Nordkreis: Von der Basisarbeit in Berlin profitieren

Nordkreis: Von der Basisarbeit in Berlin profitieren

. Bettina Herlitzius legt Wert auf ihre Bodenständigkeit im Nordkreis. Und die hat sich die Bundestagsabgeordnete der Grünen, die 2007 in den Bundestag nachrückte und jetzt als Kandidatin erneut den Weg nach Berlin sucht, mit den Jahren auch erarbeitet.

In Bad Salzuflen geboren, lebt die heute 49-Jährige seit 25 Jahren in der Aachener Region, studierte an der RWTH Aachen Architektur, war dann Amtsleiterin für Straßenbau und Wohnungswesen des Kreises Aachen.

Sie gehört unter anderem zu den Unterstützern des Frauenkommunikationszentrums Herzogenrath und gehört dem Herzogenrather Stadtrat an.

Dieses Mandat will sich auch behalten, auch wenn sie in die Bundeshauptstadt gehen sollte. „Es ist wichtig, die Projekte hier zu kennen und die Basisarbeit mit zu leisten”, sagt sie im Redaktionsgespräch.

Diese Arbeit, dieses Wissen auch um die Details, könne in Berlin nur von Nutzen sein, meint sie. Dabei gehe es ihr um weit mehr als die vom Image her grün besetzen Themen wie Umwelt- und Naturschutz.

Auf Bau- und Wohnangelegenheiten ist sie spezialisiert. Da ist sie halt ganz Architektin. Mit grünen Fraktionskollegen auf Kreisebene hat sie konkret das Thema Wohnen im Alter beackert, wie sie berichtet.

Grüne wollten hier Akzente setzen. „Wir als geburtenstarke Jahrgänge müssen uns untereinander selbst helfen”, ist ein Ansatz. Durch bewusstes Bauen und entsprechende Förderung von Umbau in der Substanz könnte sowohl Senioren als auch Familien bedarfsgerechtes „Komfort-Wohnen” ermöglicht werden.

Die Förderrichtlinien könne im wesentlichen der Bund angemessen gestalten, nennt sie einen Schwerpunkt ihrer Aktivitäten für die Menschen auch im Nordkreis.

Hierzu hätten auch intensive Gespräche mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau gedient, die dies finanzieren helfen. Es gelte, gezielt Wohnungsunternehmen und -besitzer darauf anzusprechen, sieht sie noch Defizite. „Wir haben das vor allem die älteren Hausbesitzer im Fokus, denn 60 bis 70 Prozent sind über 50.”

Die Kommunen sollten dabei steuernd eingreifen und entsprechend die Strukturen anpassen. Die Wohnquartiere dürften angesichts der demographischen Entwicklung nicht verlieren. „Auf eine gute Mischung” unter den Bewohnern komme es an. Das bedeute auch, die Integration von Einwohnern mit Migrationshintergrund zu fördern - eine Herzensangelegenheit gerade der Grünen.

Verkehrspolitik will sie mit Augenmaß machen. Die „Gesamtzahl des Individualverkehrs” gehe runter. Das habe nicht nur mit dem - nur vorübergehend zurückgegangen - Benzinpreis zu tun, sondern vor allem mit dem demographischen Wandel, ist sie überzeugt.

„Dabei geht es jetzt nur um Vorboten der Entwicklung”, ist sie überzeugt, dass sich manche Engpässe relativieren können. „Das wollen Verkehrsplaner aber leider nicht wahr haben”, bedauert sie. Aus ihrer Sicht würde nur der Lkw-Verkehr weiter zunehmen - vornehmlich auf den Autobahnen.

Mit Blick auf ihr Wohnumfeld Roemonderstraße in Kohlscheid stellt sie fest, dass diese Straße gezielt mit Einzelhandel und neuer Quartierbildung durch Einkaufsbereiche attraktiver geworden sei.

Es sei nicht verwunderlich, dass dorthin auch Verkehr gehe, also Verkehr erzeugt werde. Eine Umgehungsstraße widerspreche als der Konzeption dieses Verkehrsweges, meint sie. Dafür hätte man die Weichen früher stellen müssen.

Ihr Ansatz: Besseres Umgehen mit den Fakten, das heißt zum Beispiel, durch Verhandlungen besseren aktiven und passiven Schallschutz schaffen.

Zum Thema Bildung sagt sie klar: „Wir werden Schulfusionen haben.” Das werde die einzige Möglichkeit, noch attraktive Schulen zu gewährleisten. Das bedeute, dass Haupt-, Realschulen und Gymnasien fusionieren müssten. Das bedeute umgekehrt, „dass wir eine Gesamtschule brauchen, die alle Kinder aufnimmt, aber auch eine starke Binnendifferenzierung bietet”.

Dabei seien auf Grund des damit verbundenen sozialen Zusammenhalts Klassenverbände möglichst lange zu erhalten. Die grüne Kandidatin bedauert, dass der Bund zu viele Kompetenzen in Sachen Bildungspolitik an die Länder abgeben habe. Der Bundestag müsse künftig für klare Rahmenbedingungen und Vergleichbarkeit sorgen.

Ausbildung leiste der Mittelstand in großem Umfang, sagt die Kandidatin. Es sei aber falsch, dass die Politik auf Freiwilligkeit bei der Quote setze und nichts vorgebe. Gerade bei Großbetrieben müsse da nachgesteuert werden.

Die Finanzen müssten für die Bürger nachvollziehbar werden, fordert die Grüne. Deshalb müssten die Kommunen stärker Rechenschaft gegenüber ihren Bürgern ablegen, was sie mit den Steuereinnahmen machen würden. Zugleich müsse endlich eine die Kommunen entlastende Gemeindefinanzreform verabschiedet werden. Da seien in der Vergangenheit gerade Städte und Gemeinden über den Tisch gezogen worden.

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