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Baesweiler: Von Jugendlichen, die was bewegen

Baesweiler : Von Jugendlichen, die was bewegen

Nach Gegrilltem riecht es im Hof des Maltesertreffs in Setterich. Innen türmen sich auf den Tellern schon allerlei Leckereien: Süße marokkanische Plätzchen, leckere gegrillte Fleischspieße, warmes Fladenbrot und frische Wassermelone sind da zu sehen. Auch ein paar Würstchen liegen auf den Tellern: Natürlich nicht aus Schweinefleisch, denn viele der Esser sind Moslems.

Auf die Beine gestellt haben diese kleine Feier Menschen, denen das nicht jeder zugetraut hätte: Es sind Jugendliche und junge Erwachsene, viele von ihnen mit Migrationshintergrund. Gefunden hat sich die Gruppe bei „Nachtaktiv”, einem Programm, das seit einigen Wochen erfolgreich in Setterich läuft.

Die Idee hinter dem Projekt ist einfach, funktioniert aber glänzend: Um Jugendlichen zu Beginn des Wochenendes eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten, wird am späten Freitagabend die Sporthalle an der Andreasschule für allerlei sportliche Aktivitäten geöffnet.

Vollkommen neu ist das gemeinsam von der Stadt Baesweiler, dem Kreisjugendamt, dem Aachener Stadtsportbund und dem Kommissariat Vorbeugung initiierte Projekt aber nicht: „Nachtaktiv” lief vor mehr als einem Jahr schon einmal erfolgreich, doch der ehemalige Übungsleiter stieg kurzfristig aus und die Aktion musste eingestellt werden.

Mit dem neuen Leiter Ümit Agirman hat man über den Stadtsportbund wieder jemanden gefunden, der die ehrenamtliche Aufgabe übernimmt. Seinen eigenen kulturellen Hintergrund sieht der türkisch-stämmige Übungsleiter eher positiv: „So fällt mir der Zugang zu den Jungs vielleicht etwas leichter.”

Das gemeinsame Grillen bestätigt, dass Agirman mit seiner Einschätzung richtig liegt: Das Verhältnis zwischen dem Aachener und den Settericher Jugendlichen ist gut. Für Ideen der jungen Sportler ist Agirman immer offen, doch eines ist ihm dabei wichtig: Die Jugendlichen müssen Verantwortung übernehmen.

„Als die Jungs zu mir kamen und gefragt haben, ob wir so ein Grillen zum Beginn der Ferien veranstalten können, habe ich gesagt ja, aber ich lege es in eure Hände, ihr müsst das auf die Beine stellen.”

Für die Jugendlichen war das kein großes Problem: Am Grill hat sich schnell ein Team zusammengefunden, das sich um Fleisch und Gemüse kümmert. Auch die anderen Arbeiten wie spülen oder Getränke sowie Teller verteilen haben sie gut organisiert. Nach dem Essen wollen sie zunächst einmal Fußball schauen - und dann natürlich auch noch selber spielen.

„Es macht mir Spaß, Fußball zu spielen und nicht einfach nur zu Hause rumzusitzen”, erklärt der 20-jährige Abdel Hakim, „auch mein Bruder kommt immer mit. Damit ist Abdel nicht alleine: Mindestens 15 Stammgäste gibt es bei Nachtaktiv, meist sind es etwa 20 Teilnehmer, die freitags mit dabei sind.

„Nur als Kirmes war, waren es einmal weniger”, scherzt Agirman. Warum die Jugendlichen jede Woche kommen? Ein 18-jähriger Mitspieler von Abdel fasst es kurz zusammen: „Sport ist einfach mein Ding. Ich freu mich immer die ganze Woche auf den Freitag!”

Doch nicht nur der Sport steht im Mittelpunkt: Wann immer es geht, lässt Ümit Agirman die Sportler selbst entscheiden, sie sollen Verantwortung tragen, etwas schaffen. „Eigene Spiele haben sie sich auch schon ausgedacht. Da werden dann Regeln festgelegt und alle merken, dass man ihnen etwas zutraut, dass sie etwas bewegen können”, berichtet Agirman. Eines bedauert er aber noch: „Wir haben hier Türken, Marokkaner, Spanier und Italiener. Was uns noch fehlt, wären ein paar deutsche Mitspieler.”

Durch den Kulturmix kamen in der Truppe schon interessante Diskussionen zu Stande. „Ich habe mich mal mit einem Auswechselspieler über Religion und Kultur unterhalten”, erzählt Agirman, „auf einmal saßen immer mehr Andere um uns herum, und alles ist darin geendet, dass wir über eine Stunde lang über diese Themen diskutiert haben.”

Bei aller Verschiedenheit der Teilnehmer: Zu ernsthaften Auseinandersetzungen ist es noch nie gekommen. „Klar wird´s beim Spiel schon mal hitzig, aber das bleibt alles im Rahmen und hat auch nichts mit der Nationalität zu tun”, meint Abdel Karin. Der 20-jährige hat auch schon vor der Pause bei Nachtaktiv mitgemacht, spielt außerdem im Verein: „Hier ist´s aber was anderes. Wir spielen just for fun, außerdem trifft man neue Leute.”

Das Grillteam ist immer noch bei der Arbeit. Angeregt unterhalten sie sich, doch wer damit rechnet, dass die meist ausländisch stämmigen Jugendlichen irgendwelche Vorurteile bedienen, liegt daneben: Natürlich wird auch über Fußball geredet, doch einer der Jugendlichen spricht gerade über seine Studiumspläne nach dem Abitur, andere diskutieren über Ausbildung und Arbeit - die Klischees von den faulen Jugendlichen stimmen nun mal überhaupt nicht...