Zehntklässler haben gewählt. Am kommenden Sonntag dürfen sie noch kein Kreuzchen machen. Sie haben die 18-Jahre-Marke noch nicht erreicht. Aber im Herzogenrather Gymnasium durften sie ihre Meinung bei einer Testwahl auf den selbst gebastelten Stimmzetteln fixieren. Und sie wollten.

Prickeln erzeugen

Dabei ist sich ihr Lehrer im Klaren: „Das Thema Europa ist stink-langweilig und kompliziert. Es ist sehr schwierig, es an junge Menschen heranzubringen.” Aber die Schüler der Klasse 10a wollten Europa im Politikunterricht auf den Grund gehen - obwohl sie noch nicht wahlberechtigt sind.

„Da muss man das Prickelnde eben durch außergewöhnliche Methoden reinbringen”, sagt Einhäuser. Also: mit Internet und anderen modernen Medien, mit Stationenlernen in kleinen Arbeitsgruppen, um zu erkennen, was das Europäische Parlament, was Rat und Kommission eigentlich so treiben. Denn: „Dass unser Leben in Brüssel und Straßburg entschieden wird, ist vielen recht unbekannt”, meint Felix.

Und so laufen erst einmal WahlSpots über die Leinwand im Klassenzimmer. Die üblichen Schlagwörter von „Arbeitslosigkeit” über „Chaos der Regierung” bis „Wirtschaftswachstum” scheppern aus dem Laptop. Und nicht nur Kanzler Schröders Schädel dreht sich im schicken Seitenlicht.

Danach die vernichtende Analyse der Experten an den Schulpulten: nur bundespolitische Themen und bekannte Köpfe; die Politiker aus dem Europaparlament kenne man hingegen gar nicht.

Das klingt sehr aufgeklärt, bestens informiert. „Ja, das hat unser Politiklehrer schon sehr gut gemacht”, meint Sebastian. Die anderen lachen. „Guter Schleimversuch”, sagt sein Lehrer grinsend. Doch da ist wohl auch was Wahres dran.

Die 15- bis 17-Jährigen sind mit Sicherheit viel besser informiert als mancher, der am Sonntag seinen Stimmzettel ganz offiziell in der Urne versenken wird. Doch eine Frage, die drängt weiterhin. Was macht „Europa”, bitteschön, für junge Menschen? Keine vorlaute Antwort dringt aus den Schülermündern. Schulterzucken. Grummeln. Nesteln am Federmäppchen. Stille. Gute Frage.

„Wahl-O-Mat”

Trotzdem: Sie würden am Sonntag wählen gehen. Angeblich alle 24. Klar: „Verpflichtung jedes Bürgers”, „Demokratie”, „Frieden” - das kommt wie aus der Pistole geschossen. Hört sich fast an wie auf einer Wahlkampfveranstaltung...

Bevor sie dann in fünf Jahren ihr erstes wirkungsvolles Kreuzchen für Europa setzen dürfen, steht zunächst noch eine Testwahl im Unterricht an. Doch erst nachdem die Schüler den „Wahl-O-Mat” im Internet besucht haben.

Da warten 30 Thesen zu Europa auf sie. Etwa: „Die Türkei soll in die EU aufgenommen werden.” Was hält jeder Einzelne davon, und inwieweit stimmen die eigenen Ansichten mit denen der verschiedenen Parteien überein?

So gut „gefüttert” mit europäischem Wissen soll dann - nach der ersten „Bauchwahl” - eine zweite Testwahl im Klassenzimmer folgen, sagt Einhäuser. Ob die Wahlbeteiligung dann immer noch bei 100 Prozent liegt?