Würselen: Viel Aufhebens um eine zweite Bake in Bardenberg

Würselen : Viel Aufhebens um eine zweite Bake in Bardenberg

Anna und Wilhelm Müller kämpfen gegen Windmühlen, so zumindest erscheint es ihnen. Dabei wollen sie nur einigermaßen sicher ihr Hofgrundstück verlassen können. Ohne Gefahr zu laufen, von dicht vorbeifahrenden Autos erfasst zu werden. Ein rotweißes Stück Blech an einem Alu-Pfosten ist alles, was sie sich dazu wünschen. Doch was sich so einfach anhört, hat sich längst zum Rechtsstreit entwickelt.

Bei Müllers Immobilie handelt es sich um den Eckbau an der Einmündung Am Kaiser/Im Grötchen in Bardenberg. Einen Bürgersteig gibt es in der Nebenstraße nur auf der gegenüberliegenden Seite, am Haus der Müllers vorbei verläuft lediglich ein schmales „Schrammbord“, so dass Autos und Zweiräder vor allem im Begegnungsverkehr direkt am Grundstück vorbeirollen.

Schon zehn Minuten Fototermin brachten Aufschluss über eine mitunter sehr unübersichtliche Verkehrslage im Grötchen: Patienten parken immer wieder vor der Arztpraxis (Bild oben u. unten r.), wodurch der Engpass im Einmündungsbereich zur Straße Am Kaiser noch schmaler wird. Wenn Wilhelm Müller sein Tor abschließen möchte, läuft er Gefahr, von Autos erfasst zu werden, deren Fahrer am Fahrbahnrand parken wollen. Seine Hecke sieht er da als Schutz an. Foto: Beatrix Oprée

Der Hauseingang, nur wenige Meter von der Einmündung Am Kaiser entfernt, ist deswegen vor elf Jahren schon mit einer rot-weiß gestreiften Bake gesichert worden. Nach einer zweimonatigen „Probezeit“ wurde diese fest installiert. So weit, so gut.

Schon zehn Minuten Fototermin brachten Aufschluss über eine mitunter sehr unübersichtliche Verkehrslage im Grötchen: Patienten parken immer wieder vor der Arztpraxis (Bild oben u. unten r.), wodurch der Engpass im Einmündungsbereich zur Straße Am Kaiser noch schmaler wird. Wenn Wilhelm Müller sein Tor abschließen möchte, läuft er Gefahr, von Autos erfasst zu werden, deren Fahrer am Fahrbahnrand parken wollen. Seine Hecke sieht er da als Schutz an. Foto: Beatrix Oprée

Am Ende der Hausmauer markiert dann eine Ligusterhecke den Beginn des Hofgrundstücks, auf dem sich auch zwei Garagen befinden. Das Grün ist, bündig mit der Grundstücksgrenze, exakt in Form geschnitten — „und ein wichtiger Schutz für uns, wenn ich zum Beispiel vor dem Tor stehe, um es auf- oder abzuschließen“, sagt Wilhelm Müller. Denn vor allem Fahrer, die die Parkplätze direkt im Anschluss an sein Hoftor im weiteren Straßenverlauf nutzen wollen, fahren unmittelbar an der Bordsteinkante vorbei. Und ihm dabei mitunter fast die Absätze ab.

So haben die Müllers also im April 2017 einen Antrag auf eine zweite Bake neben ihrem Haus gestellt, die so aufgestellt werden soll, dass der Verkehr um das Hoftor herum gelenkt wird. Nach mehreren telefonischen Anfragen, so legt Müller unserer Zeitung dar, sei nach sechs Monaten dann eine ablehnende Antwort gekommen, samt Rechtsbehelfsbelehrung.

Für die Müllers kaum zu glauben. Denn zu unzähligen gefährlichen Situationen sei es in der Vergangenheit gekommen, „wir nutzen den Zugang über den Hof ja wesentlich häufiger als den eigentlichen Hauseingang“, sagt Wilhelm Müller. Brenzlig sei es etwa auch, wenn er das Grundstück mit seinem Wagen verlassen will. Die Straße einsehen kann er dabei nicht, seine Frau weist ihn meistens ein. „Das geht natürlich nur, wenn sie zu Hause ist“, sagt Müller. Abenteuerlich sei es auch, wenn er das Grundstück mit der Schubkarre oder dem Rad verlassen wolle.

Und geradezu Angst habe er um seine beiden jüngsten Enkel, acht und zwölf Jahre alt. Denn viele der vorbeifahrenden Wagen seien für die Enge der Straßensituation unverhältnismäßig schnell unterwegs, auch wenn im Grötchen 30 km/h gelte. Nicht zu vergessen die recht starke Frequentierung der schmalen Straße, die zu rund 20 Häusern an der Talstraße, etwa 50 Häusern im Grötchen, zirka 20 Häusern An Wilhelmstein, zur Mehrzweckhalle und zur Burg führe, dazu kämen die Patienten der anliegenden Arztpraxis.

Anwalt und Klage

Alles Argumente, die im Zuge des Verfahrens aufs Tapet gebracht wurden — und von der Stadt nicht akzeptiert würden. Die Müllers haben einen Anwalt eingeschaltet und beim Verwaltungsgericht Aachen Klage gegen den städtischen Bescheid eingelegt. Seither gehe der Schriftverkehr hin und her, schildert Müller. So verweise die Stadt unter anderem auf ein „nicht unverhältnismäßig hohes Verkehrsaufkommen“ im Grötchen und dass beim Ein- und Ausfahren gemäß Straßenverkehrsordnung „gesteigerte Sorgfaltspflichten“ gälten sowie für alle Verkehrsteilnehmer nach Paragraph 1 das Erfordernis nach „ständiger Vorsicht und gegenseitiger Rücksicht“.

Umstände zur Vermeidung der Gefahren, so die Stadt, würden durch die Schaffung von Sichtverhältnissen unter den Verkehrsteilnehmern geschaffen. Und diesen stehe eingangs erwähnte Hecke quasi im Wege. Die beantragte Bake stelle ein „dauerhaftes Hindernis“ für den Verkehr dar und sei nicht nur aus finanzieller Sicht „ein stärker belastendes Mittel“ als ein eventueller Rückschnitt des Ligusters. Ohne den sich Müller aber eben schutzlos vorkommt.

Ein Gutachten, das die Eheleute durch ein Aachener Fachbüro haben erstellen lassen, kommt nach Betrachtung von Sachlage und rechtlichen Vorgaben indes zu dem Schluss, dass ein Schutzbereich vor dem Hoftor „sehr kostengünstig“ durch eine einzelne Bake oder Leitschwellen mit kurzer Bake (Bischofsmützen) erreicht werden könne. Zwischen der Bake am Hauseingang und einer neuen „Engstelle“ vor dem Hoftor wäre mit neun Metern ausreichend Platz für Pkw, um den Gegenverkehr abzuwarten ...

Die Stadt Würselen lässt auf Nachfrage mitteilen, dass ein Ortstermin von Straßenverkehrsbehörde (Ordnungsamt), Straßenbaulastträger (Tiefbauamt) und Polizei ergeben habe, dass eine Bake „nicht erforderlich“ sei. Und aufgrund des laufenden Verfahrens sei keine abschließende Stellungnahme möglich.

Wie es nun weiter geht, sagt Wilhelm Müller, „ist ungewiss, ein Gerichtstermin noch nicht in Sicht.“