Verwaltungsgericht beschließt: Gesamtschule Würselen wird weitergebaut

Baugenehmigung : Gericht: Bau der Gesamtschule nicht rücksichtslos

Das Verwaltungsgericht Aachen hat jetzt noch genauer begründet, warum es am 7. November beschlossen hat, die Aussetzung der Baugenehmigung für die Gesamtschule Würselen wieder aufzuheben.

Julia Backhaus, Richterin am Verwaltungsgericht und dort stellvertretende Pressedezernentin, teilte unserer Zeitung mit, dass die Aussetzung der Baugenehmigung für die Gesamtschule an der Krottstraße angesichts der schallschutztechnischen Nachberechnung durch die Stadt Würselen jetzt nicht mehr geboten sei. Der Schallschutznachweis beziehe wie gefordert auch die Schüler unter 14 Jahren als Lärmquelle mit ein.

Abwehrrecht nicht gegeben

Der errechnete Gesamtpegel zeige, dass die Lärmgrenzwerte auf dem Hausgrundstück der beteiligten Nachbarn nicht überschritten würden.

Und das Verwaltungsgericht geht auch noch auf andere Kritikpunkte aus Reihen von Anwohnern ein, die ein Betroffener in seinem Antrag auf Aussetzung der Baugenehmigung gegenüber der 3. Kammer angebracht hatte. So folge laut Backhaus auch nicht ein Abwehrrecht der Nachbarn gegenüber dem Vorhaben aus anderen Vorschriften des Baurechts. Der Bau der Gesamtschule erweise sich nicht als rücksichtslos.

Dies gelte insbesondere mit Blick auf die zu erwartende Verkehrszunahme. Der zusätzliche Verkehrslärm sei gering. Die Zunahme des Fahrzeugverkehrs sei durch Verkehrsgutachten umfassend und überzeugend ermittelt worden und als zumutbar anzusehen.

Die ordnungsgemäße Entwässerung erfolge allein im öffentlichen Interesse und könne nicht vom Nachbareigentümer gerichtlich geltend gemacht werden.

Im Übrigen sei eine außergewöhnliche Überschwemmungsgefahr für das Grundstück der Antragsteller wenig plausibel, da dieses bis zu 80 Zentimeter über dem Vorhabengrundstück liege.

Des Weiteren gehe vom Gesamtschulgebäude keine sogenannte erdrückende Wirkung aus, da das Hausgrundstück der Antragsteller auch nach Errichtung des Baukörpers als eine Fläche mit eigenständiger Nutzungscharakteristik wahrzunehmen sein werde.

Dass das Grundstück der Nachbarn vom Gesamtschulgebäude aus teilweise einsehbar sei, führe nicht zur Rücksichtslosigkeit des Bauvorhabens. Vielmehr sei dies normale Folge der Wohnbebauung.

Abstand eingehalten

Auch könnten die Antragsteller nicht verlangen, dass der Lagevorteil der bisherigen Ortsrandlage erhalten bleibe. Schließlich verstoße die Baugenehmigung für den Schulbau nicht zu Lasten der beteiligten Nachbarn gegen die Anforderung über die Einhaltung von Abstandflächen und des Brandschutzes.

Gegen den Beschluss können die Antragsteller nach Angaben des Verwaltungsgerichts Aachen Beschwerde einlegen, über die das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheidet.

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