Baesweiler: Wahlkampf in Baesweiler: Wenn die SPD vor der Haustür steht

Baesweiler: Wahlkampf in Baesweiler: Wenn die SPD vor der Haustür steht

Straßenwahlkampf ist kein Zuckerschlecken. Es regnet hartnäckig. Eine Handvoll Sozialdemokraten schart sich in einem Wahlkreis im Westen von Baesweiler um einen Stehtisch mit rotem Schirm. Sie warten auf Bundestagskandidatin Claudia Moll aus Eschweiler. In kleinen Gruppen soll es von der Ecke Feld-/Ringstraße losgehen, um an den Türen zu schellen und mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen.

Die Kandidatin will sich vorstellen und für das SPD-Programm zur Bundestagswahl werben. Moll wird von der Landtagsabgeordneten Eva-Maria Voigt-Küppers aus Würselen unterstützt.

Und es hat sich ein prominenter „Wahlhelfer“ angekündigt: SPD-Landesvorsitzender Michael „Mike“ Groschek schaut bei seiner Tour durchs Land vorbei.

Die Gegend wurde mit Bedacht ausgewählt. In der (ehemaligen)Bergarbeitersiedlung hat die SPD bislang ganz gut bei Wahlen abgeschnitten, erzählt Dr. Karl Josef Strank unterm tropfenden Schirm. Baesweiler hat sich immer wieder bei den Wahlen als CDU-Hochburg erwiesen. Strank konnte als Bürgermeisterkandidat Amtsinhaber Dr. Willi Linkens nicht aus dem Sattel heben. Werbematerial liegt bereit. Tütchen mit „getrockneten leckeren Apfelwürfeln“ und Gummibärchen sind darunter. Natürlich in Rot.

Die aufgedruckten, weiß linierten Bärchen halten sich solidarisch an den Pfötchen. „Auch hier sind wieder nur die Roten zu gebrauchen“, steht für die SPD werbend auf Streichholzschachteln. Für alle Fälle liegen Papiertaschentücher bereit. „Nicht weinen, wählen“, steht drauf. Die Packungen sind zur politischen Orientierung mit roten Punkten und Parteikennung bedruckt. Auf Karten erläutert Kandidatin Moll in vier Schritten, wie Briefwahl funktioniert und wo möglichst das Kreuzchen landen sollte.

In einem Flyer steht, dass „Soziale Gerechtigkeit“ ihr Leitsatz ist und dass Wandern zu ihren Hobbys zählt. Entsprechend wetterfest gekleidet setzt sich Moll mit ihrer Gruppe in Bewegung. Der mittlerweile eingetroffene Groschek trägt galant und die Kandidatin schützend den Regenschirm. Moll muss die Hände frei haben, um zu klingeln, Hände zu schütteln und Infomaterial zu verteilen.

Mitten in den Sommerferien und bei dem Wetter öffnen sich viele Türen nicht. Bisweilen ist erkennbar, dass jemand zu Hause ist. Drinnen läuft Musik, Fenster sind auf Kipp gestellt. Ein alter Herr am Stock öffnet. „Ich kenne Sie aus dem Fernsehen“, sagt er zu Groschek.

Am nächsten Haus prangen zwei gelbe Schilder. „Ausfahrt freihalten!“ steht auf dem einen, „Einfahrt freihalten!“ auf dem anderen. Drinnen bellt ein Hund. Eine Tür weiter entschuldigt sich der Hausherr, er habe jetzt keine Zeit. Er sei von der Arbeit nach Hause gekommen und gerade erst mit dem Essen fertig geworden.

Seit 1971 ist er bereits in der SPD sagt ein Stück weiter ein andere Hausbewohner. „Das sind drei Jahre länger als ich“, entgegnet Groschek. Hier muss Moll wohl keine Überzeugungsarbeit mehr leisten. Das gilt auch für eine Frau, die einige Jahre für die SPD im Baesweiler Stadtrat war. „Ich bin praktisch der Chef von Bundestagskandidatin Claudia Moll“, ergänzt der Landesparteivorsitzende. In einem Vorgarten liegt ein Frosch gemütlich auf dem Rücken. Auf einem Schild steht „Willkommen“. Geöffnet wird nicht.

„Kriegen Sie keinen Schreck, wir sind nur von der SPD“, sagt Claudia Moll. Die Frau, die die Tür geöffnet hat, ist nur zu Gast in Baesweiler. Sie kommt aus Offenburg sagt sie. „Auch da wird gewählt“, kontert Moll — und lässt ihr wie allen anderen auch, Infomaterial da. Wo nicht geöffnet wird, landen die Flyer in den Briefkästen.

Moll erzählt beim Weitergehen schmunzelnd von einem Mann, der ihr bei einer Tür-zu-Tür-Aktion in Alsdorf zwei Euro in die Hand drücken wollte. „Eine Haussammlung machen wir nicht“, habe sie da gesagt.

In Baesweiler sagt die Kandidatin zu einer Anwohnerin, die die Tür einen Spalt öffnet: „Hier haben Sie Infomaterial. Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie mich an!“ Ihr wird höflich gedankt. Generell reagieren die Angesprochenen höflich, wenn auch zurückhaltend. Eine Tierschützerin nutzt die Gelegenheit, um Moll ins Gewissen zu reden. „Es wäre gut, wenn Sie mehr für den Tierschutz machen würden und gegen Massentierhaltung“, sagt sie. Die Kastrationspflicht für Katzen sollte flächendeckend umgesetzt werden. Moll sagt: „Aber versprechen kann ich nichts, da würde ich Sie anlügen.“

An einer Tür steckt der Schlüssel von außen. Darauf aufmerksam gemacht, dankt der Bewohner. Ob er nun SPD wählt?