Würselen: „Vom Kirchhof zur Stele“: Würselener Heimathistorie auf der Spur

Würselen: „Vom Kirchhof zur Stele“: Würselener Heimathistorie auf der Spur

Nach Abschluss der Arbeit an dem Werk „Spurensuche“ (Flurdenkmale in Würselen) wurde im Geschichtskreis St. Sebastian die Idee von der jetzt im Alten Rathaus vorgestellten zweiten Schrift „Vom Kirchhof zur Stele“ geboren.

Darin wird — reichlich illustriert mit Bildern — auf 250 Seiten die Geschichte der Friedhöfe, Grabanlagen, Gedenkstätten und Ehrenmale in der Stadt dokumentiert. Wie es zustande kam, zeichnete Hubert Wickerath, der geistige Vater auch des zweiten Buches, bei der Vorstellung nach.

Bei der Begrüßung aller, die ihren Beitrag zu seiner Auflage leisteten, konstatierte der Leiter des Kulturarchivs, Heinz-Josef Küppers: „Das Werk ist der hervorragenden Zusammenarbeit des Geschichtskreises der Pfarre St. Sebastian mit den Heimat- und Geschichtsvereinen unserer Stadt sowie mit den Religionsgemeinschaften, die in Würselen vertreten sind, zu verdanken.“ Es sei einiges an Arbeit zu leisten gewesen. „Ohne Hubert Wickerath wäre das Buch nicht zustande gekommen.“ Ihm zur Seite stand Karl-Heinz Klinkenberg, der neben Texten auch eine Reihe von Bildern beisteuerte.

„Unsere Friedhöfe sind die letzten Ruhestätten unserer Ahnen“, betonte Dr. Bruno Weyers, der Geschäftsführer des Geschichtsvereins Euchen, als er in dem vorgelegten Werk „blätterte“. Vor diesem Hintergrund sei es lohnenswert gewesen, auch mehr über die Geschichte und den Wandel der besonderen Stätte in Erfahrung und zu Papier zu bringen. Zunächst mussten die bestehenden neun Friedhöfe in der Stadt erfasst werden. Hinzu kamen vier ehemalige Friedhöfe, die der Nutzung entzogen worden sind. Dr. Weysers dachte dabei an die beiden Judenfriedhöfe und die ehemaligen Kirchhöfe direkt an den Kirchen St. Peter und Paul und St. Sebastian sowie an den alten Teil des Broicher Friedhofs. Weitere Vorfahren seien auch an Orten bestattet worden, die heute nicht mehr an einen Friedhof erinnern.

Dr. Weyers nannte den ehemaligen Friedhof an der ersten Weidener Kirche (heutiger Jodokusplatz), die Begräbnisstätte an der neuen Weidener Kirche, den ehemaligen Cholerafriedhof in Morsbach und den ehemaligen evangelischen Friedhof im Stadtteil Bardenberg. Es sollten aber auch diejenigen nicht vergessen werden, die ihr Leben fern der Heimat verloren haben. An sie wird an besonderen Gedenkstätten und Ehrenmalen erinnert. Auch darüber wird der Leser des Buches umfassend informiert. Mehr erfahren wird er auch über die Beerdigungskultur von Menschen, die nicht dem christlichen beziehungsweise dem jüdischen Glauben angehören.

Zu bedenken gab Dr. Weyers, „dass die Quellenlage zur Geschichte aller Einrichtungen teilweise sehr dürftig gewesen ist“. Wo immer es möglich gewesen sei, seien die einzelnen Autoren auch auf die Gründungszeit der Friedhöfe eingegangen. Sie untersuchten die flächenmäßigen Veränderungen und das Einzugsgebiet. Detailliert wurde auf verschiedene Bestattungsarten, die besonderen Gräberfelder, besondere Einzelgräber, Gruften und eventuell vorhandene alte Grabkreuze eingegangen.

Zur besseren geografischen Orientierung aller Örtlichkeiten wurde jedem Busch eine Karten beigelegt. Dr. Weyers sagte: „Wir sind davon überzeugt, dass der Leser viel Neues und auch Spannendes erfahren wird. Er wird nach der Lektüre unseren Friedhof mit einem ganz anderen Bewusstsein betreten.“

Wie Hubert Wickerath zur Entstehung des Buches ausführte, erfolgte die ersten Kontaktaufnahme zu den befreundeten Heimat- und Geschichtsvereinen bereits im August 2012. Bis zum März 2013 wurde in einigen Treffen der Rahmen für das umfangreiche Arbeitsfeld abgesteckt. Das erste Treffen aller Projektpartner fand vor drei Jahren statt. Parallel zur Arbeit an „Vom Kirchhof zur Stele“ fanden Informationsveranstaltungen und verschiedene Exkursionen statt.

Während der Entstehung habe sich der Kreis der Partner ausgeweitet. „Die Bereitschaft zur Mitarbeit sei sehr offen und konstruktiv gewesen. Die allesamt ehrenamtlichen Mitarbeiter setzten alle ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten zum guten Gelingen des vorliegenden Werks ein.“ Die Zusammenarbeit sei das Fundament des Werkes und werde es auch bleiben, sagte Wickerath Dank.

Im Buchhandel erhältlich

Aber auch der Kulturstiftung der Sparkasse Aachen und der Kulturstiftung Würselen sowie dem Geschichtskreis der Pfarre St. Sebastian, ohne die die Drucklegung und der Verkauf zu einem angemessenen Preis von 18 Euro nicht möglich wäre. Käuflich erworben werden kann es bei den örtlichen Buchhandlungen, im Pfarrbüro St. Sebastian und bei den Vereinen und Gemeinschaften, die daran mitgewirkt haben.

Welche Bedeutung Friedhöfe für den jeweiligen Lebensraum haben, führte Bürgermeister Arno Nelles aus. Sie hielten die Erinnerung an den Verstorbenen wach. Solange er in den Köpfen der Nachfahren lebe, solange sei er nicht gestorben. Gäbe es die Friedhöfe nicht, wäre das Gedächtnis der Stadt ärmer, gab Nelles zu bedenken. Karl-Heinz Klinkenberg überreichte ihm das erste Exemplar.

Zur Gestaltung des festlichen Aktes trug Monika Bergrath besinnliche Gedichte vor. Jiddische Musik intonierten Bärbel Ehlert (Geige) und Friedhelm Lutzer (Akkordeon).

(ehg)