Vorstellung des Konzepts für Radverkehr in Baesweiler

Bürgerwerkstatt in Baesweiler : Infrastruktur fürs Radfahren verbessern

Fünf Monate sind seit dem Auftakt der ersten Bürgerwerkstatt „Klimafreundlicher Radverkehr in Baesweiler“ vergangen. Nach zahlreichen Veranstaltungen zur aktuellen Radverkehrssituation in der Löwenstadt und intensiv geführten Interviews mit Bürgern, Ortsvorstehern, politischen Vertretern, der kommunalen Verwaltung, dem Gewerbe sowie dem Bildungswesen wurde zum Jahreswechsel das neue Radverkehrskonzept für die Stadt fertiggestellt.

Während der zweiten Ausgabe der Bürgerwerkstatt informierte Michael Boßhammer vom Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen aus Aachen interessierte Bürger über den Stand der Dinge. Der Fokus liege vor allem auf „alltäglichen“ Wegstrecken. Der Radverkehr in Baesweiler soll sicherer sowie attraktiver gestaltet und die Bürger zu einem häufigeren Umstieg vom Auto auf das klimafreundliche Fahrrad motiviert werden.

Emissionen verringern

Jeder Bundesbürger steht nach aktuellen Analysen im Schnitt pro Tag zehn Minuten im Stau. Das fortwährend wachsende Verkehrsaufkommen erhöht unweigerlich Lärmemissionen sowie die Umwelt- und Luftverschmutzung. Die Auswertungen haben laut Boßhammer ergeben, dass Baesweiler rund ein Drittel seiner Kohlendioxidemissionen auf den Straßenverkehr zurückführen kann.

Eine mögliche Attraktivierung des Pkw-Verkehrs durch einen Ausbau der Infrastruktur sei in diesem Zusammenhang wenig erwünscht. Ein besseres Angebot für Autofahrer mit einer zeitgleichen „Entwertung“ des Fahrradfahrens würde folglich eine stetig wachsende Inanspruchnahme der Infrastruktur bedeuten. Der Straßenausbau wachse nicht linear mit, so dass über kurz oder lang der Ausgangspunkt wieder erreicht wäre – eine „doppelte Abwärtsspirale“, die es nicht nur laut Boßhammer zu verhindern gilt. Als große Vorbilder dienten den Städteplanern unter anderem die „Fahrradhochburgen“ Freiburg und Münster.

Für die ideale Wirkung der Vorteile des Radverkehrs benötige man neben einem Infrastrukturnetz (Fahradwege und -streifen, sogenannte „Fahrradstraßen“) auch Serviceangebote (beispielsweise Ladestationen für E-Bikes) und moderne Abstellmöglichkeiten (Wetter- und Diebstahlschutz). Eine engmaschige Verknüpfung eines neuen Radfahrnetzes mit den Angeboten des ÖPNV sei darüber hinaus unumgänglich – eine Direktanbindung Baesweilers an das Netz der Euregiobahn steht unter anderem mit auf der Agenda.

Wegweiser für den Freizeitradverkehr könnten auch dem täglichen, interkommunalen Radverkehr dienen. Foto: Yannick Longerich

Bei Null fängt man in Baesweiler freilich nicht an. Das ursprüngliche Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2000 wurde in ähnlichen Konzepten 2014 und 2018 eingepflegt und weiterentwickelt.

Im „ländlichen Kreis“ sind laut Boßhammer im Durchschnitt etwa 60 Prozent der „alltäglichen“ Wegstrecken unter fünf Kilometer lang. Eine Verbesserung des „Modal Split“ (Verteilung der personenbezogenen Wegstrecken auf Fußweg, Fahrrad, Pkw und ÖPNV) könnte nach aktuellen Hochrechnungen eine bis zu 40-prozentige Einsparung der verkehrsbedingten Kohlendioxidemissionen erreichen. Diese Erfassung der ortsspezifischen Daten nebst der Potentialanalyse mündete in die Erstellung eines Maßnahmenkatalogs, der ständig aktualisiert wird. Beispielsweise wurde bereits am Knotenpunkt „Kloshaus“ an der L240n die Führung über die Rechtsabbiegefahrbahn zur Landstraße begradigt und Induktionsschleifen installiert.

Erfreulich wenige Rückmeldungen erhielten die Planer nach der letzten Bürgerwerkstatt in puncto unbemerkte Gefahrenstellen. Allerdings mahnte das Plenum an, dass die niedrige Beteiligung zu beachten sei. Generell soll das Angebot von Informationsveranstaltungen erweitert werden. Den Umfrageergebnissen zufolge sei Baesweiler zwar „prinzipiell radfahrfreundlich“, jedoch stelle fehlende Infrastruktur bislang die größte Baustelle dar. Hierzu gehöre laut Boßhammer eine Modifikation der verkehrstechnischen Anordnung. Das verstärkte Einrichten von Tempo-20- und Tempo-30-Zonen sowie eine „Fahrradstraße“ in der Schnitzelgasse sind im Gespräch.

Einen pädagogischen Auftrag sehen die Planer vor allem im schulischen wie im familiären Sektor. Kinder, die mit einem Bewusstsein für gutes und sicheres Fahrradfahren in Baesweiler aufwachsen, seien die Stützen für einen klimafreundlichen Nahverkehr in Zukunft.

Wilhelm Merschen, Schulleiter des städtischen Gymnasiums, erläuterte, dass beispielsweise die Abstellmöglichkeiten für Räder am Gymnasium modernisiert werden sollten. Er wünsche sich, dass die Priorität der Stadt auf den Bildungseinrichtungen liegt.

Unter dem Motto „Interkommunal sowie regional denken und lokal handeln“ bestätigten die Verantwortlichen auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Austausch speziell mit den Nachbarkommunen hierfür intensiviert wird. Aus Reihen der Zuhörer wurde mehrfach auf die unbefriedigende Situation des Radweges von Beggendorf nach Übach-Palenberg hingewiesen. Baesweiler habe seine Hausaufgaben gemacht, Übach-Palenberg komme trotz langer Wartezeit nicht hinterher. Der Radweg „breche“ mitten im Feld ab.

Mehr von Aachener Zeitung