Alsdorf/Würselen: Viel Beifall für Schwanensee auf dem Morlaixplatz

Alsdorf/Würselen: Viel Beifall für Schwanensee auf dem Morlaixplatz

Furios ist das Kultur-Festival des Kreises Aachen im Nordkreis gestartet: Dicht drängten sich die Zuschauer vor dem Würselener Rathaus auf dem Morlaixplatz, das bereits zum dritten Mal Kulisse für die Tanz-Compagnie des italienischen Oplas Teatro war.

Das Ensemble um Choreograf Luca Bruni präsentierte mit „Es war einmal Schwanensee” ein fulminantes Tanzspektakel, angelehnt an Tschaikowskys berühmtes Ballett.

In mehr als zehn europäischen Ländern hat das Oplas Teatro seinen Traum von „Schwanensee” bereits mit großem Erfolg aufgeführt. Für den Auftritt in Würselen ergänzte die Compagnie ihre Inszenierung mit einigen neuen Elementen.

Mit faszinierender Leichtigkeit bewegen sich die Tänzer selbst auf hohen Stelzen. Laufen, rennen oder springen gar auf ihnen. Vollführen selbst Hebefiguren auf den Stelzen, als ob es nichts wäre. Der „Schwanensee” des Oplas Teatro entführt in eine zauberhafte Welt, auf verschiedene Kontinente. Da tanzt der chinesische Drache ebenso wie es einen archaischen, afrikanischen Part gibt.

Zwischen all den leisen Tönen, die sich in der Inszenierung wieder finden, beeindrucken vor allen Dingen die Pompösität und der Ideenreichtum, die das Ensemble an den Tag legt. Mehr ist manchmal eben doch mehr. Und so geizt das Oplas Teatro nicht mit Effekten und aufwändigen Kostümen und Requisitenaufbauten.

Streicherensemble eingeflogen

Mit brennenden Fackeln schreiben die Tänzer auf ihren Stelzen Bilder in den dunklen Nachthimmel. Tanzen halbnackt im Wasser. Verlassen zwischendurch die vorgezeichnete Bühne und bewegen sich auf Stelzen durch die Zuschauerreihen.

Bei aller Verfremdung und modernen Interpretation des klassischen Stoffes, die Sage von der verzauberten Schwanenprinzessin, die nur durch die Macht der wahren Liebe aus dem Bann des bösen Zaubers gerettet werden kann, war immer noch deutlich zu erkennen. Natürlich durfte auch der weit über die Grenzen des Balletts hinaus bekannte Tanz der vier kleinen Schwäne nicht fehlen. Mit einem Feuerwerk am Himmel und einem nicht enden wollenden Applaus endete der Auftritt des Oplas Teatro in Würselen.

Ein Wiedersehen mit der italienischen Compagnie gab es gleich am nächsten Abend. Dieses Mal im Alsdorfer Energeticon. Die alte Industriearchitektur, die mittlerweile zum multifunktionalen Veranstaltungsort umgebaut wurde, erlebte eine echte Deutschlandpremiere: Zum ersten Mal auf deutschem Boden spielte das Ensemble „Love”. Eine Reflexion über das menschliche Wesen in seinem eignen Mikrokosmos, in ewiger Wechselwirkung und Auseinandersetzung mit seiner Geschichte.

Es geht um Liebe in all ihren Facetten. Um fröhliche Hochzeitsgesellschaften, um das Verlassenwerden und um die Frage, wie es danach weitergeht. Das Bühnenbild ist bei „Love” auf ein Minimum reduziert. In fahrbaren Säulen versteckt sich die Lichttechnik. Im Gegensatz zu „Es war einmal Schwanensee” setzt „Love” nicht auf große Spezialeffekte, sondern auf die Kraft der Körper, die Intensität der Tänze. Die Bewegungen der Tänzer gehen fast lautlos ineinander über. Elegant und kraftvoll zugleich. Mal mit Anleihen aus klassischen Balletttänzen, mal ganz modern. Die Choreografie des nackten Körpers, die Regisseur Luca Bruni seinen Tänzern abverlangt, wirkt dabei weder effekthascherisch noch anstößig. Ein fünfköpfiges Streicherensemble - eigens für diesen Auftritt aus Italien eingeflogen - spielte dazu live Vivaldis „Vier Jahreszeiten”. „Das war nur möglich, weil es vom Ministerium für Kultur der Republik Italien, Region Umbrien, gefördert wurde”, sagt die Organisatorin des Kultur-Festivals, Dr. Nina Mika-Helfmeier, Kulturreferentin des Kreises Aachen. Eine Deutschlandpremiere, die noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.