Herzogenrath: Vetrotex-Gelände: Vier Handwerksbetriebe im Gespräch

Herzogenrath: Vetrotex-Gelände: Vier Handwerksbetriebe im Gespräch

Ein Mann mit Hund spaziert über den planierten, von zartem Grün durchsetzten Bauschotter. Teile des Geländes gleichen einer Seenplatte, in der sich die Häuser auf dem Hang widerspiegeln. Ein Radfahrer strampelt den Weg zum Neubaugebiet Dahlemer Straße hinauf. Ansonsten trotzt nur noch eine kahle Lärche der winterlichen Kälte.

Gut sechs Jahre ist es her, dass die Firma Vetrotex an der Bicherouxstraße ihre Pforten schloss und nach langem Kampf um Abfindungen und Sozialpläne rund 200 Mitarbeiter freigesetzt wurden. Spektakulär waren die Abrissarbeiten der massiven Aufbauten des einstigen Glasfilamente-Herstellers, die sich fast über ein Jahr hinzogen. Geblieben ist eine aufgeräumte Brache, die auf eine neue Verwendung wartet. Schon 2010 war eine Machbarkeitsstudie für den Bereich erarbeitet und in 2012/13 der Rahmenplan „Nördliche Innenstadt Herzogenrath-Mitte“ entwickelt worden.

Die oberhalb des Hangs ausgewiesenen 38 Wohngrundstücke in Richtung Dahlemer Straße sind unterdessen längst bebaut worden. Ein Umstand, der die Opposition aus Grünen, Linke, FDP und Piraten zu einem Antrag für den kommenden Umwelt- und Planungsausschuss bewegt hat, der sich auf die noch vakanten Flächen entlang der Bicherouxstraße und Richtung Thiergarten bezieht: Unverändert bestehe in Herzogenrath große Nachfrage nach „hochwertigen citynahen Wohnquartieren“, heißt es in der Begründung. Auf dem ehemaligen Vetrotex-Gelände könnte ein solches beispielhaftes Quartier entstehen, „das von sehr kurzen Wegen zur Innenstadt, Schulen, Bahnhof usw. profitieren könnte“.

Bei Bürgermeister Christoph von den Driesch stößt dieser Vorstoß allerdings auf wenig Gegenliebe: Es gebe „konkrete gewerbliche Interessenten für die Vetrotexfläche“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Und betont überdies: „Im Übrigen ist meines Erachtens eine Wohnnutzung nicht planungsrechtlich darstellbar, allein die Immissionen lassen das nicht ansatzweise zu.“ Vielmehr riskiere die Opposition, „potenzielle Interessenten und auch bestehende Betriebe unnötig zu verunsichern.

Glasstandort nicht gefährden

Die immissionsschutzrechtlichen Abwägungen in Bezug auf die Dahlemer Straße, auf deren öffentlich zugängliche Unterlagen ich an dieser Stelle verweisen möchte, geben das Problem bereits wieder.“ Unterhalb dieses Bereiches gefährde eine solche Ausrichtung wie sie die Opposition anrege letztlich sogar die Zukunft des Glasstandorts in Herzogenrath.

Um darzulegen, wie heikel derartige Planvorhaben sein könnten, verweist von den Driesch auf einen Rechtsstreit in Bergisch-Gladbach: Dort möchte ein Investor auf einem alten Industrieareal ein Gewerbe- und Wohnquartier errichten. Gegen den positiven Bauvorbescheid hat die unweit angesiedelte Saint-Gobain Isover G + H AG jedoch bereits vor Jahresfrist Klage eingereicht, wie u.a. der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete. Der Grund: Zukünftige Einschränkungen des Gladbacher Werks durch die geplante Wohnbebauung sollten vermieden werden. Das Projekt ruht seither.

Von den Driesch mahnt daher zur Vorsicht mit Blick auf die Gewerbebetriebe im Bereich Bicherouxstraße in Herzogenrath, die es unbedingt zu halten gelte: So habe man etwa zur Unterbringung von Flüchtlingen an der Eygelshovener Straße nur mobile Einheiten konzipiert. Um klar zu signalisieren, dass hier kein dauerhafter Wohnungsbau vorgesehen ist.

„Wir haben uns natürlich auch schon Gedanken gemacht, wie Gewerbe auf der Vetrotex-Brache anzuordnen wäre, um Immissionen so zu verteilen, dass sie nach oben, zum Wohngebiet hin, minimiert werden“, ergänzt der Bürgermeister. Nachdem ein „dicker Fisch“, der die gesamte Brache übernommen hätte, wieder vom Haken gegangen war, interessierten sich nun sehr konkret vier Handwerksunternehmen für den Standort, sagt von den Driesch, der nochmals darlegt, besagtes Gelände nicht nur wegen der Immissionen umliegender Firmen, sondern auch wegen der davor verlaufenden Bahnstrecke als Wohnstandort für ungeeignet zu halten.

Das Sanierungsgebiet Innenstadt Nord soll nunmehr im Integrierten Handlungskonzept Herzogenrath-Mitte aufgehen. Aus fördertechnischen Gründen sei dazu eine Aufhebung der Sanierungssatzung „Nördliche Innenstadt“ gegeben.

Darüber und über den Sachstand „Entwicklungsziele Herzogenrath-Mitte“ diskutiert der Umwelt- und Planungsausschuss am Dienstag, 8. Dezember, 18 Uhr, im Rathaus.

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