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Würselen: Uralten Schacht im Baugebiet entdeckt

Würselen : Uralten Schacht im Baugebiet entdeckt

Beim Ausheben einer Baugrube im Neubaugebiet Ravelsberg, in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Schwimmbades am Wisselsbach, sind Bauleute am Wochenende auf die Öffnung eines mit Wasser gefüllten Schachtes gestoßen.

Experten des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege und vom Bergamt Düren bestätigten nach ersten Untersuchungen: Der Schacht ist - auch nach Einschätzungen der Archäologen - mindestens 200 Jahre alt!

Nach dem Abpumpen des Wassers zeigte sich das gesamte Ausmaß des Fundes: Ein rechteckiger, ca. 1,20 mal 1,40 Meter weiter Schacht mit fast vollständig erhaltenem hölzernen Ausbau. Eine erste Messung ergab eine Teufe (Tiefe) von mehr als 20 Metern. „Danach war klar, dass wir am Ravelsberg eine bis dahin völlig unbekannte bergbauliche Einrichtung vorgefunden hatten”, erklärte Michael Liebenwein, Bauingenieur beim Projektentwicklungs-Unternehmen Reuter (Langerwehe).

Da aus der näheren Umgebung keine weiteren Hinweise auf bergbauliche Aktivitäten bekannt sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass der einige Kilometer südlich des eigentlichen Wurmreviers niedergebrachte Schacht am Ravelsberg zur Erkundung der geologischen Verhältnisse des hier zutage tretenden Steinkohlengebirges gedient hat. Der erstaunlich gut erhaltene Schachtausbau aus Eichenholz zur Sicherung der Stöße bzw. Schachtwände lässt eine interessante Technik der Schachtzimmerung erkennen.

Auffallend ist die Art und Weise des Ausbaus aus waagerechten Rahmenhölzern und senkrecht so eingebrachten Verzugsbrettern, dass der Ausbau dabei allein durch die Klemmwirkung des seitlichen Gebirgsdrucks ohne weitere Verankerung gehalten wird. Bei montanarchäologischen Untersuchungen eines mittelalterlichen Silberbergwerks auf dem Altenberg im Siegerland durch das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum konnte dort die gleiche Technik des Schachtausbaus erstmals dokumentiert werden. Das Bergwerk und die dazu gehörende Siedlung stammten nachweislich aus dem 13. Jahrhundert.

Uni prüft Holz

Genauere Auskunft zum Alter des Würselener Schachtes erhoffen sich die Denkmalpfleger durch eine Jahresringanalyse (Dendrochronologie), die an einer Holzprobe aus dem Verbau des Schachtes durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln vorgenommen werden soll.

Zunächst mit gemischten Gefühlen, später aber erleichtert betrachtete der Bauherr Dr. Markus Meusel „seinen Fund” in der Baugrube. Eine größere Bauverzögerung wird es nicht geben. Nach Verfüllung des Schachts können jetzt die Bauarbeiten fortgesetzt werden.