Herzogenrath: Vielfältiges Engagement fürs Gemeinwohl

Herzogenrath: Vielfältiges Engagement fürs Gemeinwohl

Fachkundig machen, sachorientiert diskutieren, konkret handeln: Das waren die Maximen von Maria Dünwald, als sie noch für die SPD im Stadtrat saß. Wer die Sitzungen damals miterlebt hat, erinnert sich, dass sie sich regelmäßig genau dann zu Wort meldete, wenn hitzige Debatten drohten, sich im Kreise zu drehen.

Gewöhnlich fasste sie dann die Eckpunkte zusammen und brachte einen probaten Lösungsvorschlag ein. „Ich konnte immer gut abwarten“, sagt sie bestätigend. Und stellt im selben Atemzug fest: „Die Voraussetzung für konkrete Arbeit ist Fleiß. Ich habe alle Unterlagen für Stadtrat und Ausschüsse nicht nur gelesen, sondern regelrecht studiert.“

Dieser Devise folgend geht die gebürtige Eifelerin, die am morgigen Sonntag 80 Jahre alt wird, bis heute alle Vorhaben an, denen sie sich widmet. Ihr ungebrochenes gesellschaftliches Engagement bereitet ihr nach wie vor einen vollen Terminkalender.

Doch zunächst zur politischen Arbeit, von der Maria Dünwald vor der großen Bücherwand im Wohnzimmer ihres Einfamilienhauses gerne erzählt. 15 Jahre ist sie Stadtverordnete gewesen. Tief hat sie sich seinerzeit in Umweltschutzbelange hineingearbeitet. Ihr größter Erfolg? Der Kampf gegen die Begradigung der Wurm, die der damalige Wasserverband Obere Wurm in den 1980er Jahren für den Bereich Finkenrath vorgesehen hatte. „Die Wurm war damals das am stärksten belastete Gewässer im Land“, erinnert sie sich an die Details, als wär‘s gestern gewesen. „Die Philosophie lautete: den Dreck so schnell wie möglich wegspülen.“

Der entsprechende Feststellungsbeschluss hätte damals eigentlich nicht mehr revidiert werden können. „Doch dann haben wir mit der Merksteiner SPD, Bürgermeister Willi Schultheis, den Naturfreunden und dem BUND einen derartigen öffentlichen Druck erzeugt, dass das Vorhaben auf Eis gelegt wurde.“ Und in den Jahren danach setzte ein Umdenken ein, was Gewässer als natürliche Lebensräume angeht. 1994 kandidierte Maria Dünwald für den Kreistag — und verlor gegen den CDU-Kandidaten Carl Meulenbergh. „Ein Doppelmandat hatte ich nicht haben wollen“, sagt sie. So war sie in den Folgejahren nur noch als sachkundige Bürgerin in der Partei vertreten, der sie 1970 beigetreten war. Damals noch in ihrem Heimatort Mechernich.

„Das war die Willy-Brandt-Zeit“, verweist Dünwald auf diese charismatische Persönlichkeit der Sozialdemokratie, die sie genauso beeindruckt hat wie das Vorbild des eigenen Vaters: „Mein Vater war zwar nie Parteimitglied, aber ein Sozialist durch und durch.“ Der schon früh vor den Nazis und dem Krieg warnte, stets auch den Hitlergruß verweigerte. „Der Eifeler ist halt nicht autoritätshörig“, stellt die Tochter so viele Jahrzehnte später trocken fest. Weil der Vater in Köln tätig war, zog die ganze Familie in die Großstadt. Die die fünfjährige Maria aber bald wieder verließ, traumatisiert durch die Bombennächte.

Fortan lebte sie bei der Patentante in Sötenich bei Kall, eine weitere prägende Persönlichkeit. „Sie hat 40 Jahre lang als Lehrerin gewirkt und unter anderem als erste im Kreis Schleiden die Ganzheitsmethode eingeführt — von der ich heute noch überzeugt bin. Von ihr habe ich den Beruf gelernt“, sagt Maria Dünwald, die nach dem Abitur die Pädagogische Akademie in Aachen absolvierte. Um zunächst vier Jahre in Bonn Lehrerseminare zu geben und Prüfungen abzunehmen. Schließlich entschied sie sich fürs Lehramt an der Hauptschule, zuerst in Mechernich, dann in Herzogenrath, damals noch in dem Gebäude an der Bardenberger Straße, in dem heute das AWO-Heim ist.

Das Gemeinwohl hat Maria Dünwald auch nach ihrer politischen Ära nie aus dem Blick verloren. Und leistet, wie sie selbst sagt, „im weitesten Sinne parteiunabhängig gesellschaftspolitische Arbeit“. Hauptziel: ein Bewusstsein zu schaffen für eine seniorengerechte Zukunft, auch in der Stadtentwicklung. „Durch Barrierefreiheit schafft man letztlich auch familienfreundliche Städte.“

Maria Dünwald engagiert sich im Seniorenbeirat, hat den Verein „Senioren ohne Grenzen“ und die Senioreninfobörse „Rose“ mitgegründet, die unter anderem einmal wöchentlich eine Sprechstunde im Rathaus anbietet. Zudem macht sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die AWO, in deren Auftrag sie überdies zweimal wöchentlich Förderunterricht für Grundschulkinder gibt. Auch in das AWO-Quartiersprojekt „Mitten in Merkstein“ ist sie involviert, als „Knotenpunkt“, sprich Ansprechpartnerin in der Nachbarschaft. Und dann sind da noch zehn unbegleitete Flüchtlinge im Alter von 15 bis 17 Jahren, vornehmlich aus Afghanistan, denen sie mit viel Freude Deutschunterricht erteilt.

Und womit beschäftigt sich die private Maria Dünwald? Umberto Ecos „Baudolino“ zieht sie zurzeit in seinen Bann. Auf Reisen geht sie gerne, mit Horst Herberg, ihrem Lebensgefährten seit 40 Jahren. Und spätestens beim gemeinsamen Hobby, dem Wandern, ist es wieder da, das Engagement: Denn da werden die Wandertouren für die AWO ausgearbeitet, minuziös: „Wo ich einmal war, da kenne ich mich dann auch wirklich aus!“