Würselen: Viele Hausaufgaben vor Einführung des Ganztagsbetriebs

Würselen: Viele Hausaufgaben vor Einführung des Ganztagsbetriebs

Der Stadtrat hat sich bereits im April mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass an allen weiterführenden Schulen der Stadt ab dem Schuljahr 2013/2014 der „gebundene Ganztag” eingeführt werden soll.

Dass das Städtische Gymnasium von dieser Entscheidung - auch freudig - überrascht worden sei, daraus machte dessen Schulleiterin Lydia Becker-Jax auf einer Informationsveranstaltung keinen Hehl.

Dabei wurden Eltern, Schüler und Lehrer umfassend über die Bedingungen und die Umsetzungsmöglichkeiten informiert. Eine Stellungnahme zu diesem Vorhaben wird nun erst die Schulpflegschaft und dann die Schulkonferenz diskutieren. Sich endgültig festlegen will die Schule dann im Oktober 2012 in einer Schulkonferenz.

Dass heute bereits rund die Hälfte der Schüler bis 16 oder gar 17 Uhr in der Schule verweilt, merkte Becker-Jax vorab an. „Wir wollen Ihnen Ängste und Unsicherheiten nehmen”, freute sich von Seiten der Bezirksregierung Dezernent Walter Woltery mit der Schulleiterin über das große Interesse, das der Info-Veranstaltung entgegengebracht wurde.

Von 162 weiterführenden Schulen im Land hätten 42 bereits den Ganztag eingeführt, versuchte Woltery Mut zu machen. Nach dem Willen des NRW-Gesetzgebers soll es bis zum Schuljahr 2015/16 die Hälfte sein. Eine Fernsehreportage stimmte auf die Materie „gebundener Ganztag” ein, gezeigt wurde die Umsetzung am Gymnasium in Hückelhoven. An der Schule, die Walter Woltery vor seinem Wechsel zur Regierung leitete, ist der Ganztag bereits 1992 eingeführt worden.

Welche Ziele mit der Einführung des Ganztages, Chance und Herausforderung zugleich, verfolgt werden, legte Fachberater Michael Wagenführ detailliert dar. An oberster Stelle stehe, dass die Bildung verbessert und die Abschlusschancen erhöht werden sollten.

Benachteiligungen sollen ausgeglichen und verlässliche Betreuungszeiten garantiert werden. Der Ganztag sei eine Chance, „Schule als Lebensraum zu erfahren”. Lernen müsse neu strukturiert, eigenverantwortliches und selbstständiges Lernen noch mehr Raum als bisher eingeräumt werden.

Mit anderen Bildungsakteuren sollte - so Wagenführ - kooperiert werden. Um diese Herausforderungen bewältigen zu können, seien neue Konzepte notwendig. Die Schule müsse Abschied von gewohnten Strukturen nehmen.

Was muss die „gebundene Ganztagsschule” haben? Mindestens drei Tage mit sieben Zeitstunden und ein verlässliches Zeitraster. Lernzeiten müssen - so der Fachberater - „sinnvoll rhythmisch über den Vor- und den Nachmittag verteilt werden”. Die Mittagspause beträgt 60 Minuten, in der ein Mittagessen angeboten wird.

Entwickeln müsse die Schule laut Wagenführ Förderungskonzepte - und freiwillige Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag anbieten. Die Ganztagsschule erhält einen Zuschlag an Lehrerstellen von 20 Prozent. 30 Prozent von ihnen können „kapitalisiert” werden, um außerschulische Mitarbeiter finanzieren zu können.

Baulich unterstützt wird die Einrichtung durch den Schulträger. Wie diese angesichts der ins Haus stehenden Veränderungen der Würselener Schullandschaft aussehen soll und finanziert werden kann, darüber informierte Erster Beigeordneter Werner Birmanns.

Das Gymnasium St. Leonhard in Aachen hat sich vor zwei Jahren für den Ganztagsbetrieb entschieden. Für dessen Schulleiter Stefan Menzel lautete die Frage aller Fragen: „Was kann ich den Schülern anbieten, dass sie in der Schule über Mittag verbleiben, weil ihnen die Schule Freude macht?”

Für ihn muss sich der „Ganztag” an den Bedürfnissen der Schüler und auch der Eltern orientieren und sich an sie anpassen. Er sei ein Prozess. Gebraucht würden - so Menzels erste Erfahrungen - Lehrer, die ihre persönlichen Fähigkeiten in dieses pädagogische Unterfangen einbrächten. Klargestellt wurde, dass der Ganztag von der fünften Klasse an aufwärts eingeführt wird, sich also über Jahre hin entwickelt.

Zur Beantwortung der zahlreich gestellten Detailfragen stand auch noch der städtische Fachbereichsleiter, Herbert Zierden, Rede und Antwort.

Auch wenn nicht alle Fragen abschließend geklärt werden konnten, Appetit auf den Ganztag am Städtischen Gymnasium hatte die Veranstaltung am Ende doch gemacht.

Zum Schuljahr 2012/ 2013 werden am Städtischen Gymnasium Würselen 120 und an der Realschule 118 Schüler in die Eingangsstufe 5 aufgenommen. Zum Heilig-Geist-Gymnasium wechseln 27 Schüler aus Würselen.

Das Gymnasium bildet vier, die Realschule fünf Eingangsklassen. An der Hauptschule wird zum Schuljahr 2012/ 2013 keine Eingangsklasse mehr gebildet.

Zum Beginn des Schuljahres 2012/2013 pendeln vier Schüler zum Würselener Gymnasium, 21 zur Realschule nach Würselen ein.

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