Interview mit Liederkranz-Vorsitzenden: „Verein hat überregionale Ambitionen“

Interview mit Liederkranz-Vorsitzenden : „Verein hat überregionale Ambitionen“

Der Wechsel an der Vereinsspitze und des Probenlokals sowie Nachwuchssorgen — beim Konzertchor MGV Liedekranz Würselen gibt es zahlreiche Tätigkeitsfelder, die zu beackern sind. Markus Ross unterhält sich darüber mit dem Liederkranz- Vorsitzenden Leo Heck.

Herr Heck, im Frühjahr übernahmen Sie das Amt des Vorsitzenden des Konzertchors MGV „Liederkranz“ Würselen. Was bewog Sie dazu, dieses sicherlich nicht einfache Ehrenamt für diesen weit über die Grenzen der Düvelstadt hinaus bekannten und renommierten Vereins mit seiner 134-jährigen Geschichte zu übernehmen?

Leo HECK: Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Als erstes möchte ich die Liebe zur Musik nennen, die Chormusik ist für mich ohne Übertreibung ein wahres Lebenselixier. In diesem Jahr bin in seit zwei Jahrzehnten aktiver Sänger im Liederkranz. Im Frühjahr ließ ich mich in die Pflicht nehmen, nachdem unser langjähriger Vorsitzender Jürgen Stockem das Amt des 1. Vorsitzenden nicht mehr übernehmen wollte.

Jürgen Stockem hat eine Ära geprägt und den MGV Liederkranz zu dem gemacht, was er heute ist: ein äußerst renommierter Gesangsverein in der Städteregion Aachen mit überregionalen Ambitionen. Jürgen Stockem hat mit viel Enthusiasmus in 50 Jahren immer zum Wohle des Chores dieses Amt bekleidet. Da bin ich in sehr große Fußstapfen getreten, was mir zuerst einmal gehörigen Respekt und auch — was ich nicht verhehlen will — etwas Angst einflößte.

Was wollen Sie ändern, was haben Sie schon geändert und ändern können?

Heck: Im Grundsatz ist der Verein sehr gut aufgestellt, die Leistung des Chores ist unverändert, nicht zuletzt dank der bisherigen Vereinsleitung und unseres Chorleiters Ando Gouders als hervorragend zu bezeichnen. Es muss nicht viel geändert werden, an einigen Stellschrauben möchte ich aber drehen. Hierzu zählen neben dem größten Problem, was viele Vereine umtreibt, der Nachwuchsförderung, auch ein paar programmatische Akzente.

Mir liegt sehr am Herzen, dass wir in Zukunft noch mehr durch Konzerte in Würselen und auch in den umgebenden Städten präsent sind. Bereits Ende September, genauer gesagt am Samstag, 29. September, stellen wir unser Herbstkonzert unter das Motto: „Jazz geht‘s los“. Das Konzert, zu dem es Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen gibt, beginnt um 18 Uhr in der Aula des Städtischen Gymnasiums Würselen. Gemeinsam mit der New-Orleans-Jazzband „Sun Lane LTD“ werden wir hoffentlich zur Freude unseres Publikums einen unterhaltsamen Abend erleben.

Fernerhin möchte ich auch mit meinen Vorstandskollegen darauf hinwirken, dass wir in kleinerem Rahmen in sozialen Einrichtungen wie zum Beispiel Seniorenzentren konzertieren. Ich denke, dies fördert das Ansehen unseres Chores und eines jeden Mitglieds unserer Sängerschar.

Sie sagten es bereits, der fehlende Sängernachwuchs wird für viele Gesangvereine aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmend zum Problem. Die Anmeldungen sind bei Chören rückläufig, nicht nur beim MGV Liederkranz. Wie wollen Sie dem entgegenwirken?

Heck: In dem ich einen ganz besonderen Appell an alle Lebenspartner/innen der potenziell am Gesang interessierten Männer richte: Motivieren Sie ihren Ehemann oder Lebenspartner, einmal zum Chor zu gehen und dort mitzumachen! Die Auswirkungen auf das Wohlbefinden, die Gedächtnisleistung und die Gesundheit durch das Erlernen von Chormusik ist nicht zu unterschätzen.

Aber nicht nur, was die Gesundheit angeht — auch das Zusammenleben und die Bedeutung der sozialen Kontakte sind nicht zu unterschätzen, vor allem bei Personen, die nicht mehr täglich im Job arbeiten. Hier kann durch die Teilnahme an den Chorproben eine Abwechslung im allabendlichen Zusammensein eine gute Variante der Kommunikation innerhalb der Lebensgemeinschaft darstellen.

Was heißt das konkret?

Heck: An den Sängern unseres Liederkranzes kann man erkennen, was ich meine: Sie sind ausgeglichen, freuen sich darauf, einmal die Woche wieder „ihre Lungen“ gut zu füllen und mit großer Aufmerksamkeit den Worten des Chorleiters zu folgen. Natürlich bekommt auch jeder seine Notenblätter, was beinhaltet, dass die Sänger sich spielend leicht in die Notenwelt einarbeiten können.

Also man kann erkennen, dass das Singen die Lungenfunktion erhöht und die Gehirnleistung aktiviert. Das bezeugt auch das hohe Lebensalter unserer aktiven Sänger, denn der Altersdurchschnitt beträgt etwa 73 Jahre! Aber unser jüngstes Chormitglied ist gerade 31 Jahre alt geworden. Leider fehlen ihm und uns die jüngeren Männer, um unseren Altersdurchschnitt weiter nach unten zu korrigieren! Deshalb dieser Appell, unsere Proben in den neuen Räumlichkeiten am Gymnasium zu besuchen, nachdem wir vom Saal Houben leider Abschied nehmen mussten.

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