Herzogenrath: Volkspark Merkstein: Herrchen, Hund, Haufen und eine Wiese

Herzogenrath: Volkspark Merkstein: Herrchen, Hund, Haufen und eine Wiese

Schön ist es für den Hundehalter, seinen Vierbeiner auch mal laufen zu lassen — und das mitten in der Stadt. Und für den Hund ist es schön, es einmal laufen zu lassen, ohne dass sofort Herrchen oder Frauchen mit diesem komischen Plastikbeutel hinter ihm die Wurst abräumt. Eine solche Oase des Laufenlassens gab es bis vor kurzem in Merkstein in unmittelbarer Nachbarschaft zum neugestalteten Volkspark.

Eine Wiese, die von ihrem Besitzer offenbar seit längerem nicht mehr so recht bewirtschaftet wird und die jedem offensteht. Pferde wurden dort vor Jahren das letzte Mal gesehen. Nur selten wird das Gras gemäht. Ein Paradies für viele Angeleinte, egal an welchem Ende der Verbindung zwischen Mensch und Tier.

Nun ist es vorbei mit der Idylle. Unser Leser und Hundehalter Karlheinz Böke wendet sich erbost an unsere Zeitung und berichtet, dass ein Nachbar eigenmächtig demungezwungenen Treiben dort einen Riegel vorgeschoben hat, obwohl die Fläche ihm doch gar nicht gehöre.

Der Aufforderung, Hunde und Hundehalter doch in Ruhe und diese weiter laufen zu lassen, sei der Mann nicht nachgekommen, sondern habe den breiten Zugang zunächst mit Flatterband versperrt und dort zwei Schilder angebracht, worauf zu lesen gewesen sei, dass die Wiese Privateigentum und keine Hundetoilette sei.

Das Flatterband sei aber zerrissen worden, was dazu geführt habe, dass der erboste Anlieger umso mehr von dieser Meterware als Sperre angebracht habe. Auch hier habe die abschreckende Wirkung nicht lange gehalten. Der Mann habe daraufhin mannshohen Maschendraht vor dem Eingang gespannt und diesen dann „sehr robust mit Holzstangen und Schrauben verschlossen“. „Hiermit eignet sich die Person ein Grundstück an, das ihm nicht gehört“, sagt der beschwerdeführende Hundehalter.

Und mehr noch. Diese Wiese werde als Landeplatz vom Rettungshubschrauber genutzt, zuletzt Anfang August. Bei solchen Einsätzen sei Eile geboten argumentiert unser Hundehalter. Da aber die Wiese so verschlossen worden sei, hätten es Notarzt und Begleitung schwer, von der Wiese zu kommen. Utensilien zur ersten Hilfe müssten über den Zaun gehoben werden. Hierdurch gehe wertvolle Zeit verloren.

Und noch ein Vorwurf: Dem sperrigen Nachbarn sei es offenbar lieber, wenn Hundehalter mit ihren Tieren in den benachbarten Volkspark gehen, „damit dort die Hunde ihr Geschäft machen“, bedauert Böke. Der so gescholtene Nachbar habe obendrein ein (mittlerweile wieder entferntes) Schild aufgehängt, auf dem stand, dass in Kürze die Fläche als Pferdewiese dienen würde.

Das sei aber nur ein Alibiargument. Vor über drei Jahre hätten dort einmal Pferde gestanden. „Ich habe keine Anzeige erstattet. Es geht mir nur darum, dass die Hunde wieder über die Wiese tollen können. Das sehen viele andere Hundehalter hier im Umfeld auch so“, sagt Böke, der mit seinem eigenen Hund und dem seines Sohnes dort gerne regelmäßig unterwegs ist.

Bei der Inaugenscheinnahme vor Ort bestätigen sich die Angaben. Der — bislang recht breite — Zugang zur Wiese ist fest verschlossen und sogar mit Stacheldraht bewehrt. Und auch die Befürchtung Bökes, dass Hundebesitzer jetzt wieder den Volkspark frequentieren, stimmt.

Vor dem Mahnmal, das an die Toten beider Weltkriege erinnert, wachsen ausdampfende Hundehaufen aus dem Boden — obwohl, ein Tütenspender nur wenige Schritte entfernt zur Nutzung einlädt. Auf einem Schild mahnt ein kleiner Vierbeiner Herrchen und Frauchen, sauber nachzuarbeiten. Aber offenbar achten nicht alle auf dieses Schild.

Herzogenraths Technischer Beigeordneter Ragnar Migenda kann angesichts der Auseinandersetzung zwischen Hundehalter und Anwohner nur bedauernd abwinken, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung sagt. Das sei zwar eine bedauerliche Angelegenheit, aber eine privatrechtliche Auseinandersetzung und nicht Sache der Stadt Herzogenrath, dies zu klären.

Beim Stichwort Stacheldraht wird Migenda aber sofort hellhörig und hakt nach. „Stacheldraht geht nicht, schon gar nicht im innerstädtischen Bereich.“ Da würde das Ordnungsamt tätig werden und sich das vor Ort genau anschauen.

Das Argument, es handle sich um einen Landeplatz für den Rettungshubschrauber, weshalb eine solche Sperrung die Retter behindere, ziehe nicht. Es habe zwar eine Vereinbarung in dieser Art gegeben, als noch die Bundeswehr den Luftrettungsdienst stellte, aber diese sei nach dem Wechsel zum Flugdienst des ADAC nicht mehr verlängert worden. Es gebe im gesamten Herzogenrather Stadtgebiet keine ausgewiesenen Landeplätze für den Rettungshubschrauber. Der Pilot entscheide jeweils bei den Einsätzen, wo er landet, sagt Migenda.

So wird wohl letztlich nur einer entscheiden können, ob denn nun die für Hundebesitzer so einladende Wiese am Volkspark wieder geöffnet wird oder gesperrt bleibt: der rechtmäßige Besitzer.